Stuttgart, 23. Juli 2010 – Nr. 234/2010
»Vergleichbar mit dem Vorjahresergebnis und damit guter Durchschnitt!« So lautet die Einschätzung der amtlichen Ernteberichterstatter von Ende Juni/Anfang Juli zur Getreideernte 2010. Nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes wird der Ertrag im Landesmittel und über alle Getreidearten (ohne Körnermais) auf über 68 Dezitonnen je Hektar (dt/ha; 1dt = 0,1 Tonnen) gegenüber 64,5 dt/ha im Sechsjahresmittel 2004/2009 und 67,3 dt/ha im Erntejahr 2009 veranschlagt.
Mit Spannung dürfte die nächste Schätzung Ende Juli/Anfang August bzw. die effektiven Probeschnitt- und Volldruschergebnisse der »Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung« Ende August erwartet werden. Dann wird sich zeigen, wie sich die hochsommerlichen Temperaturen im Juli auf das Ernteergebnis bei Getreide ausgewirkt haben. Die mit der Hitze einhergehenden Fälle von Hagel, Starkregen und Windböen hatten jedenfalls gebietsweise Lagergetreide und damit erschwerte Bedingungen beim Mähdrusch zur Folge.
Legt man die vorläufigen Ergebnisse zum Getreideanbau aus der diesjährigen Bodennutzungshaupterhebung zugrunde, so kann mit einer Getreideernte (ohne Körnermais) von voraussichtlich 31,4 Mill. dt (entspricht 3,14 Mill. Tonnen) und damit in etwa 1,1 Mill. dt weniger als im Vorjahr gerechnet werden. Die langjährige Durchschnittsernte 2004/2009 beziffert sich auf 31,1 Mill. dt.
Hinter den aktuellen Erntezahlen verbergen sich im Vorjahresvergleich angesichts eines weiterhin boomenden Bioenergiesektors und der schlechten Erlössituation auf dem Markt für Braugerste deutliche Verschiebungen im Anbau auf dem Ackerland. Die Verlierer unter den Getreidearten waren Sommergerste (60 000 ha; -16,7 Prozent), Hafer (25 100 ha; -13,8 Prozent) und Wintergerste (98 900 ha; -7,5 Prozent). Die ertragsstärkste Getreideart Winterweizen (einschließlich Dinkel 234 000 ha) konnte das hohe Niveau des Vorjahres halten. Der Anbau von Triticale (22 900 ha) wurde um 3 Prozent ausgedehnt. Von der voraussichtlichen Gesamtgetreideernte des Jahres 2010 entfielen nach jetzigem Stand etwa 18,6 Mill. dt auf die Brotgetreidearten Weizen und Roggen (2009: 18,1 Mill. dt) und 12,8 Millionen dt auf die Futter- und Industriegetreidearten Gerste, Hafer und Triticale (2009: 14,4 Mill. dt).
Bei Winterraps, der mit Abstand wichtigsten Ölfrucht im Land, liegen die Ertragserwartungen bei 38 dt/ha. Im Vorjahr wurde ein Ertrag von 41,8 dt/ha bei einem Ölgehalt von 43,7 Prozent realisiert.
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