Stuttgart, 5. Juli 2012 – Nr. 210/2012
Der bereits 2010 eingeschlagene Wachstumskurs der baden-württembergischen Wirtschaft hielt im Jahr 2011 weiter an. Vor allem Dank der anhaltend positiven Entwicklung der Südwestindustrie sowie den überdurchschnittlichen Zuwächsen im Bereich »Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation« erzielte Baden-Württemberg 2011 mit einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein deutlich höheres Wachstum als Deutschland insgesamt (+3,0 Prozent).
Dies ergeben die heute vom Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder« unter Vorsitz von Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, vorgelegten Wirtschaftszahlen 2011 auf Länderebene. Sie bestätigen damit das bereits am 29. März 2012 veröffentlichte Ergebnis der vorläufigen Jahresrechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2011. Demnach erreichte die Wirtschaft im Südwesten 2011 im Länderranking das höchste Jahreswachstum. Zum Vergleich: Bayerns Wirtschaft ist preisbereinigt um 2,7 Prozent gewachsen und in den anderen großen Flächenländern Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ergaben sich Wachstumsraten von 3,2 bzw. 3,3 und 2,6 Prozent.
Baden-Württembergs Wirtschaftsleistung 2008 bis 2010 im Durchschnitt um rund 1,7 Mrd. Euro niedriger als bisher
Mit der heutigen Veröffentlichung des regionalen BIP 2011 werden vom Arbeitskreis VGR der Länder auch die ersten detaillierten Länderergebnisse nach der umfassenden VGR-Revision 2011 für die Hauptwirtschaftsbereiche in der neuen Wirtschaftszweiggliederung WZ 2008 für die Berichtsjahre 2008 bis 2011 vorgestellt. Die Revision der Zeitreihen 1991 bis 2007 ist momentan noch nicht abgeschlossen. Die Revision 2011 diente in erster Linie der Umstellung der VGR auf die neue Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008). Diese weist erhebliche strukturelle Änderungen gegenüber der bisherigen WZ 2003 auf. So wird insbesondere der Dienstleistungsbereich stärker als bisher differenziert, beispielsweise mit dem neu geschaffenen WZ-Abschnitt »Information und Kommunikation« sowie zwei neuen Abschnitten für die "unternehmensnahen« Dienstleister, wie z. B. Architekturbüros, Datenverarbeitungsdienste oder Rechts- und Steuerberatungsbüros. Neben der Umstellung auf die WZ 2008 wurde die Revision 2011 in den VGR auch dazu genutzt, die bisherigen Berechnungsverfahren grundlegend zu überprüfen. Änderungsbedarf ergab sich dabei hauptsächlich aufgrund neuer Erkenntnisse und neuer Datenquellen. Dazu gehört auf Länderebene z. B. die nun in größerem Umfang nutzbare jährliche Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich. Sie ermöglicht eine fundiertere Berechnung der Wertschöpfung der Dienstleister sowohl in regionaler als auch wirtschaftsfachlicher Gliederung. Zudem kamen neue methodische Berechnungsansätze beispielsweise in den Bereichen »Grundstücks- und Wohnungswesen« und im »Handel« zur Anwendung. Im Ergebnis ist das Niveau des Bruttoinlandsprodukts, das umfassende Maß für die hier zu Lande erbrachten wirtschaftlichen Leistungen, nach der Revision etwas niedriger als bisher.
Für Baden-Württemberg ergibt sich im Durchschnitt der revidierten Jahreswerte 2008 bis 2010 gemessen in jeweiligen Preisen ein um rund 1,7 Mrd. Euro bzw. um 0,5 Prozent geringeres BIP. Auf Länderebene sind deutlich stärkere Auswirkungen der Revision auf die Höhe des BIP als auf Bundesebene festzustellen. Während beispielsweise in Deutschland für 2008 bis 2010 eine BIP-Niveauminderung von jährlich 0,3 bis maximal 0,9 Prozent ausgewiesen wird, reicht die Schwankungsbreite in Baden-Württemberg von +0,5 bis zu −1,4 Prozent. Infolge der Neuabgrenzung der Wirtschaftsbereiche zur Revision 2011 kommt es zu Änderungen der anhand der Bruttowertschöpfung (BWS) gemessenen Wirtschaftsstruktur. Allerdings sind die inhaltlichen Veränderungen der Wirtschaftszweiggliederung zu zahlreich, um sie hier vollständig wiederzugeben. Nach wie vor trägt aber hier zu Lande das Verarbeitende Gewerbe bzw. die Industrie mit annähernd 104 Mrd. Euro 2011 allein fast ein Drittel (31 Prozent) zur gesamten Wertschöpfung bei. Allerdings fällt die Wirtschaftsleistung des Verarbeitenden Gewerbes nach Revision im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2010 um 1,2 Mrd. Euro (−1,3 Prozent) niedriger aus als vor Revision. Zurückzuführen ist dies u. a. auf die Ausgliederung des Verlagsgewerbes in den Abschnitt J »Information und Kommunikation” und des Recyclings in den neuen Abschnitt E »Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen”. Die Dienstleistungsbereiche – wie z.B. Handel, Gastgewerbe, Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister – stellten 2011 insgesamt mit knapp 207 Mrd. Euro einen Anteil von rund 61,5 Prozent an der baden-württembergischen Wertschöpfung. Im Vergleich vor Revision ist die BWS der Dienstleister – 2008 bis 2010 – um knapp 1,5 Mrd. Euro (−0,7 Prozent) geringer.
| Entstehung des Bruttoinlandsprodukts in Baden-Württemberg und Deutschland 2011 | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wirtschaftsbereiche | Baden-Württemberg | Deutschland | ||||||
| in jeweiligen Preisen | preisbereinigt | in jeweiligen Preisen | preisbereinigt | |||||
| Mill. Euro | Anteil | Veränd. zum Vorjahr1) | Wachs-tums-beitrag | Mill. Euro | Anteil | Veränd. zum Vorjahr1) | Wachs-tums-beitrag | |
| % | %-Pkte. | % | %-Pkte. | |||||
|
1) Veränderung der preisbereinigten, verketteten BWS gegenüber dem Vorjahr. Quelle: Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«, vorläufige Ergebnisse. | ||||||||
| Bruttoinlandsprodukt (BIP) | 376.285 | x | +4,3 | x | 2.570.800 | x | +3,0 | x |
| Bruttowertschöpfung (BWS) | 336.041 | 100 | +4,3 | +3,8 | 2.295.850 | 100 | +2,9 | +2,6 |
| davon: | ||||||||
| Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 2.295 | 0,7 | +9,2 | +0,0 | 21.870 | 1,0 | +3,1 | +0,0 |
| Produzierendes Gewerbe | 127.208 | 37,9 | +7,4 | +2,4 | 689.120 | 30,0 | +5,5 | +1,4 |
| Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe | 112.925 | 33,6 | +8,0 | +2,3 | 588.220 | 25,6 | +5,9 | +1,3 |
| darunter: | ||||||||
| Verarbeitendes Gewerbe | 103.621 | 30,8 | +9,9 | +2,6 | 504.530 | 22,0 | +8,2 | +1,5 |
| Baugewerbe | 14.283 | 4,3 | +2,9 | +0,1 | 100.900 | 4,4 | +3,5 | +0,1 |
| Dienstleistungsbereiche | 206.538 | 61,5 | +2,4 | +1,3 | 1.584.860 | 69,0 | +1,9 | +1,2 |
| davon: | ||||||||
| Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation | 57.999 | 17,3 | +4,5 | +0,7 | 438.610 | 19,1 | +3,3 | +0,6 |
| Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister; Grundstücks- und Wohnungswesen | 84.101 | 25,0 | +2,2 | +0,5 | 630.830 | 27,5 | +2,0 | +0,5 |
| Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit, Private Haushalte mit Hauspersonal | 64.438 | 19,2 | +0,9 | +0,2 | 515.420 | 22,5 | +0,4 | +0,1 |
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