:: 29/2016

Pressemitteilung 29/2016

Stuttgart,

Baden‑Württemberg: Drittjüngste Bevölkerung nach Hamburg und Berlin

Dennoch: Durchschnittsalter liegt um mehr als 8 Jahre höher als noch 1970

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Baden‑Württemberg, das Anfang der 1950er-Jahre bei lediglich knapp 35 Jahren lag, hat sich bis zum Jahr 1970 praktisch nicht verändert. Seither ist die Gesellschaft aber deutlich gealtert: Die Bevölkerung war Ende 2014 im Schnitt bereits 43,3 Jahre alt und damit um über 8 Jahre älter als noch 1970, so das Statistische Landesamt. Dennoch weist der Südwesten nach Hamburg (42,4 Jahre) und Berlin (42,8 Jahre) bundesweit die drittjüngste Bevölkerung auf. Am ältesten ist die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt mit im Schnitt 47,5 Jahren, gefolgt von den anderen neuen Bundesländern.

Ursächlich für die Alterung der Bevölkerung in Baden‑Württemberg ist zum einen eine zu geringe Geburtenrate: Diese lag annähernd vier Jahrzehnte lang bei lediglich ca. 1,4 Kindern je Frau1; in den vergangenen Jahren ist allerdings ein leichter Anstieg der Geburtenrate zu beobachten.2 Zum anderen hat auch die enorm gestiegene Lebenserwartung – seit Anfang der 1970er-Jahre um gut neun Jahre bei den Frauen bzw. sogar um knapp elf Jahre bei den Männern – zu einem stetigen Anstieg des Durchschnittsalters geführt. Dass Baden‑Württemberg trotz einer zwischenzeitlich nur noch durchschnittlichen Geburtenrate3 und der höchsten Lebenserwartung der Bundesländer bundesweit mit die jüngste Bevölkerung aufweist, ist vor allem auf eine zeitweise starke Zuwanderung zurückzuführen. Denn die Zuziehenden sind im Schnitt deutlich jünger als die einheimische Bevölkerung und haben somit die Alterung der Bevölkerung abgeschwächt.

Ganz anders die Entwicklung in den neuen Bundesländern: Diese hatten noch Anfang der 1990er-Jahre eine jüngere Bevölkerung als das frühere Bundesgebiet – aber der zeitweise starke Wegzug gerade jüngerer Menschen in Verbindung mit einem vorübergehenden drastischen Rückgang bei der Geburtenrate hatte den Alterungsprozess enorm beschleunigt.

Eine weitere Alterung der Bevölkerung in Baden‑Württemberg und in den anderen Bundesländern ist aufgrund der bestehenden Struktur »vorprogrammiert«. Das Durchschnittsalter im Südwesten könnte sich bis zum Jahr 2060 nochmals um voraussichtlich knapp 5 Jahre auf dann 48 Jahre erhöhen. Und diesen Trend würde auch eine weiterhin hohe Zuwanderung nach Baden‑Württemberg lediglich abschwächen, nicht aber verhindern. Allerdings: Ohne Zuwanderung wäre die baden‑württembergische Bevölkerung im Jahr 2060 sogar durchschnittlich 51 Jahre alt.

1 Für eine Bestandserhaltung der Bevölkerung ohne Zuwanderung wäre langfristig eine Geburtenrate von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau erforderlich.

2 Vgl. Eildienst des Statistischen Landesamtes Baden‑Württemberg vom 19. Oktober 2015: „Baden‑Württemberg: Höchste Geburtenrate seit 1997“.

3 Vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahre lag die durchschnittliche Kinderzahl je Frau in Baden‑Württemberg allerdings noch relativ deutlich über dem Bundesdurchschnitt; ähnlich waren die Verhältnisse in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre, weil in diesem Zeitraum die durchschnittliche Kinderzahl je Frau in den neuen Bundesländern sehr niedrig war. Zwischenzeitlich liegt die Geburtenrate in den Neuen Ländern aber wieder leicht über dem Durchschnitt des früheren Bundesgebiets.

Schaubild 1: Entwicklung des Durchschnittsalters der Bevölkerung in Baden-Württemberg seit 1952
Schaubild 1: Entwicklung des Durchschnittsalters der Bevölkerung in Baden-Württemberg seit 1952
Tabelle 1
Durchschnittsalter der Bevölkerung in Baden-Württemberg seit 1952
JahrDurchschnitts-alter
195234,6
196034,8
197034,9
198037,1
199038,8
200040,2
201042,8
201443,3
Schaubild 2: Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Bundesländern Deutschlands am 31.12.2014
Schaubild 2: Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Bundesländern Deutschlands am 31.12.2014
Tabelle 2
Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Bundesländern Deutschlands 1990 und 2014
BundeslandDurchschnittsalter am 31.12.
19902014
Jahre

Datenquelle: Statistisches Bundesamt.

Baden-Württemberg38,843,3
Bayern39,243,6
Berlin39,042,8
Brandenburg37,146,8
Bremen41,344,0
Hamburg41,742,4
Hessen40,043,8
Mecklenburg-Vorpommern35,846,5
Niedersachsen39,844,4
Nordrhein-Westfalen39,744,0
Rheinland-Pfalz39,944,5
Saarland40,246,1
Sachsen39,446,7
Sachsen-Anhalt38,447,5
Schleswig-Holstein40,244,9
Thüringen37,946,9
Deutschland39,344,3