Stuttgart, 26. Juni 2012 – Nr. 192/2012
In Baden-Württemberg arbeiteten im Jahr 2011 die 5,73 Millionen Erwerbstätigen insgesamt fast 8 Milliarden Stunden. Das waren rund 181 Millionen Stunden bzw. 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor1). Wie das Statistische Landesamt anhand neuester vorläufiger Berechnungen des Arbeitskreises »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder« feststellt, lag das Niveau der geleisteten Arbeitsstunden damit noch um rund 34 Millionen Stunden unter seinem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008 (– 0,4 Prozent). Anders als die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden hat die Zahl der erwerbstätigen Personen im Jahr 2011 das Vorkrisenniveau von 2008 bereits um 53 000 übertroffen (+ 0,9 Prozent) und einen neuen Höchststand erreicht (Pressemitteilung Nr. 93/2012 vom 27. März 2012).
Hierfür sind mehrere Gründe ausschlaggebend: Das Niveau der geleisteten Arbeitsstunden war nach den arbeitsplatzerhaltenden Maßnahmen in Form eines Abbaus von Arbeitszeitguthaben und der massiven Ausweitung der Kurzarbeit im Jahr 2009 um 5,0 Prozent gesunken, deutlich stärker als die Zahl der erwerbstätigen Personen (– 0,7 Prozent). Mit der kräftigen konjunkturellen Erholung in den Jahren 2010 und 2011 stieg das Arbeitsvolumen insbesondere wegen des Abbaus der konjunkturellen Kurzarbeit, aber auch wegen Neueinstellungen zwar wieder um 2,4 bzw. 2,3 Prozent. Von den Neueinstellungen profitierten jedoch in erster Linie Arbeitnehmer mit Teilzeitverträgen oder mit geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen im Nebenjob, die wegen ihrer eingeschränkten Arbeitszeit nur in begrenztem Umfang zu einem Anstieg der geleisteten Arbeitsstunden beigetragen haben (Pressemitteilung Nr. 127/2012 vom 25. April 2012).
Die durchschnittliche Pro-Kopf-Arbeitszeit, also die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen, hat sich in Baden-Württemberg im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent auf 1 390 erhöht. Seit dem Krisenjahr 2009 ist die Pro-Kopf-Arbeitszeit in keinem anderen Bundesland prozentual so stark gestiegen wie in Baden-Württemberg. Im vergangenen Jahr arbeitete ein Erwerbstätiger durchschnittlich 42 Stunden oder 3,1 Prozent mehr als 2009. Bundesweit betrug der vergleichbare Zuwachs lediglich 30 Stunden oder 2,2 Prozent. Prozentual am stärksten stieg 2011 gegenüber dem Vorjahr im Südwesten die Pro-Kopf-Arbeitszeit im Verarbeitenden Gewerbe, nachdem bei guter Konjunktur die Kurzarbeit stark zurückgeführt und Arbeitszeitkonten wieder aufgefüllt wurden. Dort stieg die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen um 2,4 Prozent auf 1 434 Stunden, mehr als dreimal so stark wie in der Gesamtwirtschaft (+ 0,7 Prozent). Im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe wurde in den Dienstleistungsbereichen mit 1 344 Stunden je Erwerbstätigen weniger, in der Land- und Forstwirtschaft und im Baugewerbe mit 1 821 bzw. 1 633 Stunden je Erwerbstätigen dagegen deutlich länger gearbeitet.
Das Niveau der durchschnittlich geleisteten Arbeitszeit je Erwerbstätigen fällt im Bundesländervergleich recht unterschiedlich aus und reichte im vergangenen Jahr von 1 516 Stunden in Brandenburg bis 1 373 Stunden in Rheinland-Pfalz. Baden-Württemberg war mit 1 390 Stunden bundesweit das Bundesland mit der sechstniedrigsten Pro-Kopf-Arbeitszeit. Die unterschiedlichen Arbeitspensen je Erwerbstätigen haben jedoch nichts mit dem unterschiedlichen Fleiß der Beschäftigten in den Bundesländern zu tun, sondern mit einer Vielzahl ganz anderer Faktoren wie der Branchenstruktur in den Ländern, den tariflichen Arbeitszeitregelungen in den einzelnen Branchen sowie der Bedeutung der Mini- und Teilzeitjobs in den Ländern.
1) Siehe »Wichtiger Hinweis zur Revision der Erwerbstätigenrechnung«.
| Erwerbstätige und geleistete Arbeitsstunden in Baden-Württemberg nach Stellung im Beruf 2008 bis 2011*) | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | Erwerbstätige insgesamt | Selbstständige und mithelfende Familenangehörige | Arbeitnehmer | Erwerbstätige insgesamt | Selbstständige und mithelfende Familenangehörige | Arbeitnehmer |
|
*) Vorläufige Ergebnisse. Quelle: Arbeitskreis "Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder" | ||||||
| Geleistete Arbeitsstunden insgesamt | ||||||
| in 1.000 | Veränderung zum Vorjahr in % | |||||
| 2008 | 7.999.300 | 1.254.300 | 6.745.000 | x | x | x |
| 2009 | 7.598.600 | 1.242.000 | 6.356.500 | −5,0 | −1,0 | −5,8 |
| 2010 | 7.783.700 | 1.247.300 | 6.536.400 | +2,4 | +0,4 | +2,8 |
| 2011 | 7.965.100 | 1.258.300 | 6.706.900 | +2,3 | +0,9 | +2,6 |
| Erwerbstätige | ||||||
| Anzahl | Veränderung zum Vorjahr in % | |||||
| 2008 | 5.678.600 | 601.100 | 5.077.400 | x | x | x |
| 2009 | 5.636.800 | 596.000 | 5.040.800 | −0,7 | −0,8 | −0,7 |
| 2010 | 5.643.100 | 596.900 | 5.046.300 | +0,1 | +0,1 | +0,1 |
| 2011 | 5.731.900 | 603.500 | 5.128.300 | +1,6 | +1,1 | +1,6 |
| Geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen | ||||||
| Anzahl | Veränderung zum Vorjahr in % | |||||
| 2008 | 1.409 | 2.087 | 1.328 | x | x | x |
| 2009 | 1.348 | 2.084 | 1.261 | −4,3 | −0,1 | −5,1 |
| 2010 | 1.379 | 2.090 | 1.295 | +2,3 | +0,3 | +2,7 |
| 2011 | 1.390 | 2.085 | 1.308 | +0,7 | −0,2 | +1,0 |
| Geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen in Baden-Württemberg nach Wirtschaftsbereichen 2008 bis 2011*) | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ08) | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | |
| Stunden | |||||
|
*) Vorläufige Ergebnisse Quelle: Arbeitskreis "Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder" | |||||
| A | Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 1.859 | 1.817 | 1.829 | 1.821 |
| B bis F | Produzierendes Gewerbe | 1.477 | 1.371 | 1.443 | 1.470 |
| B bis E | Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe | 1.441 | 1.322 | 1.403 | 1.436 |
| darunter C | Verarbeitendes Gewerbe | 1.439 | 1.316 | 1.400 | 1.434 |
| F | Baugewerbe | 1.660 | 1.616 | 1.630 | 1.633 |
| G bis T | Dienstleistungsbereiche | 1.366 | 1.327 | 1.341 | 1.344 |
| G bis J | Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation | 1.425 | 1.387 | 1.401 | 1.404 |
| K bis N | Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen | 1.396 | 1.353 | 1.380 | 1.383 |
| O bis T | Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung, Gesundheit | 1.294 | 1.259 | 1.267 | 1.270 |
| A bis T | Alle Wirtschaftsbereiche | 1.409 | 1.348 | 1.379 | 1.390 |
| Veränderung zum Vorjahr (Anzahl) | |||||
| A | Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | x | −42 | +12 | −8 |
| B bis F | Produzierendes Gewerbe | x | −105 | +71 | +27 |
| B bis E | Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe | x | −120 | +82 | +32 |
| darunter C | Verarbeitendes Gewerbe | x | −123 | +84 | +34 |
| F | Baugewerbe | x | −44 | +14 | +3 |
| G bis T | Dienstleistungsbereiche | x | −38 | +14 | +3 |
| G bis J | Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation | x | −38 | +14 | +2 |
| K bis N | Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen | x | −44 | +27 | +3 |
| O bis T | Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung, Gesundheit | x | −34 | +7 | +3 |
| A bis T | Alle Wirtschaftsbereiche | x | −61 | +31 | +10 |
| Veränderung zum Vorjahr (in %) | |||||
| A | Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | x | −2,3 | +0,7 | −0,5 |
| B bis F | Produzierendes Gewerbe | x | −7,1 | +5,2 | +1,9 |
| B bis E | Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe | x | −8,3 | +6,2 | +2,3 |
| darunter C | Verarbeitendes Gewerbe | x | −8,6 | +6,4 | +2,4 |
| F | Baugewerbe | x | −2,6 | +0,9 | +0,2 |
| G bis T | Dienstleistungsbereiche | ||||
| G bis J | Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation | x | −2,7 | +1,0 | +0,2 |
| K bis N | Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen | x | −3,1 | +2,0 | +0,2 |
| O bis T | Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung, Gesundheit | x | −2,7 | +0,6 | +0,2 |
| A bis T | Alle Wirtschaftsbereiche | x | −4,3 | +2,3 | +0,7 |
| Geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen in den Bundesländern 2009 und 2011*) | ||
|---|---|---|
| Bundesländer | 2009 | 2011 |
|
*) Vorläufige Ergebnisse. Quelle: Arbeitskreis "Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder" | ||
| Rheinland-Pfalz | 1.348 | 1.373 |
| Nordrhein-Westfalen | 1.344 | 1.374 |
| Saarland | 1.338 | 1.377 |
| Niedersachsen | 1.354 | 1.386 |
| Bremen | 1.351 | 1.389 |
| Baden-Württemberg | 1.348 | 1.390 |
| Schleswig-Holstein | 1.374 | 1.401 |
| Hessen | 1.383 | 1.410 |
| Deutschland | 1.383 | 1.413 |
| Bayern | 1.383 | 1.413 |
| Hamburg | 1.425 | 1.447 |
| Berlin | 1.444 | 1.462 |
| Sachsen | 1.474 | 1.503 |
| Thüringen | 1.483 | 1.513 |
| Sachsen-Anhalt | 1.488 | 1.515 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1.497 | 1.515 |
| Brandenburg | 1.504 | 1.516 |
infopunkt1
Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Richter, marginal Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Bezahlte, aber nicht geleistete Arbeitsstunden wie Jahresurlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder krankheitsbedingte Abwesenheit zählen nicht zum Arbeitsvolumen.
Mit der heutigen Veröffentlichung der revidierten Ergebnisse der Arbeitsvolumen für den Zeitraum 2008 bis 2011 legt das Statistische Landesamt erstmals auf der Grundlage der Klassifikation der Wirtschaftszweige Ausgabe 2008 (WZ 2008) ermittelte Ergebnisse für die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden vor. Die Umstellung auf die WZ 2008 ist Gegenstand einer umfassenden Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR), die neben der Umstellung auf die WZ 2008 die bisherigen Datengrundlagen und Berechnungen überprüft und neue Informationen berücksichtigt hat. Hierdurch ergibt sich nach der Revision im Jahr 2008 eine leichte Niveauanhebung, in den Jahren 2009 und 2010 eine leichte Niveauabsenkung der Ergebnisse gegenüber vor der Revision. Die prozentualen Veränderungen sind dabei kleiner als ein Prozent. Die gesamte revidierte Zeitreihe zurück bis zum Jahr 1998 wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.
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