Wirtschaftskraft

Indikatoren zum Thema »Volkswirtschaft, Branchen (URS), Konjunktur, Preise«

Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (Wirtschaftskraft)

Aussage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner dient im nationalen und internationalen Vergleich üblicherweise zur Messung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Ländern oder Regionen. Der Bezug des regionalen BIP auf die jeweilige Bevölkerungszahl der Region ermöglicht einen Vergleich des Standes der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. der Wirtschaftskraft verschieden großer Volkswirtschaften. Das BIP-Pro-Kopf ist jedoch nicht nur Grundlage für politische Entscheidungen und Standortbestimmungen, auch richtet sich beispielsweise die Vergabe von Fördermitteln der EU-Strukturfonds für Regionen mit Entwicklungsrückstand nach der Höhe des auf die Zahl der jeweiligen Einwohner bezogenen regionalen Bruttoinlandsprodukts.

Die Aussagekraft der Kenngröße »BIP je Einwohner« für wirtschaftliche Regionalvergleiche wird allerdings dadurch relativiert, dass die gesamtwirtschaftliche Leistung in manchen Regionen durch Berufseinpendler auf ein Niveau erhöht wird, das maßgeblich über der von der ansässigen Erwerbsbevölkerung erbrachten Wirtschaftsleistung liegt. In Regionen mit hohem Einpendlerüberhang, wie beispielsweise Hamburg oder Bremen wird das BIP je Einwohner im Ländervergleich somit überschätzt und in Regionen mit einem negativen Pendlersaldo scheinbar unterschätzt. Grundsätzlich weist diese Kennziffer methodische Mängel auf, da nach dem Inlands- (BIP am Arbeitsort) bzw. Inländerkonzept (Einwohner am Wohnort) ermittelte Daten aufeinander bezogen werden.

Ergebnisse

Innerhalb Deutschlands ist ein ausgeprägtes Regionalgefälle des auf die jeweilige Einwohnerzahl (Stichtag 30.06.2013) bezogenen Bruttoinlandsproduktes bzw. der Wirtschaftskraft zu beobachten. Im Jahr 2013 bewegte sich das BIP pro Kopf in jeweiligen Preisen zwischen den Ländern im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt von rund 33 355 Euro in einer Spanne von 68 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 161 Prozent in Hamburg.

Insgesamt fünf der sechzehn Bundesländer erzielten 2013 eine deutlich höhere Wirtschaftskraft als der Durchschnitt Deutschlands. In Baden-Württemberg überstieg das nominale BIP je Einwohner mit rund 37 470 Euro den Bundesdurchschnitt um 12 Prozent oder rund 4 120 Euro. Bayern und Hessen lagen mit knapp 38 430 Euro pro Kopf bzw. 38 490 Euro pro Kopf um rund 15 Prozent deutlich über dem Bundeswert. Das mit Abstand höchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner wiesen allerdings die Stadtstaaten Hamburg und Bremen auf, was aber auch auf deren hohen Einpendlerüberhang zurückzuführen ist (siehe o. a. Erläuterung). Bremen belegte Platz zwei mit 43 085 Euro pro Kopf, 9 730 Euro (29 Prozent) über dem deutschen Durchschnitt. An der Spitze lag Hamburg als die Dienstleistungsmetropole Norddeutschlands. Hier wurde 2013 ein BIP von gut 53 610 Euro je Einwohner erwirtschaftet, immerhin fast 20 260 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt.

Schaubild: Wirtschaftskraft in Deutschland 2013 nach Bundesländern

Wirtschaftskraft in Deutschland 2013 nach Bundesländern
BundesländerBruttoinlandsprodukt in jeweiligen PreisenBevölkerung insgesamt
je Einwohnerinsgesamt
EUR Mrd. EUR1.000

Berechnungsstand August 2013/Februar 2014.

Quelle: Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«.

Baden-Württemberg37.472407,210.868,1
Bayern38.429488,012.698,3
Berlin30.642109,23.563,3
Brandenburg23.75159,12.489,3
Bremen43.08528,6663,3
Hamburg53.61197,71.823,0
Hessen38.490235,76.123,3
Mecklenburg-Vorpommern22.81737,11.624,3
Niedersachsen30.149239,07.926,5
Nordrhein-Westfalen33.621599,817.838,4
Rheinland-Pfalz30.420121,63.996,7
Saarland31.83432,11.007,0
Sachsen24.22699,94.123,4
Sachsen-Anhalt23.19653,02.285,1
Schleswig-Holstein27.68478,72.842,9
Thüringen23.16851,02.202,8
Deutschland33.3552.737,682.075,5
alte Bundesländer ohne Berlin35.3912.328,365.787,4
neue Bundesländer ohne Berlin23.585300,112.724,9
Definition / Berechnung
Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen in EUR / Einwohner (EW)
Das Bruttoinlandsprodukt umfasst den Wert aller innerhalb eines Wirtschaftsgebietes während einer bestimmten Periode produzierten Waren und Dienstleistungen, ohne die im Produktionsprozess verbrauchten Vorleistungen wie z.B. Material und Energie.
Die neuen Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus 2011 sowie zur Erwerbsbeteiligung werden – soweit verfügbar – zur nächsten Revision 2014 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen in die Zeitreihen integriert. Die hier verwendeten Angaben zu den Einwohnern basieren auf Daten der Bevölkerungsfortschreibung auf Grundlage früherer Zählungen.
Datenquelle
Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«
Mögliche regionale Gliederung
Land, Kreis
Berechnungsstand
August 2013/Februar 2014
Periodizität
Jährlich
Nächste Aktualisierung
Ende April 2015

infopunkt

Weiterführende Informationen

28. 3. 2014


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2014 | ^