:: 128/2018

Pressemitteilung 128/2018

Stuttgart,

2,6 Billionen Euro Anlagevermögen in Baden-Württemberg

Modernitätsgrad rückläufig - aber über dem Durchschnitt der alten Bundesländer

Am Jahresende 2015 verfügte Baden-Württemberg über ein Bruttoanlagevermögen in Höhe von knapp 2 625 Milliarden (Mrd.) Euro. Damit waren im Südwesten Anlagegüter mit einem Neuwert von über 2,6 Billionen Euro für Produktionszwecke vorhanden. Preisbereinigt ist das Anlagevermögen nach Feststellung des Statistischen Landesamtes im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 % gestiegen. Insgesamt stellte Baden-Württemberg 15,2 % des gesamten zum Jahresende 2015 in Deutschland vorhandenen Anlagevermögens.

Der Kapitalstock bzw. das Anlagevermögen spielt als Produktionsfaktor eine wesentliche Rolle. In den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen umfasst das Anlagevermögen definitionsgemäß den Bestand aller produzierten Vermögensgüter, die länger als ein Jahr wiederholt oder dauerhaft in der Produktion eingesetzt werden. Es gliedert sich in Ausrüstungen (z.B. Fahrzeuge, Maschinen), sonstige Anlagen (wie Forschung und Entwicklung, Software) und Bauten (Wohn- und Nichtwohngebäude, sonstige Bauten). Gut 79 % des gesamten baden-württembergischen Bruttoanlagevermögens oder 2 080 Mrd. Euro entfielen auf die Bauten. Das Ausrüstungsvermögen (einschließlich sonstiger Anlagen) belief sich zum Jahresende 2015 auf 545 Mrd. Euro (knapp 21 %).

Mit dem vom Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder" berechneten Bruttoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen wird der Neuwert der Anlagegüter abgebildet. Während beim Bruttokonzept damit die im Zeitverlauf eintretende Wertminderung unberücksichtigt bleibt, werden beim Nettoanlagevermögen die seit dem Investitionszeitpunkt aufgelaufenen Abschreibungen abgezogen. Das Nettoanlagevermögen spiegelt somit den Zeitwert der Anlagegüter wider. Im Südwesten betrug der Wert des Nettoanlagevermögens zu Wiederbeschaffungspreisen Ende des Jahres 2015 1 482 Mrd. Euro.

Das Verhältnis von Netto- zu Bruttoanlagevermögen (jeweils zu Wiederbeschaffungspreisen) wird als Modernitätsgrad bezeichnet. Dieses Maß drückt aus, wie viele Prozent des Vermögens noch nicht abgeschrieben sind und gibt damit Aufschluss über den Alterungsprozess des Anlagevermögens. In Baden-Württemberg nahm der Modernitätsgrad, wie auch bundesweit, seit 1991 kontinuierlich ab. Waren im Jahr 1991 noch 64,4 % des produzierten Vermögens nicht abgeschrieben, so waren es 2015 nur noch 56,5 %. Allerdings lag der baden-württembergische Wert über dem Durchschnitt der anderen alten Länder (55,8 %). Nur Bayern wies 2015 mit 57,5 % einen günstigeren Erneuerungsgrad des Produktivvermögens auf. Auch die neuen Bundesländer verfügten durch den umfassenden Erneuerungsprozess der Anlagen nach der Wiedervereinigung über einen durchweg höheren Modernitätsgrad mit bis zu 62,5 % in Brandenburg.

Aufgrund des schnelleren Veraltens von Ausrüstungen weisen diese im Vergleich zum Bauvermögen einen merklich geringeren Modernitätsgrad auf. Dagegen ist beim Ausrüstungsvermögen (einschließlich sonstiger Anlagen) in Folge der kürzeren Nutzungsdauern und damit der Notwendigkeit von Ersatzinvestitionen in Baden-Württemberg für die Jahre ab 1999 auch ein Verjüngen der Ausstattung zu beobachten, wohingegen der Modernitätsgrad für Bauten im Zeitverlauf stetig abnahm. Jedoch besitzt eine "reife" Volkswirtschaft notwendigerweise einen größeren Anteil älterer Anlagen in ihrem Bestand.

Schaubild 1: Bruttoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen in Baden-Württemberg 1991 bis 2015
Schaubild 1: Bruttoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen in Baden-Württemberg 1991 bis 2015
Schaubild 2: Modernitätsgrad in Baden-Württemberg 1991 bis 2015
Schaubild 2: Modernitätsgrad in Baden-Württemberg 1991 bis 2015
Tabelle 1
Bruttoanlagevermögen und Modernitätsgrad in Baden-Württemberg 1991 bis 2015*)
JahrBruttoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen Modernitätsgrad
Ausrüstungen (einschl. sonstiger Anlagen) BautenAnlagen Ausrüstungen
(einschl. sonstiger Anlagen)
Bauten
Mrd. EUR%

*) Bruttoanlagevermögen, Bestand am Jahresende.

Datenquelle: Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder", Berechnungsstand August 2017.

199131090864,454,967,6
199232799064,154,767,2
19933381.05863,753,766,9
19943441.10563,152,766,4
19953491.15162,651,865,9
19963541.16962,051,165,3
19973591.19061,550,664,7
19983651.21061,050,464,2
19993711.22460,650,563,7
20003841.25360,350,763,2
20013961.27760,051,062,8
20024041.29759,650,962,4
20034081.31859,250,761,9
20044141.35658,950,761,4
20054201.38858,650,661,0
20064301.43958,450,960,6
20074441.54658,251,460,2
20084601.62158,151,859,9
20094651.66557,751,359,5
20104731.71057,451,259,1
20114861.78657,251,358,8
20125021.86557,151,558,6
20135141.94356,951,758,2
20145282.01356,651,757,9
20155452.08056,551,957,7
Schaubild 3: Modernitätsgrad 2015 nach Bundesländern
Schaubild 3: Modernitätsgrad 2015 nach Bundesländern
Tabelle 2
Modernitätsgrad im Jahr 2015 nach Bundesländern
BundeslandModernitätsgrad
%

Datenquelle: Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder", Berechnungsstand August 2017.

Brandenburg62,5
Mecklenburg-Vorpommern60,9
Thüringen60,5
Sachsen59,9
Sachsen-Anhalt59,6
Bayern57,5
Baden-Württemberg56,5
Deutschland 56,4
Rheinland-Pfalz56,4
Hamburg55,7
Niedersachsen55,5
Berlin55,3
Schleswig-Holstein55,2
Hessen54,9
Nordrhein-Westfalen54,3
Saarland53,1
Bremen51,8