:: 22. 12. 2021

Kehl: Zwischenbilanz nach vier Jahren Integrationsmanagement

Um den Erfahrungsaustausch zum Integrationsmanagement zu fördern, haben wir Sie im letzten Newsletter gebeten, uns Ihr örtliches Integrationsmanagement vorzustellen. Etliche spontane Rückmeldungen haben uns erreicht, die wir in den folgenden Ausgaben aufgreifen möchten. Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldungen!

Praxisbericht aus Kehl

Svenja Gerbendorf und ihr Team aus Kehl starten den Erfahrungsaustausch mit einer „Zwischenbilanz nach vier Jahren Integrationsmanagement", die sie im November 2021 ihrem Gemeinderat vorgestellt haben. Deutlich wird die besondere Belastung für die Geflüchteten und das Integrationsmanagement in der Corona-Pandemie. „Die meist im Aushilfsbereich arbeitetenden Geflüchteten wurden reihenweise gekündigt, Integrationsangebote und -projekte konnten nicht stattfinden", berichten Gerbendorf und ihr Team. Hinzu kommen „für deutsche Verhältnisse sehr große Familien in sehr kleinen Wohnungen - mit allen einhergehenden Problemen", so ihr Bericht weiter.

Gerbendorf und ihr Team haben enorme Anstrengungen unternommen, um mit den Geflüchteten in engem Kontakt zu bleiben. Schon zu Beginn der Pandemie wurde ein Messenger-Informationsdienst aufgebaut. „Jede neue Verordnung und Regelung wurde möglichst vielen Geflüchteten auf Deutsch, in ihrer Muttersprache und als Sprachnachricht per Messenger-Dienst aufs Handy gesendet", so Gerbendorf und ihr Team. „Der organisatorische Aufwand war enorm, alle Handynummern mit den jeweiligen Sprachen zu verknüpfen, Dolmetscher zu finden, die sehr zeitnah übersetzen können ... Jede Nachricht ist mit der Bitte versehen, diese Information im Bekanntenkreis zu teilen", so ihr Bericht weiter. Über den Messenger-Zugang konnte auch ein Corona-Flächentest organisiert werden, als es einen positiven Fall bei einer Beerdigung gab. Die frühzeitige Information hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass es nicht zu größeren Corona-Ausbrüchen unter den Geflüchteten gekommen ist.

Eine besondere Herausforderung für das Integrationsmanagement stellen dem Bericht zufolge die steigenden Fallzahlen und die stetige Zunahme der Beratungsgespräche dar. Knapp 3.800 Beratungsgespräche hat das Kehler Team im ersten Halbjahr 2021 mit vier Vollzeitäquivalenten geleistet. Das ist eine Zunahme von gut 60 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Deutlich wird in dem Bericht aus Kehl auch, dass Integration ein Prozess ist, „der nicht nach zwei, drei oder fünf Jahren abgeschlossen ist, sondern sich über Jahrzehnte und in nachfolgende Generationen erstreckt", so Gerbendorf und ihr Team. „Diesen Prozess etwas zu beschleunigen und weniger kompliziert für beide Seiten zu gestalten", sehen die Kehler als Ihre Aufgabe an.

Materialien aus Kehl

Weitere Einzelheiten und Zahlen zum Kehler Integrationsmanagement finden in dem ausführlichen Bericht an den Gemeinderat sowie in der beigefügten Präsentation.

Bericht vom 17.11.2021 | Präsentation vom 17.11.2021

Link zum Kehler Integrationsmanagement-Team

Ansprechpartner

Wenn Sie uns ebenfalls ähnliche Informationen und Materialien zur Verfügung stellen können, sind wir sehr dankbar.

Kontakt: Dr. Jens Ridderbusch, FamilienForschung BW, jens.ridderbusch@stala.bwl.de