Stuttgart, 15. März 2010 – Nr. 79/2010
In den 19 Justizvollzugsanstalten Baden-Württembergs waren zum Stichtag 31. März 2009 insgesamt 6 076 Strafgefangene und Sicherungsverwahrte1) inhaftiert (ohne Personen in Untersuchungshaft). Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der Stichtagserhebung zum 31. März 2009 in der Strafvollzugsstatistik feststellt, waren dies 250 Personen oder 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach dem bisherigen Höchststand im Jahr 2007 ging die Zahl der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten im Jahr 2009 zum zweiten Mal in Folge zurück. Auf 100 000 Einwohner im strafmündigen Alter von mindestens 14 Jahren kamen im Durchschnitt 65 Strafgefangene und Sicherungsverwahrte.
Während die Zahl der inhaftierten Frauen im Jahr 2008 deutlich gesunken war, nahm sie 2009 im Vergleich zum Vorjahr um über 3 Prozent zu. Bei den männlichen Strafgefangenen hingegen gab es im Jahr 2009 einen Rückgang von rund 4 Prozent. Allerdings bewegt sich der Anteil der Frauen an allen Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten immer noch auf einem niedrigen Niveau. Lediglich 308 Frauen und damit rund 5 Prozent waren im Jahr 2009 unter den Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten. Die geringe Zahl an inhaftierten Frauen lässt sich damit erklären, dass Frauen häufiger als Männer leichtere Straftaten verüben, die eine Haftstrafe entbehrlich machen und eher mit Geld- oder Bewährungsstrafen geahndet werden.
Über 72 Prozent der Inhaftierten im Jahr 2009 waren Deutsche. Insgesamt verbüßten 4 392 Personen mit deutscher und 1 684 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit eine Gefängnisstrafe.
Bei den über 21-jährigen Erwachsenen nahm die Zahl der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten im Jahr 2009 um 279 auf 5 586 ab. Verglichen mit dem Vorjahr entsprach dies einem Minus von fast 5 Prozent. Der Anteil dieser Erwachsenengruppe an der Gesamtheit aller Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten war mit knapp 92 Prozent mit Abstand am höchsten. Dagegen stieg die Zahl der heranwachsenden Strafgefangenen (18 bis unter 21 Jahre) um 29 auf 405 Personen. Im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutete dies eine Zunahme um über 7 Prozent. Der Anteil der Heranwachsenden an der Gesamtheit aller Inhaftierten in Baden-Württemberg war mit knapp 7 Prozent jedoch vergleichsweise niedrig. Die Zahl der Jugendlichen im Alter von 14 bis unter 18 Jahren blieb im Vergleich zum Vorjahr mit 85 Personen unverändert. Der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtheit aller Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten betrug auch im vergangenen Jahr lediglich 1 Prozent.
Gemessen an der voraussichtlichen Vollzugsdauer verbüßte auch 2009 die größte Gruppe der Strafgefangenen mit 2 290 Personen oder 38 Prozent eine Haftstrafe von unter einem Jahr. Zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von ein bis zwei Jahren wurden 1 189 Strafgefangene verurteilt, was einen Anteil von knapp 20 Prozent ausmachte. Ein Urteil zu zwei bis fünf Jahren Vollzugsdauer wurde gegen 1 646 Personen oder 27 Prozent ausgesprochen. Knapp 9 Prozent oder 536 Strafgefangene, wurden mit einer Haftstrafe von fünf bis zehn Jahren belegt. Eine Freiheits- oder Jugendstrafe von zehn bis fünfzehn Jahren erhielten 83 Personen oder über 1 Prozent. Rund 4 Prozent oder 263 Personen verbüßten eine lebenslange Haftstrafe. Innerhalb der letzten 20 Jahre erreichte die Zahl der Sicherungsverwahrten im Jahr 2009 mit 69 Haftinsassen den zweithöchsten Stand. Gemessen an allen Inhaftierten entsprach dies aber lediglich einem Anteil von 1 Prozent.
| Strafgefangene und Sicherungsverwahrte in Baden-Württemberg 1999 bis 2009*) nach ausgewählten Merkmalen | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | ins- gesamt | je 100 000 Ein- wohner1) | darunter ... | davon im Alter von ... bis unter ... Jahren | davon im ... | |||||
| Frauen | Ausländer2) | Sicherungs- verwahrte | 14 - 18 | 18 - 21 | 21 und mehr | geschlos- senen Vollzug | offenen Vollzug | |||
|
*) Stichtag jeweils 31. März. 1) Strafmündige Personen (Bevölkerung ab 14 Jahren). 2) Einschließlich Staatenlose. | ||||||||||
| 1999 | 6.064 | 69 | 272 | 1.962 | 39 | 103 | 332 | 5.629 | 4.957 | 1.107 |
| 2000 | 6.137 | 70 | 262 | 1.930 | 38 | 106 | 364 | 5.667 | 5.005 | 1.132 |
| 2001 | 5.891 | 66 | 253 | 1.692 | 43 | 97 | 330 | 5.464 | 4.813 | 1.078 |
| 2002 | 6.116 | 68 | 272 | 1.728 | 48 | 98 | 407 | 5.611 | 5.064 | 1.052 |
| 2003 | 6.230 | 69 | 294 | 1.695 | 52 | 82 | 373 | 5.775 | 5.163 | 1.067 |
| 2004 | 6.347 | 70 | 320 | 1.692 | 57 | 81 | 390 | 5.876 | 5.317 | 1.030 |
| 2005 | 6.262 | 68 | 353 | 1.723 | 58 | 83 | 418 | 5.761 | 5.252 | 1.010 |
| 2006 | 6.391 | 69 | 336 | 1.754 | 56 | 119 | 382 | 5.890 | 5.412 | 979 |
| 2007 | 6.452 | 70 | 366 | 1.786 | 63 | 77 | 404 | 5.971 | 5.405 | 1.047 |
| 2008 | 6.326 | 68 | 298 | 1.751 | 70 | 85 | 376 | 5.865 | 5.320 | 1.006 |
| 2009 | 6.076 | 65 | 308 | 1.684 | 69 | 85 | 405 | 5.586 | 5.156 | 920 |

1) Sicherungsverwahrte sind Personen, die auch nach der verbüßten Haftstrafe auf unbestimmte Dauer in staatlichem Gewahrsam verbleiben.
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