:: 11/2015

Pressemitteilung 11/2015

Stuttgart,

Alb-Donau-Kreis mit höchster Geburtenrate

2013 kamen im Alb-Donau-Kreis im Schnitt 1,6 Kinder je Frau auf die Welt – Heidelberg mit niedrigster Geburtenrate im Südwesten

In Baden‑Württemberg sind im Jahr 2013 rund 91 500 Kinder geboren worden und damit etwa 2 000 mehr als 2012.

Dennoch gab es nach Angaben des Statistischen Landesamtes seit 1952, dem Gründungsjahr des Landes, nur fünf Jahre, in denen die Geburtenzahl niedriger war als in 2013. Zum Vergleich: 1964, dem Jahr mit der höchsten Geborenenzahl im Südwesten, sind noch 161 000 Kinder zur Welt gekommen.

Die Geburtenrate, also die Kinderzahl je Frau, blieb aber in den vergangenen Jahren praktisch unverändert: Sie lag im Jahr 2013 in Baden‑Württemberg bei 1,41 Kindern und entsprach damit exakt dem Bundesdurchschnitt. 2012 lag diese Kennziffer im Südwesten bei 1,39 und im Jahr 2011 bei 1,36 Kindern je Frau.1

Aber nicht nur in den letzten Jahren, sondern auch in den letzten knapp vier Jahrzehnten hat sich die Geburtenrate kaum verändert, so das Statistische Landesamt. Allerdings war von etwa Ende der 1990er-Jahre bis zum Jahr 2011 ein deutlicher Rückgang der Geburtenzahl zu beobachten, weil in diesem Zeitraum die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zurückgegangen ist. Aufgrund der starken Zuwanderung in den letzten Jahren ist aber auch die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter wieder etwas gestiegen – mit der Konsequenz, dass sich auch die Geburtenzahl etwas erhöht hat.

Innerhalb des Landes zeigen sich durchaus bemerkenswerte Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit: Spitzenreiter unter den 44 Stadt- und Landkreisen war 2013 der Alb-Donau-Kreis mit einer Geburtenrate von 1,63 Kindern je Frau, gefolgt vom Landkreis Rottweil (1,56) und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (1,55). Am Ende der Rangskala befindet sich der Stadtkreis Heidelberg mit einer Geburtenrate von 1,06 Kindern je Frau, davor die Stadtkreise Stuttgart (1,24) sowie Mannheim und Baden-Baden (jeweils 1,28).

Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit sind vielfältig. Auffällig ist noch immer ein traditionelles »Land-Stadt-Gefälle«, das heißt in den meisten ländlich geprägten Gebieten liegt die Kinderzahl je Frau deutlich über der der Städte. In Hochschulstandorten wie Heidelberg ist die Geburtenrate besonders niedrig, weil dort viele jüngere Frauen leben, bei denen Studium und Berufseinstieg im Vordergrund stehen und deshalb (noch) keine Familiengründung geplant ist. Einen Einfluss auf die Höhe der Geburtenrate dürfte auch der regional unterschiedliche Anteil der ausländischen Frauen besitzen. Zwar hat sich das generative Verhalten der Ausländerinnen im Laufe der Zeit dem der einheimischen Bevölkerung mehr und mehr angenähert. Dennoch liegt die Geburtenhäufigkeit bei ausländischen Müttern immer noch über der der deutschen Mütter in Baden‑Württemberg.

Die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit haben sich allerdings in den letzten Jahren abgeschwächt: So betrug im Jahr 2000 der Unterschied zwischen dem Kreis mit der geringsten (Heidelberg) und dem mit der höchsten Kinderzahl je Frau (Landkreis Tuttlingen) immerhin noch knapp 0,9 Kinder je Frau; bis heute hat sich diese Spannweite auf weniger als 0,6 Kinder je Frau verkleinert. Die Verringerung der regionalen Unterschiede kann als Angleichung der Lebensstile insbesondere zwischen Stadt und Land interpretiert werden – wohl auch bedingt durch die starken Umzugsaktivitäten der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten.

So gab es allein im Jahr 2013 in Baden‑Württemberg rund eine Million Umzüge von einer Gemeinde in eine andere des Landes oder über die Landesgrenze hinweg. Damit ist rein rechnerisch innerhalb eines Jahres etwa jeder elfte Einwohner des Landes einmal in eine andere Gemeinde umgezogen.

1 Die leicht steigende Geburtenrate in den vergangenen zwei Jahren dürfte praktisch vollständig darauf zurückzuführen sein, dass bei der Berechnung ein Umstieg auf die Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis 2011 erfolgt ist. Da der Zensus aber zu tendenziell geringeren Besetzungsstärken auch bei den Frauen im gebärfähigen Alter geführt hat, ergeben sich rein rechnerisch höhere Geburtenraten.

Schaubild 1: Entwicklung der Geburtenrate in Baden‑Württemberg seit 1960
Schaubild 1: Entwicklung der Geburtenrate in Baden‑Württemberg seit 1960
Tabelle 1
Lebendgeborene sowie Geburtenrate
in Baden-Württemberg seit 1960
JahrLebendgeboreneGeburtenrate1)

1) Kinder je Frau (zusammengefasste Geburtenziffer); 2012 und 2013: vorläufige Ergebnisse.

1960145.3532,47
1961152.4872,60
1962154.0472,57
1963158.7502,62
1964160.9882,65
1965158.7422,59
1966160.8022,61
1967155.6172,55
1968147.9612,44
1969140.0872,27
1970128.2122,07
1971123.8711,98
1972112.8451,79
1973102.8751,61
1974102.2061,58
197597.0191,51
197695.4921,50
197790.9811,43
197889.9241,40
197992.4251,42
198099.7211,51
1981100.6731,49
1982100.2681,47
198395.4471,38
198494.4141,35
198594.4421,32
1986101.6161,40
1987103.5901,42
1988110.6271,48
1989111.6001,45
1990118.5791,49
1991117.5281,45
1992117.5591,43
1993117.9821,43
1994113.3981,38
1995112.4591,38
1996114.6571,42
1997116.4191,47
1998111.0561,43
1999107.9731,42
2000106.1821,42
2001101.3661,38
200299.6041,37
200397.5961,36
200496.6551,37
200594.2791,36
200691.9551,34
200792.8231,37
200891.9091,37
200989.6781,35
201090.6951,38
201188.8231,36
201289.4771,39
201391.5051,41
Schaubild 2: Geburtenrate in den Stadt- und Landkreisen Baden‑Württembergs 2013
Schaubild 2: Geburtenrate in den Stadt- und Landkreisen Baden‑Württembergs 2013
Tabelle 2
Lebendgeborene sowie Geburtenrate in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2013
StadtKreis (SKR),
Landkreis (LKR)
Land
LebendgeboreneGeburtenrate1)

1) Kinder je Frau (zusammengefasste Geburtenziffer); vorläufige Ergebnisse.

Stuttgart (SKR)5.9111,24
Böblingen LKR)3.3991,51
Esslingen (LKR)4.4351,43
Göppingen (LKR)1.9521,42
Ludwigsburg (LKR)4.9111,53
Rems-Murr-Kreis (LKR)3.3491,46
Heilbronn (SKR)1.1511,50
Heilbronn (LKR)2.7721,48
Hohenlohekreis (LKR)8151,33
Schwäbisch Hall (LKR)1.5561,45
Main-Tauber-Kreis (LKR)1.0361,52
Heidenheim (LKR)1.0031,45
Ostalbkreis (LKR)2.5621,48
Baden-Baden (SKR)3591,28
Karlsruhe (SKR)2.7991,31
Karlsruhe (LKR)3.5771,48
Rastatt (LKR)1.7381,43
Heidelberg (SKR)1.3231,06
Mannheim (SKR)2.8271,28
Neckar-Odenwald-Kreis (LKR)1.0691,44
Rhein-Neckar-Kreis (LKR)4.5061,47
Pforzheim (SKR)1.1101,49
Calw (LKR)1.1591,45
Enzkreis (LKR)1.4541,42
Freudenstadt (LKR)9271,47
Freiburg im Breisgau (SKR)2.2991,29
Breisgau-Hochschwarzwald (LKR)2.0931,55
Emmendingen (LKR)1.2931,49
Ortenaukreis (LKR)3.4921,52
Rottweil (LKR)1.1431,56
Schwarzwald-Baar-Kreis (LKR)1.7561,54
Tuttlingen (LKR)1.1791,52
Konstanz (LKR)2.1971,34
Lörrach (LKR)1.8141,43
Waldshut (LKR)1.2131,33
Reutlingen (LKR)2.3551,47
Tübingen (LKR)1.9511,32
Zollernalbkreis (LKR)1.4051,43
Ulm (SKR)1.1651,32
Alb-Donau-Kreis (LKR)1.7121,63
Biberach (LKR)1.6811,54
Bodenseekreis (LKR)1.7061,47
Ravensburg (LKR)2.3341,46
Sigmaringen (LKR)1.0171,47
Baden-Württemberg91.5051,41