:: 342/2015

Pressemitteilung 342/2015

Stuttgart,

Südwestwirtschaft zeigt sich stabil

Brenner: Baden‑Württemberg trotzte 2015 zahlreichen negativen Einflüssen auf den Weltmärkten und dürfte um knapp 2 Prozent gewachsen sein

»Die baden‑württembergische Wirtschaft zeigte sich im ersten Halbjahr 2015 in prächtiger Verfassung und so erhöhte sich die Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr – ein Spitzenwert im Bundesländervergleich. Dennoch schwächte sich die Wachstumsdynamik zur Jahresmitte ab, sodass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 unter dem Strich um rund 2 Prozent wachsen sollte.« so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Dr. Carmina Brenner die wirtschaftliche Lage des Landes heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid zusammen. »Der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes reicht augenblicklich bis zur Jahresmitte 2016 und signalisiert eine leichte Abschwächung zum Jahresende 2015. Dies schlägt sich auch in unserer Jahresprognose für 2016 nieder, die mit 1 1/2 Prozent etwas geringer ausfällt als das BIP-Wachstum 2015«, so Brenner.

Erneut mehr Erwerbstätige im Südwesten

Auch im Jahr 2015 befindet sich der baden‑württembergische Arbeitsmarkt in einer sehr guten Lage. Von Januar bis November waren durchschnittlich rund 228 000 Personen ohne Arbeit und somit knapp 3 400 Personen weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Arbeitslosenquote sank im Durchschnitt der Monate Januar bis November somit leicht auf 3,9 Prozent. Von dieser Entwicklung können allerdings nicht alle Personengruppen profitieren. So sind mittlerweile 31,5 Prozent aller Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Arbeit und gelten somit als langzeitarbeitslos. Dennoch ist die baden‑württembergische Langzeitarbeitslosenquote verglichen mit anderen Bundesländern vergleichsweise gering. Einen neuen Höchststand sollte 2015 die Beschäftigung im Südwesten erreichen und damit deutlich über der 6 Millionen Marke liegen. Von der hervorragenden Situation am Arbeitsmarkt profitieren vor allem sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, deren Anzahl um 2,4 Prozent auf 4,4 Mill. im September 2015 zulegte.

Starkes Exportgeschäft schwächt sich 2016 ab

2015 dürfte die baden‑württembergische Wirtschaft voraussichtlich mit einem Traumergebnis im Export abschließen. In den ersten drei Quartalen stiegen die Ausfuhren um knapp 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lieferten somit einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei das Geschäft mit den USA (+26 Prozent), aber auch innerhalb Europas konnte sich das Exportwachstum mit 9,5 Prozent sehen lassen. Gut die Hälfte des Auslandsabsatzes ging nach Europa, gefolgt von den USA mit 13 Prozent und China mit 7 Prozent. Für 2016 prognostizieren internationale Institutionen wie die EZB oder der IWF eine Abschwächung im Außenhandel und beim Wachstum der Schwellenländer. Davon dürfte Baden‑Württemberg im Vergleich zu Deutschland stärker betroffen sein, da die Südwestwirtschaft mit 41 Prozent einen höheren Exportanteil am BIP hat (Deutschland 39 Prozent).

Binnennachfrage übernimmt das Wachstumszepter

Somit spielt die Binnennachfrage als Wachstumstreiber im Jahr 2016 eine wichtige Rolle. Grundlage hierfür bildet eine robuste private Konsumnachfrage, die vom hohen Beschäftigungsstand und einem Plus bei den Bruttolöhnen von 2,8 Prozent im ersten Halbjahr 2015 getragen werden dürfte. Die Kaufkraft blieb 2015 aufgrund einer sehr geringen Inflationsrate und fallenden Energiepreisen nahezu konstant und die Realeinkommen sollten sogar gestiegen sein. 2016 laufen laut Prognosen der EU-Kommission die Einmaleffekte der niedrigen Energiepreise aus, dennoch erwartet die EU-Behörde nur eine Inflation von 1 Prozent. Der Staatskonsum sollte aufgrund zusätzlicher Ausgaben zur Integration von Flüchtlingen ebenfalls einen nennenswerten Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Private und öffentliche Investitionen entfalten dagegen aller Voraussicht nach kaum Wachstumsdynamik. Baden‑Württemberg hat einen im Vergleich zu Deutschland hohen Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung, wodurch die Südwestwirtschaft in den letzten Jahren stärker gewachsen ist als die bundesdeutsche Wirtschaft. 2016 soll die wirtschaftliche Dynamik vom Dienstleistungssektor ausgehen, der in Baden‑Württemberg nur gut 60 Prozent der Wertschöpfung ausmacht, in Deutschland dagegen 69 Prozent. Deshalb dürfte die Südwestwirtschaft 2016 auch vor dem Hintergrund des nicht mehr so dynamischen Exports etwas schwächer wachsen, als es für Deutschland vorhergesagt wird.

Schaubild 1:
Schaubild 1:
Tabelle 1
BIP-Wachstum und Konjunkturindikator seit 2010 für Baden-Württemberg
Jahr, QuartalBIP Kettenindex (linke Skala)BIP Jahresdurchschnitt (linke Skala)Reales BIP-Wachstum gegenüber Vorquartal (rechte Skala)Reales BIP-Wachstum (q/q)BIP Index (l)BIP Jahresdurchschnitt (l)Reales BIP-Wachstum (r)Konjunkturindikator2)Wirtschaftswachstum1)

1) Gleitende Jahresrate des realen Bruttoinlandsprodukts Baden-Württembergs in % (Veränderung von jeweils 4 Quartalen gegenüber den 4 Quartalen zuvor); IV/15 Schätzung.

2) Indikatorpunkte; Stand: Dezember 2015; 3 Quartale nach vorne versetzt.

2010I96,1199,763,701,9694,15100,003,88−0,39−5,53
 II99,4499,767,923,4698,79100,009,241,04−0,14
 III101,1499,769,531,71102,40100,008,901,884,60
 IV102,3399,768,561,18104,66100,008,022,227,53
2011I104,13104,548,341,76103,07104,769,472,228,90
 II104,3104,544,890,16103,66104,764,941,997,80
 III104,57104,543,390,26105,85104,763,371,896,38
 IV105,16104,542,770,56106,44104,761,711,604,76
2012I105,25105,221,080,09104,60105,051,491,242,85
 II105,32105,220,980,07103,93105,050,250,741,70
 III105,32105,220,72106,12105,050,260,610,92
 IV105105,22−0,15−0,30105,55105,05−0,840,850,28
2013I104,76105,66−0,47−0,23102,52105,36−1,980,56−0,58
 II105,3105,66−0,020,52104,34105,360,400,50−0,54
 III106105,660,650,66107,29105,361,100,74−0,33
 IV106,58105,661,500,55107,29105,361,650,850,30
2014I107,39108,012,510,76105,58107,872,980,971,53
 II107,53108,012,120,13106,19107,871,771,171,87
 III108,09108,011,970,52109,44107,872,001,202,09
 IV109,02108,012,290,86110,27107,872,781,072,38
2015I109,38109,741,850,33107,70109,902,000,902,14
 II110,17109,742,460,72108,82109,902,480,922,32
 III110109,741,77−0,15111,39109,901,781,132,26
 IV109,41109,740,36−0,54111,69109,901,281,361,88
2016I1,24
 II0,82