:: 41/2015

Pressemitteilung 41/2015

Stuttgart,

Generation 65 plus: landschaftlich attraktive Regionen gefragt

Der Bodensee- und der Ortenaukreis profitierten zuletzt am stärksten vom Zuzug 65-Jähriger und Älterer

Die Zuwanderung nach Baden‑Württemberg ist in den vergangenen Jahren enorm angestiegen: Lag das Wanderungsplus, also die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen, in den Jahren 2008 und 2009 nur bei etwa 4.000 bzw. ca. 3.000 Personen, so waren es im Jahr 2012 bereits 66 000 und in 2013 sogar 70 000 Personen. Ein noch höherer Wanderungsgewinn als im Jahr 2013 wurde damit letztmalig im Jahr 1992 erzielt, so das Statistische Landesamt.

Die Wanderungsgewinne Baden‑Württembergs konzentrieren sich hierbei vor allem auf die Altersgruppe der jungen Erwachsenen. Dagegen war und ist der Wanderungssaldo bei den Älteren negativ. In der Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren sind in den letzten Jahren per Saldo jeweils zwischen 2 000 und 3 000 Personen aus dem Südwesten fortgezogen. Dabei entfiel der Großteil des Wanderungsverlusts auf ausländische Mitbürger. Es handelt sich hierbei wohl vor allem um europäische Zuwanderer, die insbesondere bis zum Anwerbestopp im Jahr 1973 nach Baden‑Württemberg kamen und nunmehr nach dem Eintritt in den Ruhestand in ihr früheres Heimatland zurückgekehrt sind.1 Von einer Abwanderung älterer Menschen sind die einzelnen Stadt- und Landkreise im Südwesten recht unterschiedlich betroffen: Die mit Abstand stärksten Verluste zeigen sich im Zeitraum 2011 bis 2013 für die Landeshauptstadt Stuttgart und zwar sowohl bei der ausländischen als auch bei der deutschen Bevölkerung 2. Dagegen haben in den letzten Jahren vor allem der Bodensee- sowie der Ortenaukreis am stärksten von Wanderungsgewinnen bei den 65-Jährigen und Älteren profitiert, wobei der Wanderungssaldo bei den ausländischen Senioren auch in diesen Kreisen negativ war. Die einzigen Kreise, in denen etwas mehr ältere Ausländer zu- als fortzogen, waren im Betrachtungszeitraum die Kur- und Bäderstadt Baden-Baden sowie der Landkreis Waldshut.

Die amtliche Wanderungsstatistik liefert keine unmittelbaren Erkenntnisse darüber, weshalb von Senioren bestimmte Gebiete als »Altersruhesitz« präferiert werden. Die vorliegenden Daten sowie auch Umfrageergebnisse lassen aber erkennen, dass Ältere vor allem landschaftlich und kulturell attraktive Gegenden mit einer seniorengerechten Infrastruktur auswählen oder dorthin ziehen, wo sich die eigenen biografischen Wurzeln befinden. Im höheren Alter spielt aber auch die Pflege- bzw. Hilfsbedürftigkeit eine zunehmende Rolle, so dass das Vorhandensein von Pflegeeinrichtungen einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Wanderungsgeschehen hat.3 Schließlich stellt die größere räumliche Nähe zu Verwandten, insbesondere zu Kindern, ein wichtiges Motiv für die Wahl eines neuen Wohnortes dar.4

1 Vgl. Möser, Thilo: Remigration von „Gastarbeitern“ in ihre Herkunftsländer – eine Verlaufsdatenanalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel, Diplomarbeit 2005, S. 67.

2 Um Zufallsschwankungen möglichst auszuschließen, wurden bei der Kreisbetrachtung die drei aktuellsten verfügbaren Jahre – 2011 bis 2013 – zusammengefasst.

3 Vgl. Schwarck, Cornelia: Wohin zieht es ältere Menschen in Baden‑Württemberg?, in: Statistisches Monatsheft Baden‑Württemberg 5/2008, S. 14 ff.

4 Vgl. LBS Norddeutsche Landesbausparkasse: Die Zukunft der Städte in Niedersachsen – Osnabrück, Untersuchung erstellt durch das Pestel Institut e.V., Osnabrück 2004, zitiert aus: Eichhorn, Lothar: Wanderungssalden der Senioren in den Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands, in: Statistische Monatshefte Niedersachsen, 4/2006, S. 168.

Schaubild 1: Wanderungssaldo der 65-Jährigen und Älteren in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2011 bis 2013
Schaubild 1: Wanderungssaldo der 65-Jährigen und Älteren in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2011 bis 2013
Tabelle 1
Wanderungssaldo in Baden-Württemberg seit dem Jahr 2000
JahrWanderungs-saldo insgesamtDavonWanderungs-saldo der 65jährigen und ÄlterenDavon
DeutscheAusländerDeutscheAusländer
200037.64127.9089.733−122815−937
200169.22238.57730.64557933−876
200256.11732.08624.031−157828−985
200331.21319.13912.074−869411−1.280
200420.06513.4746.591−2.04717−2.064
200518.1455.82912.316−2.222−314−1.908
20063.930−3.7587.688−2.358−311−2.047
200712.392−1.28413.676−2.531−580−1.951
20084.407−1.6296.036−3.313−678−2.635
20093.421−6.4439.864−3.742−1.000−2.742
201017.275−6.81324.088−2.954−479−2.475
201141.458−4.99746.455−2.703−582−2.121
201265.806−3.00368.809−2.150−252−1.898
201370.172−6.04376.215−2.636−694−1.942
Tabelle 2
Wanderungssaldo der 65jährigen und Älteren in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2011 bis 2013
Stadtkreis (SKR)
Landkreis (LKR)
Wanderungs-saldo der 65jährigen und Älteren insgesamtDavon von …
DeutschenAusländern
Anzahl
Stuttgart (SKR)−2.343−1.308−1.035
Esslingen (LKR)−720−253−467
Mannheim (SKR)−963−539−424
Böblingen LKR)−32455−379
Ludwigsburg (LKR)−671−293−378
Rems-Murr-Kreis (LKR)−17366−239
Reutlingen (LKR)−272−69−203
Rhein-Neckar-Kreis (LKR)114286−172
Göppingen (LKR)−381−213−168
Ostalbkreis (LKR)−300−146−154
Calw (LKR)−287−142−145
Heilbronn (LKR)89230−141
Ulm (SKR)−146−8−138
Karlsruhe (SKR)−517−383−134
Rastatt (LKR)−331−200−131
Karlsruhe (LKR)223343−120
Schwarzwald-Baar-Kreis (LKR)−9713−110
Zollernalbkreis (LKR)−224−127−97
Alb-Donau-Kreis (LKR)15110−95
Heidelberg (SKR)−288−195−93
Ravensburg (LKR)63155−92
Konstanz (LKR)231319−88
Heilbronn (SKR)−306−220−86
Biberach (LKR)371−68
Freudenstadt (LKR)572−67
Bodenseekreis (LKR)352418−66
Tübingen (LKR)121182−61
Heidenheim (LKR)−222−163−59
Pforzheim (SKR)−118−59−59
Hohenlohekreis (LKR)1064−54
Schwäbisch Hall (LKR)−4014−54
Neckar-Odenwald-Kreis (LKR)1871−53
Tuttlingen (LKR)−149−96−53
Lörrach (LKR)−215−166−49
Enzkreis (LKR)−77−29−48
Rottweil (LKR)−236−195−41
Ortenaukreis (LKR)261297−36
Main-Tauber-Kreis (LKR)3667−31
Sigmaringen (LKR)−58−28−30
Breisgau-Hochschwarzwald (LKR)236264−28
Freiburg im Breisgau (SKR)114140−26
Emmendingen (LKR)146164−18
Waldshut (LKR)−196−20610
Baden-Baden (SKR)12810919
Baden-Württemberg−7.489−1.528−5.961