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Statistisches Monatsheft November/Dezember 2021

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

unsere in diesem Jahr letzte Monatsheftausgabe widmet sich unter anderem der aktuellen Vorausberechnung der Schüler- und Schulabschlusszahlen in Baden-Württemberg bis 2030. Diese Analyse bildet nicht nur eine der Planungsgrundlagen für die Bildungspolitik, sondern ist auch für die Akteure auf dem Ausbildungsstellenmarkt von Interesse. Unter den zugrundeliegenden Annahmen, ist unter anderem von einem Anstieg der Schülerzahl an allgemeinbildenden Schulen bis zum Schuljahr 2030/31 auszugehen – von gut 1,095 Millionen im Schuljahr 2020/21 auf knapp 1,219 Millionen Schülerinnen und Schüler. Einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der Vorausberechnung liefert Dr. Rainer Wolf in unserem Titelbeitrag.

In der neuen Monatsheft-Reihe »Im statistischen Porträt« beleuchtet Simone Ballreich diesmal den an der Grenze zu Frankreich und in unmittelbarer Nähe zur Europahauptstadt Straßburg gelegenen Ortenaukreis. Er ist nicht nur der flächengrößte Landkreis Baden-Württembergs, sondern zeichnet sich neben der starken Wirtschaft mit Schwerpunkt im Produzierenden Gewerbe auch durch eine im Vergleich zum Landeswert überdurchschnittliche Kinderzahl je Frau mit zuletzt 1,67 Kindern aus. Auch sind überdurchschnittlich viele verheiratet. Die Reihe »Im statistischen Porträt« stellt die baden-württembergischen Kreise in unregelmäßiger Folge mit ihren verschiedenen statistischen Schwerpunkten vor.

Kommen Sie gesund durch die Weihnachtszeit und ins neue Jahr 2022.

Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse für Ihre Arbeit.

Dr. Anke Rigbers, Präsidentin

Steigende Schülerzahl an allgemeinbildenden Schulen – Trendwende an beruflichen Schulen

Vorausberechnung der Schüler- und Schulabschlusszahlen für allgemeinbildende und berufliche Schulen in Baden-Württemberg bis 2030

An allgemeinbildenden Schulen ist in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Schülerzahl zu rechnen. Bis zum Schuljahr 2030/31 könnte sie von gut 1,095 Millionen (Mill.) im Schuljahr 2020/21 auf knapp 1,219 Mill. Schülerinnen und Schüler zunehmen. Diese Entwicklung wird in unterschiedlichem Ausmaß alle Schularten betreffen. An den Grundschulen könnte die demografische Entwicklung ab dem Schuljahr 2029/30 aber wieder zu einer Trendumkehr und zu einer sinkenden Schülerzahl führen. Die beruflichen Schulen bekommen derzeit die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt zu spüren. Mittelfristig ist bis zum Schuljahr 2025/26 ein weiterer Rückgang der Schülerzahl von 407 800 auf 388 600 möglich. Erst danach dürfte der Trend steigender Schülerzahlen die beruflichen Schulen erreichen. Im Schuljahr 2030/31 könnten an ihnen 393 100 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Die Zahl der Abschlusszeugnisse, die eine Hochschulzugangsberechtigung eröffnen, könnte von 2020 bis 2030 um 4 % auf 59 900 zurückgehen. Ein ähnliches Ausmaß dürfte auch der Rückgang bei den mittleren Bildungsabschlüssen haben. Dagegen wird wohl im Vergleich zu 2020 die Zahl der Hauptschulabschlüsse bis 2030 leicht ansteigen.

Baden-Württembergs Handwerk – robust trotz Pandemie

Die Einschränkungen, welche die Corona-Pandemie mit sich brachte, haben im Wirtschaftsgeschehen des baden-württembergischen Handwerks 2020 sowie im 1. Halbjahr 2021 insgesamt betrachtet vergleichsweise wenige Spuren hinterlassen. Die Beschäftigung in den Handwerksunternehmen ging leicht zurück, während der Umsatz knapp über dem Vorjahresergebnis lag.

Insbesondere im 1. Halbjahr 2020 und damit zu Beginn der Corona-Pandemie und des ersten Lockdowns, mussten weite Teile der Wirtschaft deutliche Einbußen aufgrund der damals einsetzenden Beschränkungen hinnehmen. Das Verarbeitende Gewerbe beispielsweise verzeichnete im Wirtschaftsjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 6,3 % und auch im Gastgewerbe wurden empfindliche Umsatzeinbrüche von 36,1 % zum Vorjahr gemeldet. Dagegen verzeichnete das baden-württembergische Handwerk mit einem knappen Umsatzplus von 0,2 % eine vergleichsweise positive Entwicklung.

In der mittelfristigen Betrachtung von 2010 bis 2019 waren die Umsätze im baden-württembergischen Handwerk deutlich angestiegen, was bei einer stagnierenden Zahl der tätigen Personen zu einer entsprechenden Steigerung des Pro-Kopf-Umsatzes führte. Nach den Ergebnissen der Handwerkszählung bleiben die deutlichen Unterschiede im regionalen und brancheninternen Vergleich auch in 2019 weiterbestehen. Fraglich ist jedoch, ob und wie stark sich die Handwerksstruktur infolge der Corona-Pandemie ändern wird. Ein Indikator dürfte hier sicherlich die konjunkturelle Entwicklung sein, zu der Messzahlen für das Jahr 2020 und das 1. Halbjahr 2021 vorliegen.

Agrarstrukturwandel einmal näher betrachtet

Demografie – Personengesellschaften – Öko-Boom

Mit den Ergebnissen der Landwirtschafts­zählung 2020 liegen jetzt aktuelle Ergebnisse einer umfassenden Erhebung vor. Durch einzelbetriebliche Zusammenführung mit den Angaben aus den Großzählungen 1999 und 2010 lassen sich vertiefte Erkenntnisse zum Agrarstrukturwandel gewinnen. In diesem Beitrag geht es nun darum, einzelne Facetten des Agrarstrukturwandels näher zu beleuchten, um ein besseres Verständnis des strukturellen Wandels zu gewinnen, denn nicht immer zeigt das Offenkundige die ganze Wahrheit. Aus der Fülle möglicher Themen werden drei Aspekte näher untersucht: Wie wirkt die Demografie auf den Strukturwandel? Sind die kontinuierlich an Bedeutung gewinnenden Personengesellschaften eine stabile und verlässliche Größe? Wie verhält es sich mit den Öko-Betrieben, ist einmal Öko gleich immer Öko?

Umbruch der Viehhaltung im Land

Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 zum Viehbestand und den Tierhaltungsverfahren

Im Jahr 2010 stand die Hälfte des Milchkuhbestands Baden-Württembergs noch in Betrieben mit weniger als 50 Kühen – 10 Jahre später haben viele dieser Betriebe ihre Milchproduktion eingestellt und die verbliebenen hielten 2020 nur noch ein Viertel der Milchkühe des Landes. 2010 gab es im Südwesten lediglich neun Betriebe mit einer Milchkuhherde von über 200 Tieren – heutzutage sind es fast 100 Betriebe. Diese Zahlen der Milchviehhaltung sind beispielhaft für die Entwicklung in der Tierproduktion und könnten auch für die Rinder-, Schweinemast oder Zuchtsauenhaltung in ähnlicher Weise aufgezeigt werden. Um am Markt mit zumeist niedrigen Preisniveaus zu bestehen, gilt vor allem der Grundsatz des Wachstums um Skaleneffekte zu erreichen. Außerdem haben sich innerhalb der letzten 10 Jahren die Rinder-, Schweine- oder auch Geflügelbetriebe weiter spezialisiert. Das heißt, das Wachstum der Einzelbetriebe beschränkt sich häufig auf nur eine Tierart.

Neben dem Größenwachstum und der Spezialisierung sind durch die Ergebnisse der Landwirtschaftszählungen 2010 und 2020 auch Veränderungen bei den Haltungsverfahren festzustellen. In diesem Beitrag werden die Haltungsformen für die Tierarten Rinder, Schweine und Legehennen beleuchtet.

Investitionstätigkeit der Südwestindustrie bricht im Corona-Jahr 2020 erheblich ein

Die Investitionen der Südwestindustrie brachen im Jahr 2020 infolge der seit Beginn des Jahres 2020 weltweit getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus erheblich ein. Insbesondere die Investitionen in die konjunktursensiblen Ausrüstungsgüter verzeichneten gegenüber dem Vorjahr drastische Rückgänge. Die Indikatoren Investitionsintensität und Investitionsquote gingen deutlich zurück. Ein Rückgang der Investitionstätigkeit war im Jahr 2020 in fast allen Branchen zu beobachten. Nur wenige Branchen verzeichneten ein Investitionsplus. Die investitionsstärkste Industriebranche Baden-Württembergs, die »Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen«, erlebte im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr einen drastischen Rückgang des Investitionsvolumens. In der Regionalbetrachtung gingen im Jahr 2020 in elf der insgesamt zwölf Regionen Baden-Württembergs die Investitionen gegenüber dem Vorjahr 2019 zurück. Insbesondere in der dominierenden Region Stuttgart sank die Investitionstätigkeit im Vorjahresvergleich empfindlich ab. Lediglich die Region Ostwürttemberg verzeichnete ein Plus der Investitionen. Die äußerst konjunktursensiblen Mietinvestitionen verzeichneten einen Einbruch nie dagewesener Größenordnung.

Umweltökonomische Gesamtrechnungen der Länder

Statistische Informationen über Umwelt und Nachhaltigkeit

Die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen der Länder (UGRdL) beschreiben auf regionaler Ebene die Wechselbeziehungen zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten, privaten Haushalten und Umwelt sowie die Veränderungen zahlreicher Umweltbereiche. Sie stellen damit statistische Grundlagen für wichtige umweltrelevante Indikatoren bereit und unterstützen die Gestaltung, Beobachtung und Überprüfung umweltpolitischer Maßnahmen der Bundesländer.

Im statistischen Porträt: Der Ortenaukreis

Dieses statistische Porträt widmet sich dem an der Grenze zu Frankreich gelegenen Ortenaukreis. Die Rheinebene und der Schwarzwald prägen das äußerst vielfältige Landschaftsbild des flächengrößten Kreises Baden-Württembergs. Die starke Wirtschaft des Landkreises mit Schwerpunkt im Produzierenden Gewerbe profitiert auch von der unmittelbaren Nähe zur Europahauptstadt Straßburg in Frankreich.

Karte des Monats: Übernachtungsdichte 2020 und Entwicklung der Gäste-Übernachtungen 2000 bis 2020 in den Reisegebieten Baden-Württembergs

Mit der Karte des Monats werden regelmäßig besondere Themen kartografisch aufgegriffen.

Diese und viele weitere Karten stehen für Sie zum kostenlosen Download bereit oder können auf Wunsch auch als Poster in verschiedenen Größen bestellt werden.

Darüber hinaus bieten wir mit unserem interaktiven Kartenangebot auch die Möglichkeit, Karten verschiedener Themen der amtlichen Statistik nach eigenem Bedarf zusammenzustellen. Die interaktiven Karten greifen auf einen umfangreichen Datenpool für kartografische Analysen zurück. Sie sind ebenso in verschiedenen Dateiformaten zum kostenlosen Download verfügbar.

Gerne erstellen wir für Sie auch Karten auf Wunsch. Dazu steht uns das gesamte Datenangebot des Landesinformationssystems zur Verfügung. Wenden Sie sich für Ihre Bestellung oder weiterführende Informationen telefonisch (Sabine Maurer, +49 711 641-2836) oder per E-Mail an »Kartenbestellung« an uns.