:: 236/2018

Pressemitteilung 236/2018

Stuttgart,

Zum Erntedankfest: Ernte in Baden-Württemberg 2018

Gute Obst- und Weinernte, Getreideernte insgesamt zufriedenstellend – Körnermais mit deutlichen Abstrichen

Zum Erntedankfest gibt das Statistische Landesamt einen ersten umfassenden Überblick über die Erntemengen in Baden-Württemberg 2018. Nach einem langen, kühlen Frühjahr war das Jahr vor allem durch die Sommertrockenheit geprägt, deren Auswirkungen auf Getreide, Obst, Wein und Gemüse unterschiedlich waren. Die Getreideernte fiel in Baden-Württemberg mit insgesamt 2,87 Millionen (Mill.) Tonnen (t) Getreide (ohne Körnermais) im Jahr 2018 weitgehend zufriedenstellend aus. Trotz der langen Trockenperiode, die zu außergewöhnlich großen Unterschieden in den Erträgen führte, lag die Erntemenge zwar um 2 % unter dem Vorjahr, aber um 3 % über dem langjährigen Mittel von 2012 bis 2017.

Bei der anbaustärksten Getreideart Winterweizen wurden im Schnitt 7,7 Tonnen/Hektar (t/ha; 1 Tonne=1 000 kg) gedroschen, und damit insgesamt 1,6 Mill. t Winterweizen eingefahren. Der Vorjahresertrag (7,8 t/ha) wurde damit verfehlt, aber der Durchschnittsertrag der Jahre 2012/17 (7,4 t/ha) übertroffen. Bei der zweitwichtigsten Getreideart Wintergerste fällt der Flächenertrag mit 6,9 t/ha deutlich geringer aus als 2017, bleibt aber im Bereich des langjährigen Mittels. Winterroggen erreichte mit 5,4 t/ha ungefähr das Niveau des Vorjahres. Die vergleichsweise besten Druschergebnisse lieferten die Sommergetreidearten Hafer und Sommergerste. Insbesondere Sommergerste konnte mit 5,8 t/ha eines der besten Ergebnisse der letzten Jahre vorweisen. In Verbindung mit der im Vergleich zum Vorjahr deutlich ausgeweiteten Anbaufläche wird 2018 spürbar mehr Sommergerste (319 600 t; +9 %) aus heimischem Anbau zur Verfügung stehen. Auch bei Hafer befindet sich der Flächenertrag mit 5,6 t/ha weit über dem mehrjährigen Durchschnitt von 4,9 t/ha und könnte damit die reduzierte Anbaufläche ausgleichen (96 900 t; +8 %). Winterraps, als bedeutendste Ölfrucht bleibt mit rund 3,8 t/ha etwas hinter den Erträgen der Vorjahre zurück (2012/2017: 3,9 t/ha). Da die Anbaufläche zur Ernte 2018 leicht ausgeweitet wurde, befindet sich die Gesamterntemenge (194 000 t) über dem Vorjahresniveau.

Bei den Kartoffeln wurde das Knollenwachstum durch die Trockenheit gebremst und führte zu deutlichen Mindererträgen. Selbst auf bewässerten Flächen konnte die starke Sonneneinstrahlung nicht komplett kompensiert werden. Der Durchschnittsertrag von 36,8 t/ha liegt um 17 % unter dem Vorjahr und verfehlte das langjährige Mittel um 10 %. Noch nicht absehbar sind die Erntemengen bei Körnermais. Erste Prognosen weisen auf einen Durchschnittsertrag von 7,6 t/ha hin, das entspricht Ertragseinbußen von ungefähr einem Drittel gegenüber dem Vorjahr.

Die ersten, ausgesprochen erfreulichen Prognosen für die Apfelernte im Jahr 2018 müssen durch die anhaltende Trockenheit im Sommer voraussichtlich nach unten korrigiert werden. In Obstanlagen ohne Beregnungsmöglichkeit blieben die Früchte zu klein oder die Bäume reagierten mit verstärktem Fruchtfall. Nichtsdestotrotz können die Apfelanbauer im Land mit einer Erntemenge von 371 000 t Äpfel nach dem frostbedingten schlechten Erntejahr 2017 (112 945 t) zufrieden sein. Gut ein Drittel der geernteten Äpfel sind durch die drei Hauptsorten Elstar (51 400 t), Jonagold (44 800 t) und Gala (36 300 t) abgedeckt. Die Flächenerträge liegen bei den wichtigsten Apfelsorten deutlich über dem langjährigen Mittel aus den Jahren 2012 bis 2017. Die höchsten Erträge liefert voraussichtlich Jonagored (40,2 t/ha), gefolgt von Pinova (37,6 t/ha). Bei den kleinfrüchtigeren Sorten könnten Gala 30,9 t/ha und Elstar 26,0 t/ha erreichen. Auch die Süßkirschen übertrafen mit einem Durchschnittsertrag von 8,3 t/ha deutlich das langjährige Mittel (+ 44 %) und erreichten eine Erntemenge von 22 760 t. Sauerkirschen erreichten mit 8,2 t/ha ein vergleichbares Ergebnis, werden jedoch nur noch auf 277 ha angebaut.

Die Reben zeigten einmal mehr ihre Fähigkeit unter Trockenstress zu bestehen. Symptome für Wassermangel waren vor allem in Junganlagen und flachgründigen Standorten zu beobachten. Begünstigt durch die Witterung konnten die Anlagen auch weitgehend befallsfrei von Pilzerkrankungen und der Kirschessigfliege gehalten werden. Nach den vorläufigen Schätzungen der Ernteberichterstattung können mit voraussichtlich 2,5 Mill. Hektoliter (hl) Weinmost nach dem kleinen Jahrgang 2017 (1,8 Mill. hl) die Keller wieder gefüllt werden. Davon entfallen 46 % auf Weißmost und 54 % auf Rotmost. Über die Hälfte der Weinmostmenge (56 %) wird aus dem Weinanbaugebiet Baden stammen. Nicht nur die mengenmäßigen auch die qualitativen Ernteaussichten sind sehr gut.

Bereits früher im Jahr endete die kurze Spargelsaison 2018 durch die sommerlichen Temperaturen im April und Mai. Insgesamt wurden 10 600 t Spargel auf einer Fläche von gut 2 200 ha ertragsfähiger Anlagen gestochen. Der ermittelte Durchschnittsertrag lag mit 4,8 t/ha unter dem des Vorjahres (−7 %). Die Ausweitung der gesamten Spargelfläche um 5 % auf rund 2 900 ha ist insbesondere auf eine Aufstockung der Junganlagen auf ca. 700 ha (+ 23%) zurückzuführen.

Bei den Erdbeeren wurden im Freilandanbau auf knapp 2 200 ha ertragsfähiger Fläche 21 500 t der roten Früchte geerntet sowie im geschützten Anbau weitere 3 600 t auf rund 230 ha. Jeder Baden-Württemberger hätte somit in den Genuss von gut 2 Kilogramm (kg) heimischer Erdbeeren kommen können. Insgesamt wurden 2018 auf knapp 6 % weniger Fläche mehr Erdbeeren geerntet als im Vorjahr: Der Durchschnittsertrag liegt im Freilandanbau bei 10 t/ha (2017: 7,6 t/ha) und im Folientunnel bei 15,7 t/ha (2017: 14,7 t/ha).