Stuttgart, 2. September 2009 – Nr. 277/2009
In Baden-Württemberg sind im vergangenen Jahr rund 91 900 Kinder geboren worden und damit etwa 900 weniger als 2007. Damit sind seit Bestehen des Landes lediglich in zwei Jahren (1977 und 1978) weniger Kinder auf die Welt gekommen. Allerdings blieb die Geburtenrate, das heißt die durchschnittliche Zahl der Kinder je Frau im gebärfähigen Alter (15 bis 44 Jahre), unverändert: Die Geburtenhäufigkeit lag 2008 wie bereits 2007 bei 1,37 Kindern je Frau. Überhaupt hat sich in den letzten drei Jahrzehnten die Geburtenrate kaum verändert, so das Statistische Landesamt (vgl. Schaubild 1). Allerdings ist ein deutlicher Rückgang der Geburtenzahl zu beobachten, weil die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zurückgegangen ist und künftig auch weiter zurückgehen wird.
Innerhalb des Landes zeigen sich ausgeprägte Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit: Spitzenreiter unter den 44 Stadt- und Landkreisen ist Tuttlingen mit einer Geburtenrate von 1,63 Kindern je Frau, gefolgt vom Alb-Donau-Kreis (1,56) und dem Landkreis Rottweil (1,54). Am Ende der Rangskala befinden sich die Stadtkreise Heidelberg mit einer Geburtenrate von 1,07 Kindern je Frau, Freiburg im Breisgau (1,16), Stuttgart (1,19) und Baden-Baden (1,22) (vgl. Schaubild 2).
Die Gründe für die regional unterschiedliche Geburtenhäufigkeit sind vielfältig. Auffällig ist immer noch ein traditionelles »Land-Stadt-Gefälle«, das heißt in den meisten ländlich geprägten Gebieten liegt die Kinderzahl je Frau deutlich über der der Städte. In Hochschulstandorten wie Heidelberg und Freiburg im Breisgau ist die Geburtenrate besonders niedrig, weil dort viele jüngere Frauen leben, bei denen Studium und Berufseinstig im Vordergrund stehen und deshalb (noch) keine Familiengründung geplant ist. Entsprechend hoch ist die Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen im Vergleich zu Frauen mit Hauptschulabschluss.
Einen Einfluss auf die Höhe der Geburtenrate dürfte auch der regional unterschiedliche Anteil der ausländischen Frauen besitzen. Zwar hat sich das generative Verhalten der Ausländerinnen im Laufe der Zeit dem der einheimischen Bevölkerung mehr und mehr angenähert. Dennoch liegt die Geburtenhäufigkeit bei ausländischen Müttern immer noch über der der deutschen Müttern in Baden-Württemberg (1,6 gegenüber 1,3 Kindern je Frau).
Schließlich ist bei der Bewertung der Ergebnisse zu bedenken, dass es sich bei der Betrachtung nur eines Jahres lediglich um eine Momentaufnahme handeln kann. Die regionalen Muster sind zwar relativ stabil: So hat Heidelberg seit Jahren die niedrigste, der Kreis Tuttlingen (mit) die höchste Geburtenrate. Das Beispiel des Neckar-Odenwald-Kreises zeigt aber, dass es durchaus auch »Ausreißer« geben kann: Dieser sehr ländlich strukturierte Kreis hatte – erwartungsgemäß – seit Jahren jeweils eine überdurchschnittliche Geburtenrate; im Jahr 2008 lag sie dagegen unter dem Landesdurchschnitt.


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