230/2012

Stuttgart, 16. Juli 2012Nr. 230/2012

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Einwohnerzahl erreicht 2011 mit 10 786 000 höchsten Stand seit 1952

Brenner: Deutlich gestiegener Wanderungsgewinn kann Geburtendefizit mehr als kompensieren

Die Einwohnerzahl Baden-Württembergs ist nach Angaben der Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, im Jahr 2011 um etwa 32 300 Personen auf rund 10 786 200 Einwohner angestiegen. Damit hat die Einwohnerzahl einen neuen Höchststand erreicht, nachdem die Bevölkerungszahl im Jahr 2010 lediglich um rund 9 000 angestiegen ist und in den Jahren 2008 und 2009 sogar zurückgegangen war.

Zwar hat sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes das Geburtendefizit, also die Differenz zwischen Geborenen und Gestorbenen, von knapp 8 100 Personen im Jahr 2010 auf zuletzt 8 900 nochmals leicht vergrößert. Gleichzeitig hat sich aber auch der Wanderungsgewinn, also die Differenz zwischen Zu- und Fortziehenden, überraschend deutlich erhöht: 2010 lag das Wanderungsplus noch bei 17 300 Personen, im vergangenen Jahr sind immerhin 41 500 Personen mehr nach Baden-Württemberg zu- als fortgezogen; das war der höchste Wanderungsgewinn seit dem Jahr 2002.

Von den 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs konnten im vergangenen Jahr immerhin 31 ihre Einwohnerzahl steigern. Unter ihnen gab es 12 Kreise, bei denen der Anstieg bei über 1 000 Personen lag. Den mit Abstand stärksten Bevölkerungszuwachs verzeichnete die Landeshauptstadt Stuttgart mit einem Plus von rund 6 800 Personen.1) Die stärksten Bevölkerungsrückgänge gab es dagegen im Landkreis Freudenstadt (-1 200), im Neckar-Odenwald-Kreis (−800) sowie im Zollernalbkreis (−700) und im Landkreis Rottweil (−600). Der Stadtkreis Stuttgart mit dem höchsten Bevölkerungszuwachs hat hierbei sowohl von einem Geburtenüberschuss – also mehr Geburten als Sterbefälle – als auch von Wanderungsgewinnen – mehr Zu- als Fortzüge – profitiert. Diese günstige Konstellation gab es im vergangenen Jahr in immerhin noch acht weiteren Kreisen: In den Stadtkreisen Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Ulm und Heilbronn sowie in den Landkreisen Tübingen, Ludwigsburg, Böblingen und Biberach. Dagegen waren im vergangenen Jahr in 8 überwiegend ländlich strukturierten Kreisen sowohl der Geburten- als auch der Wanderungssaldo negativ.

Mit welcher künftigen Bevölkerungsentwicklung ist im Land zu rechnen?

Vor allem die vollständige Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes seit dem 1. Mai 2011 für Bürger von acht osteuropäischen Staaten in Verbindung mit einer weiterhin günstigen Arbeitsplatzentwicklung im Südwesten könnte dazu führen, dass die Zuwanderung in diesem und in den nächsten Jahren auf dem derzeitigen, relativ hohen Niveau verharrt. Zwar ist davon auszugehen, dass die Zahl der Zuzüge aus den neuen Bundesländern weiter zurückgehen wird 2) – dennoch dürfte die Bevölkerungszahl im Land aufgrund des insgesamt relativ hohen Zuwanderungsniveaus zunächst weiter ansteigen.

Mittel- und langfristig erwartet das Statistische Landesamt aber, dass die Einwohnerzahl im Südwesten zurückgehen wird. Denn aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung – immer mehr ältere stehen immer weniger junge Menschen gegenüber – wird sich das Geburtendefizit stetig vergrößern. Die zu erwartenden künftigen Wanderungsgewinne werden dann aller Voraussicht nach das deutlich steigende Geburtendefizit nicht mehr kompensieren können.

1) Die Ergebnisse im Text wurden jeweils auf 100 Personen gerundet.

2) Dies ist bereits deshalb zu vermuten, weil die Altersgruppe der besonders wanderungsaktiven jungen Erwachsenen schwächer besetzt sein wird.


Bevölkerungszunahme bzw. -abnahme in Baden-Württemberg seit 1990 differenziert nach dem Geburten- und Wanderungssaldo
JahrGeburtensaldoWanderungssaldo
Anzahl
199021.009182.322
199120.382159.431
199221.582125.286
199319.41065.908
199416.76021.283
199514.72632.572
199615.74939.389
199719.2522.853
199814.24615.184
199911.04038.852
200010.84237.641
20017.26969.222
20024.49156.117
200336431.213
20045.00320.065
200520118.145
2006−7073.930
2007−1.25612.392
2008−4.5004.200
2009−7.8783.421
2010−8.11217.275
2011−8.90941.458

Schaubild: Bevölkerungszunahme bzw. -abnahme in Baden-Württemberg seit 1990 differenziert nach dem Geburten- und Wanderungssaldo

Bevölkerungsentwicklung in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs im Jahr 2011 (Bevölkerungsbilanz)
Stadt- / LandkreisBevölkerung am 31.12.2010GeburtenGestorbeneGeburten­saldoZuzüge1)Fortzüge1)Wanderungs­saldoBevölkerung am 31.12.20112)
Anzahl

1) über die Kreisgrenzen

2) Einschließlich bestandsrelevanter Korrekturen

Stuttgart (SKR)606.5885.6675.05361446.26140.0526.209613.392
Böblingen LKR)371.3963.2443.05119316.62315.868755372.334
Esslingen (LKR)514.8304.3664.474−10822.70820.2152.493517.205
Göppingen (LKR)252.5481.9452.440−4958.0208.066−46252.002
Ludwigsburg (LKR)517.9854.6274.40921824.20821.4012.807521.014
Rems-Murr-Kreis (LKR)415.4483.3273.650−32315.35314.750603415.719
Heilbronn (SKR)122.8791.1881.167219.2057.8461.359124.257
Heilbronn (LKR)328.3642.6432.835−19214.55313.986567328.731
Hohenlohekreis (LKR)108.9139151.029−1144.7914.75833108.832
Schwäbisch Hall (LKR)188.4201.5001.752−2527.3517.069282188.449
Main-Tauber-Kreis (LKR)133.3519661.388−4224.1854.11867132.993
Heidenheim (LKR)131.1169391.311−3724.4164.437−21130.719
Ostalbkreis (LKR)310.7332.5383.057−5199.4619.309152310.365
Baden-Baden (SKR)54.445344739−3953.5853.17141454.461
Karlsruhe (SKR)294.7612.6572.782−12526.91824.0352.883297.488
Karlsruhe (LKR)432.2713.2884.123−83519.01717.4771.540432.977
Rastatt (LKR)226.7891.7902.180−3909.2118.699512226.902
Heidelberg (SKR)147.3121.3061.11718917.17915.0542.125149.633
Mannheim (SKR)313.1742.6573.044−38723.06320.9212.142314.931
Neckar-Odenwald-Kreis (LKR)147.0061.0531.504−4514.7215.120−399146.158
Rhein-Neckar-Kreis (LKR)537.6254.3505.096−74623.97621.7192.257539.132
Pforzheim (SKR)119.7811.1151.312−1978.2907.1541.136120.709
Calw (LKR)157.2711.1931.392−1997.1447.293−149156.919
Enzkreis (LKR)193.9131.4091.764−3558.2997.935364193.918
Freudenstadt (LKR)119.8789201.161−2414.4185.371−953118.679
Freiburg im Breisgau (SKR)224.1912.2141.74047421.58417.1104.474229.144
Breisgau-Hochschwarzwald (LKR)251.2662.0452.178−13314.69813.5041.194252.327
Emmendingen (LKR)158.3421.2331.394−1616.3965.817579158.755
Ortenaukreis (LKR)417.5133.2973.865−56812.28511.343942417.875
Rottweil (LKR)139.3161.1631.334−1714.2854.707−422138.719
Schwarzwald-Baar-Kreis (LKR)206.5351.6362.141−5057.8837.699184206.214
Tuttlingen (LKR)134.1891.1941.320−1264.9404.798142134.204
Konstanz (LKR)278.9832.0962.530−43415.84213.8392.003280.548
Lörrach (LKR)222.6501.7591.917−1588.8658.067798223.286
Waldshut (LKR)166.1401.1661.575−4096.5516.246305166.034
Reutlingen (LKR)280.9312.2182.536−31810.74610.246500281.017
Tübingen (LKR)221.3041.8331.57525813.48613.056430221.977
Zollernalbkreis (LKR)188.3931.4331.889−4566.0646.296−232187.698
Ulm (SKR)122.8011.1991.05814110.0509.313737123.672
Alb-Donau-Kreis (LKR)189.6701.6181.661−437.7657.661104189.825
Biberach (LKR)189.3121.7021.647556.8096.651158189.523
Bodenseekreis (LKR)208.3671.7051.808−10312.64311.1641.479209.733
Ravensburg (LKR)276.9652.3562.559−20311.45310.3061.147277.909
Sigmaringen (LKR)130.2151.0091.175−1665.2385.434−196129.848
Baden-Württemberg10.753.88088.82397.732−8.909530.539489.08141.45810.786.227

Schaubild: Bevölkerungszunahme bzw. -abnahme in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2011

Schaubild: Einwohner in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs am 31.12.2011


URI: http://www.statistik-bw.de/Pressemitt/2012230.asp

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