Stuttgart, 21. Mai 2012 – Nr. 151/2012
Im Dezember 2009 waren in Baden-Württemberg 246 038 Personen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes. Nach der neuesten Modellrechnung des Statistischen Landesamtes wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg allein aus demografischen Gründen bis zum Jahr 2030 um 106 300 zunehmen und damit auf rund 352 000 Menschen steigen. Dies wäre ein Anstieg um 43 Prozent. Diese voraussichtliche Entwicklung stellten Sozialministerin Katrin Altpeter und die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute der Presse vor. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Zahl pflegebedürftiger Menschen sogar fast verdoppeln (+ 91 Prozent) und damit um knapp 224 000 Personen auf dann nahezu 470 000 Pflegebedürftige steigen.
Nach den Ergebnissen dieser neuen Modellrechnung wird die Zahl der pflegebedürftigen Frauen bis 2030 um 37 Prozent steigen, während die Zahl der männlichen Pflegebedürftigen um 55 Prozent zunehmen könnte. Bis zum Jahr 2050 dürfte sich die Zahl männlicher Pflegebedürftiger sogar verdoppeln (+101 Prozent). Die Zunahme bei den Frauen läge hingegen bei 86 Prozent.
Je nach Pflegeart fällt die Zunahme bis zum Jahr 2030 jedoch unterschiedlich aus. Die Zahl der vollstationär Untergebrachten würde mit 54 Prozent von allen drei Pflegearten am stärksten steigen, von 84 019 auf fast 130 000 Personen. Die Zahl der ambulant Gepflegten könnte demnach bis 2030 von 49 650 auf knapp 76 000 Personen zunehmen, d.h. um 52 Prozent. Deutlich darunter läge dagegen die Zunahme bei den Pflegegeldempfängern, also der Personen, die ausschließlich durch ihre Angehörigen versorgt werden. Hier beträgt der Zuwachs nach der Modellrechung 31 Prozent, d.h. die Zahl der Pflegegeldempfänger würde von 112 369 auf rund 147 000 Personen zunehmen. Bis zum Jahr 2050 würde sich im Vergleich zu heute die Zahl der stationär sowie die der ambulant Gepflegten sogar mehr als verdoppeln (auf 182 000 bzw. 105 000 Personen), die Zahl der Pflegegeldempfänger hingegen »lediglich« um knapp zwei Drittel (auf fast 183 000) erhöhen.
Wurden 2009 noch 46 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt, könnte dieser Anteil bis 2030 auf 42 Prozent bzw. 39 Prozent im Jahr 2050 sinken. Der Anteil der stationär gepflegten Menschen würde dagegen von 34 Prozent auf 37 Prozent bzw. 39 Prozent ansteigen, während sich nach der Modellrechnung im ambulanten Bereich der Anteil der Pflegebedürftigen von heute 20 Prozent auf 21 Prozent bzw. 22 Prozent in Zukunft nur unwesentlich verändern würde.
Die Modellrechnung des Statistischen Landesamtes unterstellt dabei, dass sich die derzeitigen Pflegewahrscheinlichkeiten in den kommenden Jahren nicht wesentlich verändern werden (Status-Quo-Rechnung). Da sich die Pflegehäufigkeiten sowohl nach dem Geschlecht wie auch nach der Art der Pflege stark unterscheiden und auch nach den Altersjahren variieren, wurden die Pflegehäufigkeiten für die einzelnen Jahrgänge nach dem Geschlecht sowie nach der Art der Pflege getrennt ermittelt. Bei dieser Modellrechnung bleibt allerdings die Möglichkeit unberücksichtigt, dass die bis 2030 bzw. 2050 zu erwartende Verlängerung der Lebenszeit unter Umständen auch zu einer Veränderung des Pflegerisikos führen wird. Weiter ist zu bedenken, dass der derzeit mit 46 Prozent noch recht hohe Anteil von Pflegegeldempfängern vor allem als Folge der Veränderungen in den Familienstrukturen deutlich zurückgehen könnte und stattdessen professionelle Einrichtungen stärker in Anspruch genommen werden.
Die tatsächliche Entwicklung bei den Pflegebedürftigen kann nicht punktgenau bestimmt werden. Die aufgezeigte langfristige Entwicklung hat Modellcharakter und zeigt, wie sich unter den getroffenen Annahmen die Zahl der Pflegebedürftigen entwickeln dürfte. Dabei wird der Verlauf der maßgeblichen Einflußgrößen (auch der Bevölkerungsstruktur) mit zunehmendem Abstand zum Basiszeitpunkt immer schwerer vorhersehbar.
| Eckdaten der Pflegestatistik 2009 | ||
|---|---|---|
| Pflegebedürftige insgesamt | Anzahl | 246.038 |
| Pflegebedürftige, zu Hause versorgt (66%) durch … | Anzahl | 162.019 |
| … Angehörige (ausschliesslich) | Anzahl | 112.369 |
| in Pflegestufe | ||
| I | % | 61 |
| II | % | 30 |
| III | % | 9 |
| … Pflegedienste | Anzahl | 49.650 |
| in Pflegestufe | ||
| I | % | 53 |
| II | % | 35 |
| III | % | 12 |
| Pflegebedürftige in Heimen (34%) (vollstationär) | Anzahl | 84.019 |
| in Pflegestufe | ||
| I | % | 38 |
| II | % | 42 |
| III | % | 18 |
| noch ohne Zuordnung | % | 2 |
| Zahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg 2009, 2030 und 2050 nach Art der Pflege (Status-Quo-Rechnung) | |||
|---|---|---|---|
| Pflegebedürftige | 2009 | 2030 | 2050 |
| vollstationär Gepflegte | 84.019 | 130.000 | 182.000 |
| ambulant Gepflegte | 49.650 | 76.000 | 105.000 |
| Pflegegeldempfänger | 112.369 | 147.000 | 183.000 |
| Zusammen | 246.038 | 352.000 | 470.000 |
| Pflegequoten 2009 im Ländervergleich | |
|---|---|
| Land | Pflegequote |
| Mecklenburg-Vorpommern | 3,7 |
| Thüringen | 3,4 |
| Sachsen-Anhalt | 3,4 |
| Brandenburg | 3,4 |
| Niedersachsen | 3,2 |
| Sachsen | 3,2 |
| Hessen | 3,1 |
| Saarland | 3,0 |
| Berlin | 2,9 |
| Deutschland | 2,9 |
| Nordrhein-Westfalen | 2,9 |
| Schleswig-Holstein | 2,8 |
| Rheinland-Pfalz | 2,6 |
| Hamburg | 2,6 |
| Bayern | 2,6 |
| Baden-Württemberg | 2,3 |
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