In Baden-Württemberg arbeiteten im Jahr 2010 gut 5,59 Millionen Erwerbstätigen insgesamt 7,8 Milliarden Stunden, rund 215 Millionen Stunden bzw. 2,8 Prozent mehr als im Jahr 2009. Damit erreichte die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden zwar noch nicht ihren bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008, der zahlenmäßige und prozentuale Zuwachs war jedoch der höchste seit Beginn der Berechnungen im Jahr 1998 und etwas stärker als im Bundesdurchschnitt (+ 2,6 Prozent). Hauptursache für den starken Anstieg der geleisteten Arbeitsstunden im Südwesten ist der kräftige Konjunkturaufschwung, der insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe wieder für vollere Auftragsbücher und damit für einen massiven Rückgang der Kurzarbeit sorgte. Alleine im Verarbeitenden Gewerbe nahm die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um mehr als 90 Millionen oder 4,8 Prozent auf rund 2 Milliarden zu, so dass im Jahr 2010 alleine fast 43 Prozent des höheren Arbeitseinsatzes auf das Konto der Industrie ging.
Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellter, Beamte, Richter, ausschließlich marginal Beschäftigte wie Personen mit Minijobs oder Ein-Euro-Jobs, Soldaten) oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Bezahlte, aber nicht geleistete Arbeitsstunden wie Jahresurlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder krankheitsbedingte Abwesenheit zählen dagegen nicht zum Arbeitsvolumen. Betrachtet man die geleistete Arbeitszeit in den einzelnen Wirtschaftszweigen, gibt es vor allem wegen der unterschiedlichen Präsenz von Selbstständigen, Teilzeit- und marginaler Beschäftigung, aber auch wegen unterschiedlicher tariflicher Rahmenbedingungen zum Teil erhebliche Unterschiede. In der Land- und Forstwirtschaft arbeitete 2010 ein Erwerbstätiger durchschnittlich 1 742 Stunden, deutlich mehr als im Produzierenden Gewerbe mit 1 426 Stunden. Noch geringer war das durchschnittliche Arbeitspensum je Erwerbstätigen in den stark von Minijobs und Teilzeit geprägten Dienstleistungsbereichen. Dort kam ein Erwerbstätiger lediglich auf durchschnittlich 1 376 Stunden. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen in allen Wirtschaftsbereichen verringert. Darin kommt insbesondere die wachsende Zahl an Teilzeit- und Minijobs zum Ausdruck.
Das Niveau der durchschnittlich geleisteten Arbeitszeit je Erwerbstätigen fällt in den Bundesländern recht unterschiedlich aus und reichte im vergangenen Jahr von 1 483 Stunden in Thüringen und Hamburg bis 1 391 Stunden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Baden-Württemberg hatte bundesweit die fünftniedrigste Pro-Kopf-Arbeitszeit. Im Jahr 2010 arbeitete ein Erwerbstätiger in Thüringen 84, in Hamburg und Brandenburg 83 Stunden mehr als sein Arbeitskollege in Baden-Württemberg. Die Unterschiede haben jedoch nichts mit dem unterschiedlichen Fleiß der Beschäftigten in den Bundesländern, sondern mit einer Vielzahl ganz anderer Faktoren zu tun. In erster Linie ist die Branchenstruktur in den Ländern hierfür ausschlaggebend, die wiederum mit unterschiedlichen tariflichen Arbeitszeitregelungen sowie der unterschiedlichen Bedeutung der Mini- und Teilzeitjobs und außerdem in den Jahren 2009 und 2010 sehr eng mit dem Umfang der konjunkturell bedingten Kurzarbeit verbunden ist. Tendenziell ist die Pro-Kopf-Arbeitszeit um so höher, je mehr Personen Vollzeit arbeiten oder umgekehrt je geringer insbesondere die Bedeutung der marginalen Beschäftigung und der Kurzarbeit, aber auch der Teilzeitbeschäftigung ist. Insgesamt rücken die Bundesländer bezüglich des durchschnittlich geleisteten Arbeitspensums je Erwerbstätigen jedoch immer näher zusammen. Im Jahr 2000 hatte der maximale Niveauunterschied bei der pro Kopf geleisteten Arbeitszeit nach Bundesländern noch 155 Stunden betragen, im Jahr 2010 waren es lediglich 92 Stunden.
| Geleistete Arbeitsstunden in Baden-Württemberg | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Land- und Forstwirtschaft; Fischerei | Produzierendes Gewerbe | Dienstleistungsbereiche | Gesamtwirtschaft |
| Jahresdurchschnitt in Mill. | ||||
|
Quelle: Arbeitskreis »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder«. | ||||
| 2000 | 220,2 | 2.823,6 | 4.663,6 | 7.707,3 |
| 2001 | 215,9 | 2.823,9 | 4.737,1 | 7.776,9 |
| 2002 | 205,6 | 2.746,0 | 4.758,0 | 7.709,6 |
| 2003 | 198,0 | 2.662,0 | 4.759,4 | 7.619,4 |
| 2004 | 190,6 | 2.658,2 | 4.815,9 | 7.664,7 |
| 2005 | 182,9 | 2.622,9 | 4.832,1 | 7.637,9 |
| 2006 | 175,7 | 2.602,6 | 4.874,8 | 7.653,1 |
| 2007 | 175,2 | 2.627,7 | 5.026,4 | 7.829,4 |
| 2008 | 177,7 | 2.641,0 | 5.114,6 | 7.933,3 |
| 2009 | 174,8 | 2.404,0 | 5.028,5 | 7.607,3 |
| 2010 | 171,6 | 2.508,4 | 5.142,3 | 7.822,3 |
15.03.2011 10:03:37
© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2011 | ^