Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg

infopunkt

Wegen umfassender Revisionsarbeiten in der Erwerbstätigenrechnung der Länder steht bis zu deren Abschluss im Jahr 2012 lediglich ein sehr eingeschränktes Datenangebot in Form gesamtwirtschaftlicher Veränderungsraten zur Verfügung.

Erwerbstätige und Arbeitslose in Baden-Württemberg nach Quartalen

Im Zuge der kräftigen konjunkturellen Erholung sank die Zahl der Arbeitslosen im Mai 2010 erstmals wieder unter ihren Vorjahreswert. Seitdem hat sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit immer mehr verstärkt. Im ersten Quartal 2011 waren durchschnittlich noch 253 000 Menschen im Land arbeitslos gemeldet, fast 53 000 weniger als ein Jahr zuvor.

Nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai 2011 auf knapp 225 000 gesunken. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres waren dies 50 000 oder 18,2 Prozent weniger Arbeitslose. Die auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogene Arbeitslosenquote betrug 4,0 Prozent und war mit Ausnahme von Bayern in keinem Bundesland so niedrig wie hierzulande. Bundesweit betrug die entsprechende Quote 7,0 Prozent.

Anmerkung: Insbesondere im Jahr 2005 hatte die Arbeitslosigkeit sehr stark zugenommen. Die dort ausgewiesenen hohen Zuwächse gegenüber 2004 sind jedoch vor allem auf die Einführung des SGB II (Hartz IV) zurückzuführen, so dass der Vergleich der Arbeitsmarktentwicklung 2005 mit 2004 stark eingeschränkt ist.

Schaubild: Erwerbstätige und Arbeitslose in Baden-Württemberg nach Quartalen

Erwerbstätige und Arbeitslose in Baden-Württemberg nach Quartalen
Jahr
Quartal1)
ArbeitsloseErwerbstätige
AnzahlVeränderung
gegenüber
Vorjahr
AnzahlVeränderung
gegenüber
Vorjahr

1) Quartalsdurchschnitte.

Quellen: Arbeitskreis »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder«; Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen.

2005I397.480+43.2365.363.600+22.400
 II388.835+54.6085.389.600+700
 III386.375+47.4295.403.800+3.400
 IV368.379+30.6625.452.500+6.700
2006I392.569−4.9125.367.800+4.200
 II361.549−27.2865.418.800+29.200
 III336.139−50.2365.444.200+40.400
 IV304.532−63.8475.496.900+44.400
2007I306.848−85.7205.452.200+84.300
 II276.552−84.9975.506.300+87.500
 III263.668−72.4725.530.400+86.100
 IV239.495−65.0375.592.200+95.300
2008I245.253−61.5955.548.100+95.900
 II224.723−51.8295.598.200+91.900
 III223.864−39.8045.610.800+80.400
 IV220.591−18.9045.656.300+64.000
2009I269.246+23.9935.557.400+9.400
 II287.413+62.6905.572.400−25.800
 III298.415+74.5525.560.400−50.500
 IV281.420+60.8295.596.300−59.900
2010I305.547+36.3015.522.600−34.800
 II276.306−11.1085.585.100+12.700
 III266.551−31.8645.605.300+44.900
 IV242.085−39.3355.662.400+66.100
2011I252.928−52.6195.615.600+93.000

Frühindikatoren der Erwerbstätigenentwicklung

Die Entwicklung der Frühindikatoren deutet darauf hin, dass sich die Erholungstendenzen auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg fortsetzen. Das kräftige Wirtschaftswachstum läuft erfahrungsgemäß der Beschäftigungsentwicklung zeitlich voraus. Bevor es im Konjunkturaufschwung zu Neueinstellungen kommt, lasten die Betriebe zunächst ihre vorhandenen Personalkapazitäten voll aus. Nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Februar 2011 lediglich noch 21 000 Beschäftigte in 2 900 Betrieben des Landes von Kurzarbeit betroffen. Ein Jahr zuvor waren es dagegen 174 000 Kurzarbeiter in 10 200 Betrieben. Die Entwicklung der Zahl der ungeförderten gemeldeten Arbeitsstellen deutet ebenfalls auf eine weitere positive Entwicklung der Beschäftigung hin. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg ihre Zahl im Mai 2011 um mehr als 27 000 auf 76 000 ungeförderte Stellen und lag 55,9 Prozent höher als im vergleichbaren Vorjahresmonat.

Auch die Beschäftigtenentwicklung in der Zeitarbeitsbranche läuft der Entwicklung der Beschäftigung in den übrigen Branchen zeitlich voraus. Im März 2011 standen im Südwesten mehr als 93 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bei einer Zeitarbeitsfirma unter Vertrag. Das waren zwar lediglich 2,4 Prozent der insgesamt 3,95 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Zuwachs gegenüber März 2010 betrug jedoch 27 000 (+ 41,8 Prozent). Damit sind rund 30 Prozent aller im März 2011 gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat entstandenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze Baden-Württembergs der Zeitarbeitsbranche zuzurechnen. In keinem anderen Bundesland hat die Zahl der Zeitarbeitnehmer im März 2011 prozentual so stark zugenommen wie im Südwesten, bundesweit betrug der Zuwachs gegenüber dem Vorjahresmonat 27,2 Prozent.

Die aktuelle Entwicklung zahlreicher Arbeitsmarktindikatoren im Land ähnelt der Situation Anfang des Jahres 2008, als ebenfalls Hochkonjunktur herrschte. Dies betrifft nicht nur die Entwicklung der Erwerbstätigenzahl, sondern auch die Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen. Angesichts der Stärke des aktuellen Wirtschaftswachstums von rund 6 Prozent im Vergleich zu 2 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2008 mag es überraschen, dass die Arbeitsmarktentwicklung aktuell nicht noch besser ausfällt. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt in der gegenwärtigen Phase der Hochkonjunktur stärker in der höheren Auslastung des vorhandenen Personals widerspiegelt als in Neueinstellungen. Während der jüngsten schweren Wirtschaftskrise konnten negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt durch eine erhebliche Ausweitung der Kurzarbeit und einen Abbau von Arbeitszeitkonten abgefedert werden. Diese Personalkapazitäten werden nun wieder ausgeschöpft.

Schaubild: Frühindikatoren der Erwerbstätigkeitsentwicklung in Baden-Württemberg

Arbeitslosenzahl, Arbeitslosenquoten, Zahl der gemeldeten Stellen und konjunkturell bedingte Kurzarbeit in Baden-Württemberg
Jahr
Monat
ArbeitsloseGemeldete Arbeitsstellen1)Kurzarbeiter2)Arbeitnehmer in der Zeitarbeits-brancheArbeitslosenquoten bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen
Anzahl%

1) nur ungeförderte Stellen

2) Kurzarbeit gemäß § 170 SGB III.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, vorläufige Zahlen.

2009Jan262.44944.55390.41761.0024,7
 Feb267.24544.959181.48557.3764,8
 Mrz278.04543.020253.61953.6405,0
 Apr288.53340.861326.62351.7025,2
 Mai285.71839.140326.66850.9525,1
 Jun287.98937.743319.88752.6905,1
 Jul292.29538.616297.71954.5235,2
 Aug307.10439.556208.20956.0135,5
 Sep295.84739.904249.70757.9365,3
 Okt282.44639.025255.71559.2455,0
 Nov279.51538.844215.57860.8865,0
 Dez282.30038.455178.83956.4805,0
2010Jan309.94136.330180.50858.5885,5
 Feb307.27239.922174.37160.6545,5
 Mrz299.42843.060146.06365.7245,4
 Apr288.84445.035125.40269.6085,2
 Mai274.66848.64797.03074.8404,9
 Jun265.40550.80382.31580.1044,7
 Jul265.46255.66062.97284.2294,7
 Aug276.27858.31738.11187.3154,9
 Sep257.91458.26839.88789.5394,6
 Okt244.33359.96739.63491.3764,4
 Nov240.66861.20836.50694.3684,3
 Dez241.25561.33423.69489.5004,3
2011Jan261.03159.68723.35090.2004,7
 Feb252.90466.38521.07591.4004,5
 Mrz244.84869.86793.2004,4
 Apr235.15074.0764,2
 Mai224.75875.8414,0

15.06.2011


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2011 | ^