Stuttgart, 23. Juli 2010 – Nr. 235/2010
Eine aktuelle Analyse des Statistischen Landesamtes zum Unfallgeschehen während der Sommerferienzeit im Jahr 2009 in Baden-Württemberg zeigt: Auffahrunfälle sind die häufigste Ursache unter den Unfällen mit Personenschaden oder schwerem Sachschaden auf Autobahnen und Bundesstraßen während der Sommerferien. Dies waren im vergangenen Sommer 801 Fälle oder 26 % von 3 087 Unfällen insgesamt.
Besonders auf der A 5 zwischen Bruchsal und Freiburg sowie auf der A 8 zwischen Karlsruhe und Ulm treten vorwiegend Auffahrunfälle auf. Eine Ursache dafür ist die hohe Verkehrsdichte auf den genannten Streckenabschnitten. So war auf der A 5 bei Nimburg und der A 8 bei Pforzheim die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) mit rund 78 000 bzw. rund 84 000 Kraftfahrzeugen/24 Stunden im August 2009 mehr als doppelt so hoch wie auf der A 81 zwischen Würzburg und Heilbronn mit rund 35 000 Kraftfahrzeugen pro Tag (Messstelle Neuenstadt, alle bei vier Fahrspuren, Quelle: Automatische Straßenverkehrszählung). Entsprechend niedriger ist auf dem genannten Streckenabschnitt der A 81 die Unfallhäufigkeit. Statt Auffahrunfällen ist dort das Abkommen von der Fahrbahn die dominante Unfallursache. Das selbe gilt für die A 6 zwischen Heilbronn und Crailsheim. Die exakten Unfallschwerpunkte sind der Karte in der Anlage zu entnehmen. Auf den Bundesstraßen, besonders in den Ballungsgebieten, sind dagegen Zusammenstöße wegen Einbiegens bzw. Kreuzens die vorherrschende Unfallursache.
Unfallspitzenreiter auf Autobahnen und Bundesstraßen war im Sommer 2009 Freitag der 17. Juli mit 67 Unfällen. Auch bei Betrachtung des gesamten Ferienzeitraums ist der Freitag mit durchschnittlich 45 Unfällen Spitzenreiter vor dem Montag (40). Die wenigsten Unfälle auf Autobahnen und Bundesstraßen – durchschnittlich 28 – ereignen sich an Sonntagen. Auf den Autobahnen ereigneten sich Sonntags im Ferienzeitraum durchschnittlich gar nur 8 Unfälle (Werktags 11). Dabei war an einigen Messstellen an Autobahnen im August die Verkehrsstärke am Sonntag sogar höher als an den Wochentagen. Der geringere Schwerlastverkehr dürfte dabei eine Rolle spielen.
Häufig ist Unachtsamkeit für die unfallverursachenden Fahrfehler verantwortlich. Viele Unfälle ließen sich durch angepasste Geschwindigkeit, einen höheren Sicherheitsabstand und mehr Aufmerksamkeit der Kraftfahrzeugführer vermeiden.
infopunkt
Seit 2009 bietet die Georeferenzierung der Straßenverkehrsunfallstatistik neue Auswertungsmöglichkeiten. Unter Georeferenzierung wird verstanden, dass zu jedem Unfall nicht nur Merkmale wie Beteiligte, Verursacher, Opfer, Unfallart oder Straßenzustand gespeichert werden, sondern auch die exakten Geokoordinaten. Dies ermöglicht die Verarbeitung der Daten in Geoinformationssystemen und die kartografische Darstellung des Unfallgeschehens (siehe beiliegende Karte). Weitere Karten auf Basis dieser Statistik können beim Statistischen Landesamt angefragt werden (Kontakt siehe unten).
Die Straßenverkehrsunfallstatistk verzeichnet 10 unterschiedliche Unfallarten; diese wurden in der beiliegenden Karte der Übersichtlichkeit halber zu 5 Typen zusammengefasst. Ein Auffahrunfall ist als Zusammenstoß mit einem vorausfahrenden bzw. wartenden Fahrzeug definiert. Abkommen von der Fahrbahn kann sowohl nach links als auch nach rechts erfolgen. Zusammenstöße mit seitlich in gleicher Richtung fahrendem Fahrzeug oder mit entgegenkommenden Fahrzeugen wurden unter der Rubrik Zusammenstoß wegen Spurverletzung zusammengefasst. Die in der Karte nicht dargestellten sonstigen Unfälle sind z.B. Zusammenstöße mit parkenden Fahrzeugen oder mit Fußgängern oder der Aufprall auf ein Fahrbahnhindernis. Berücksichtigt wurden nur Unfälle mit Personenschaden oder schwerem Sachschaden sowie Unfälle unter Alkoholeinfluss, da nur für diese Geokoordinaten gespeichert werden.
Da Baden-Württemberg auch ein wichtiges Transitland ist, wurde für die vorgenommene Analyse nicht nur der Zeitraum der Sommerferien in Baden-Württemberg 2009 (30.07. bis 12.09.), sondern der Gesamtzeitraum der Sommerferien in den Bundesländern berücksichtigt (25.06. bis 14.09.). Die Analyse beschränkt sich auf die Fernstraßen (Autobahnen und Bundesstraßen), weitere Straßenkategorien (Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen) blieben unberücksichtigt.
Tel.: 0711/641-2451
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