Wirtschaftskraft

Indikatoren zum Thema »Volkswirtschaft, Branchen (URS), Konjunktur, Preise«

Aussage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner dient im nationalen und internationalen Vergleich üblicherweise zur Messung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Ländern oder Regionen. Der Bezug des regionalen BIP auf die jeweilige Bevölkerungszahl der Region ermöglicht einen Vergleich des Standes der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. der Wirtschaftskraft verschieden großer Volkswirtschaften. Das BIP-Pro-Kopf ist jedoch nicht nur Grundlage für politische Entscheidungen und Standortbestimmungen, auch richtet sich beispielsweise die Vergabe von Fördermitteln der EU-Strukturfonds für Regionen mit Entwicklungsrückstand nach der Höhe des auf die Zahl der jeweiligen Einwohner bezogenen regionalen Bruttoinlandsprodukts.

Die Aussagekraft der Kenngröße »BIP je Einwohner« für wirtschaftliche Regionalvergleiche wird allerdings dadurch relativiert, dass die gesamtwirtschaftliche Leistung in manchen Regionen durch Berufseinpendler auf ein Niveau erhöht wird, das maßgeblich über der von der ansässigen Erwerbsbevölkerung erbrachten Wirtschaftsleistung liegt. In Regionen mit hohem Einpendlerüberhang, wie beispielsweise Hamburg oder Bremen wird das BIP je Einwohner im Ländervergleich somit überschätzt und in Regionen mit einem negativen Pendlersaldo scheinbar unterschätzt. Grundsätzlich weist diese Kennziffer methodische Mängel auf, da nach dem Inlands- (BIP am Arbeitsort) bzw. Inländerkonzept (Einwohner am Wohnort) ermittelte Daten aufeinander bezogen werden.

Ergebnisse

Zwischen den Bundesländern innerhalb Deutschlands ist ein ausgeprägtes Regionalgefälle des auf die jeweilige Einwohnerzahl (Stichtag 30.06.2012) bezogenen Bruttoinlandsproduktes bzw. der Wirtschaftskraft zu beobachten. Im Jahr 2012 bewegte sich das BIP pro Kopf in jeweiligen Preisen zwischen den Ländern im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt von rund 32 280 Euro in einer Spanne von 70 % in Mecklenburg-Vorpommern bis 164 % in Hamburg.

Insgesamt fünf der sechzehn Bundesländer erzielten 2012 eine deutlich höhere Wirtschaftskraft als der Durchschnitt Deutschlands. In Baden-Württemberg überstieg das nominale BIP je Einwohner mit rund 36 020 Euro den Bundesdurchschnitt um 12 % oder rund 3 740 Euro. Bayern lag mit 36 865 Euro pro Kopf rund 4 585 Euro (14 %) und Hessen mit rund 37 655 Euro pro Kopf um 5 375 Euro (17 %) deutlich über dem Bundeswert. Das mit Abstand höchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner wiesen allerdings die Stadtstaaten Hamburg und Bremen auf, was aber auch auf deren hohen Einpendlerüberhang zurückzuführen ist (siehe o. a. Erläuterung). Bremen belegte Platz zwei mit knapp 41 900 Euro pro Kopf, rund 9 615 Euro (30 %) über dem deutschen Durchschnitt. An der Spitze lag Hamburg als die Dienstleistungsmetropole Norddeutschlands. Hier wurde 2012 ein BIP von gut 53 090 Euro je Einwohner erwirtschaftet, immerhin rund 20 810 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt.

Schaubild: Wirtschaftskraft in Deutschland 2012 nach Bundesländern

Wirtschaftskraft in Deutschland 2012 nach Bundesländern
BundesländerBruttoinlandsprodukt in jeweiligen PreisenBevölkerung insgesamt
je Einwohnerinsgesamt
EUR Mrd. EUR1.000

Berechnungsstand August 2012/Februar 2013.

Quelle: Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«.

Baden-Württemberg36.019389,510.813,6
Bayern36.865465,512.627,4
Berlin29.455103,63.517,4
Brandenburg23.17957,82.492,5
Bremen41.89727,7661,0
Hamburg53.09195,81.804,7
Hessen37.656229,76.101,3
Mecklenburg-Vorpommern22.62036,91.630,6
Niedersachsen29.032230,07.923,1
Nordrhein-Westfalen32.631582,117.837,7
Rheinland-Pfalz29.431117,73.997,9
Saarland31.36431,71.011,0
Sachsen23.40096,64.128,5
Sachsen-Anhalt22.93352,82.302,9
Schleswig-Holstein27.22077,32.839,0
Thüringen22.24149,32.214,4
Deutschland32.2812.643,981.902,7
alte Bundesländer ohne Berlin34.2442.247,065.616,5
neue Bundesländer ohne Berlin22.972293,312.768,9
Definition / Berechnung
Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen in EUR / Einwohner (EW)
Das Bruttoinlandsprodukt umfasst den Wert aller innerhalb eines Wirtschaftsgebietes während einer bestimmten Periode produzierten Waren und Dienstleistungen, ohne die im Produktionsprozess verbrauchten Vorleistungen wie z.B. Material und Energie.
Datenquelle
Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«
Mögliche regionale Gliederung
Land, Kreis
Berechnungsstand
August 2012/Februar 2013
Periodizität
Jährlich
Nächste Aktualisierung
Ende März 2014

infopunkt

Weiterführende Informationen

27.03.2013


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