2010-3

Ausländisch-deutsche Ehen – Anzeichen einer erfolgreichen Integration

Ingrid Walter

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Jeder 5. verheiratete Ausländer in Baden-Württemberg hatte 2008 einen deutschen Ehepartner. Da dieser Anteil im Zeitablauf eine steigende Tendenz aufweist, kann dies als Ausdruck einer gelungenen Integration der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit betrachtet werden. Allerdings gibt es unter den verschiedenen Nationalitäten sowie zwischen Männern und Frauen große Unterschiede bezüglich der Häufigkeit ausländisch-deutscher Ehen.

Ausländisch-deutsche Ehen werden in Deutschland immer häufiger. Dem Ausländerzentralregister zufolge lebten Anfang der 80er-Jahre in den ehemaligen westdeutschen Bundesländern einschließlich West-Berlin 6 % aller verheirateten ausländischen Mitbürger mit einem deutschen Ehepartner zusammen. Dieser Anteil hat sich binnen fast 30 Jahren in dem nunmehr wiedervereinten Deutschland mehr als vervierfacht. Ende 2008 waren von den rund 6,7 Mill. Männern und Frauen mit ausländischer Nationalität in der Bundesrepublik Deutschland gut 3,1 Mill. verheiratet, darunter mehr als 780 000 oder jeder Vierte mit einem deutschen Ehepartner. Dabei hatten ausländische verheiratete Männer insgesamt etwas seltener eine deutsche Ehepartnerin (22 %) als ausländische Frauen einen deutschen Ehepartner (28 %). Die genannten Zahlen dürften dabei in der Realität eher die Untergrenze darstellen, da durch Einbürgerung zahlreiche Personen die deutsche Staatsangehörigkeit erwarben und gegebenenfalls neben dem ausländischen Pass auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und somit im Ausländerzentralregister nicht mehr zur ausländischen Bevölkerung zählen.1

In Baden-Württemberg hat jeder 5. verheiratete Ausländer einen deutschen Ehepartner | ^

Zum Jahresende 2008 wohnten insgesamt rund 1,17 Mill. Männer und Frauen mit ausländischer Nationalität in Baden-Württemberg. Wie sich nach Auswertung des Ausländerzentralregisters zeigt, waren darunter 523 000 Personen (45 %) verheiratet, wobei 103 800 einen deutschen Ehepartner hatten (20 %). Von den ausländischen Frauen war insgesamt etwas mehr als die Hälfte (51 %) verheiratet, darunter 22 % oder 64 800 mit einem deutschen Partner (Tabelle). Dagegen waren die Männer mit ausländischer Nationalität insgesamt seltener verheiratet (38 %). Von den ausländischen verheirateten Männern hatten lediglich 17 % oder 39 000 eine deutsche Ehepartnerin.

Europäer heiraten eher selten Deutsche | ^

Die in Baden-Württemberg lebenden Ausländer kommen aus allen Kontinenten der Erde – insgesamt aus rund 200 Staaten. So wohnten im Südwesten zum Jahresende 2008 rund 157 000 Personen, die ursprünglich aus Asien (94 900), Amerika (33 800), Afrika (27 000) sowie Australien und Ozeanien (1 600) stammen. Die mit Abstand meisten ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Baden-Württemberg kommen allerdings aus europäischen Ländern. Über 1 Mill. – das waren 86 % der insgesamt 1,17 Mill. erfassten ausländischen Personen – kommen aus den verschiedenen Staaten Europas. Absolut betrachtet gab es hier mit 74 400 die meisten Ehen mit deutschen Partnern. Gemessen an der Gesamtzahl aller verheirateten Personen aus europäischen Staaten war der Anteil mit 16 % jedoch am niedrigsten.

Am relativ häufigsten waren dagegen Amerikaner mit deutschen Ehepartnern verheiratet. Knapp die Hälfte aller verheirateten Personen mit amerikanischem Pass hatte eine deutsche Ehefrau oder einen deutschen Ehemann. Unter den Afrikanern und den Personen aus Australien und Ozeanien lagen die entsprechenden Werte bei 46 bzw. 43 %. Unter den verheirateten Frauen und Männern aus Asien hatten 40 % einen deutschen Ehepartner.

Türkisch-deutsche Ehen kommen zahlenmäßig am häufigsten vor | ^

Bei den in Baden-Württemberg am stärksten vertretenen ausländischen Nationalitäten gibt es ebenfalls große Unterschiede. Mit knapp 290 000 Personen stellen türkische Staatsangehörige die größte Nationalitätengruppe im Land. Absolut gesehen kamen türkisch-deutsche Ehen (10 750) am häufigsten vor. Bezogen auf alle verheirateten Türken und Türkinnen in Baden-Württemberg waren das allerdings nur 8 %. Insgesamt hatten 6 515 oder 10 % der türkischen verheirateten Männer eine deutsche Frau und 4 235 oder 6 % der verheirateten Türkinnen einen deutschen Ehemann. Türkische Männer hatten somit annähernd doppelt so häufig eine deutsche Ehepartnerin wie türkische Frauen einen deutschen Ehemann.

Unter den Italienern, der mit 162 000 Personen zweitstärksten ausländischen Nationalität im Lande, führten 12 % aller Verheirateten eine italienisch-deutsche Ehe, unter den Personen aus dem Gebiet des ehemaligen Serbien und Montenegro (86 000) und Kroatien (74 000 Personen) waren es 11 bzw. 12 %. Bei den Griechen, die wie die Italiener und Kroaten im Durchschnitt bereits seit fast drei Jahrzehnten bei uns leben, sind Ehen mit Deutschen mit einem Anteil von 5 % eher selten. Unter den verheirateten Italienern hatten die Männer mit einem Anteil von 17 % (4 833 Italiener) mehr als doppelt so häufig eine deutsche Ehepartnerin wie Italienerinnen einen deutschen Ehepartner (8 % oder 2 447 Italienerinnen). Bei den anderen genannten Nationalitäten gab es bei den Männern und Frauen lediglich geringere Unterschiede.

73 % der thailändischen Staatsbürger haben einen deutschen Ehepartner | ^

Unter den in Baden-Württemberg weniger stark vertretenen Nationalitäten kommen ausländisch-deutsche Ehen weitaus häufiger vor. So waren fast drei Viertel (4 116) der insgesamt 5 663 verheirateten thailändischen Staatsbürger mit Deutschen verheiratet (Schaubild). Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Ehen von thailändischen Frauen mit deutschen Männern (98 %). Ebenfalls sehr hohe Anteile ausländisch-deutscher Ehen von 65 und 69 % gab es bei den Personen von den Philippinen und aus Kasachstan. Der hohe Anteil an Ehen zwischen Personen aus Kasachstan sowie anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion und Deutschen dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass insbesondere in den 90er-Jahren eine Vielzahl von Spätaussiedlern mit deutschem Pass gemeinsam mit ihren ausländischen Ehepartnern aus diesen Ländern nach Baden-Württemberg kamen.

infopunkt

Als Ausländer gelten alle Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes sind. Eingeschlossen sind auch Personen, die staatenlos sind oder deren Staatsangehörigkeit ungeklärt ist.

Nicht zur ausländischen Bevölkerung zählen:

  • Personen, die neben der deutschen eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen; dies gilt insbesondere bei Aussiedlern, die neben ihrer ausländischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit angeben.
  • Angehörige ausländischer Stationierungsstreitkräfte sowie ausländischer diplomatischer und konsularischer Vertretungen mit ihren Familienangehörigen,
  • Kinder, bei denen nur ein Elternteil die ausländische Staatsangehörigkeit besitzt,
  • Kinder ausländischer Eltern bzw. ausländischer Mütter, die nach § 4 Abs. 3 StAG durch Geburt im Inland die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten.

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2010 | ^