:: 124/2022

Pressemitteilung 124/2022

Stuttgart,

Primärenergieverbrauch 2020 auf Niveau der 1980er Jahre gesunken

Endenergieverbrauch im Verkehrssektor um 12 % niedriger als im Vorjahr, in der Industrie um 5 %

Der Primärenergieverbrauch in Baden-Württemberg lag im Jahr 2020 nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Landesamtes bei rund 1 279 Petajoule und damit knapp 11 % unter dem Niveau des Vorjahres. Niedriger war der Energieverbrauch zuletzt im Jahr 1984. Die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. Im Jahr 2020 wirkte sich insbesondere die Corona-Pandemie auf die Energienachfrage im Land aus. Zudem wirkte sich auch die im Vergleich zu 2019 mildere Witterung verbrauchsmindernd aus.

Der Mineralölverbrauch Baden-Württembergs ging deutlich um 8 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Trotz des Rückgangs blieben die Mineralöle mit einem Verbrauch von 487 Petajoule auch 2020 weiterhin wichtigste Energieträger im Südwesten. Mit einem Minus von gut 4 % sank der Erdgasverbrauch auf gut 264 Petajoule. Sein Anteil am Primärenergieverbrauch lag damit bei rund 21 %.

Der Verbrauch von Kernenergie ist im Jahr 2020 aufgrund der Stilllegung des Kernkraftwerks Philippsburg 2 am 31. Dezember 2019 um gut 47 % auf 121 Petajoule zurückgegangen. Ihr Anteil am baden-württembergischen Primärenergieverbrauch verringerte sich damit auf gut 9 %.

Erneut kräftig gesunken ist der Steinkohleverbrauch, der im Jahr 2020 einen historischen Tiefstand erreichte. Mit einem Rückgang von über 22 % deckte die Steinkohle nur noch knapp 7 % des Primärenergiebedarfs im Land. Der deutliche Rückgang ist, neben der geringeren Stromnachfrage infolge der Corona-Pandemie und dem daraus resultierenden geringeren Einsatz in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung, unter anderem auch auf den zunehmenden Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor und deren vorrangige Einspeisung sowie die günstigen Gaspreise zurückzuführen.

Erneuerbare legen zu

Ein Verbrauchszuwachs zeigte sich dagegen bei den erneuerbaren Energieträgern (+3 %). Mit 218 Petajoule deckten sie 17 % des Primärenergieverbrauchs. Die regenerativen Energieträger standen damit erstmals an dritter Position im Primärenergieträgermix (hinter den Mineralölen und Erdgas).

Aufgrund der gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunkenen Stromerzeugung in Baden-Württemberg (−22 %), wurde 2020 deutlich mehr Strom per Saldo aus anderen Bundesländern und dem Ausland eingeführt. Insgesamt stiegen die Nettostrombezüge in Baden-Württemberg um gut 43 % gegenüber 2019. Ebenfalls gestiegen ist der Braunkohleverbrauch (+12 %) sowie der Primärenergieverbrauch der sonstigen Energieträger (+1 %).

Endenergieverbrauch 6 % niedriger als im Vorjahr

Der Endenergieverbrauch Baden-Württembergs ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um knapp 6 % auf 1 022 Petajoule gesunken. Bedingt durch die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ging die Produktion der Industriebetriebe1 (gemessen am Produktionsindex) insgesamt um gut 9 % zurück. Der Produktionseinbruch wirkte sich auch auf den Energieverbrauch der Industriebetriebe aus, die 2020 etwa 5 % weniger Endenergie benötigten als 2019. Überdurchschnittlich stark ging der Verbrauch in den von den Produktionsrückgängen besonders betroffenen und zum Teil auch energieintensiven Branchen zurück. So wurde beispielsweise in der »Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen« 14 %, bei der »Herstellung von Metallerzeugnissen« 10 % und im Maschinenbau 8 % weniger Energie verbraucht als 2019.

Kraftstoffverbrauch sinkt in Folge der Corona-Pandemie

Im Verkehrssektor war der Verbrauchsrückgang gegenüber dem Vorjahr mit über 12 % besonders hoch. Dies ist auf die deutlich gesunkene Nachfrage nach Kraftstoffen zurückzuführen. So ging der Verbrauch an Dieselkraftstoff in Baden-Württemberg um 11 % zurück. Mit rund 173 Petajoule lag der Dieselkraftstoffverbrauch nach wie vor annähernd doppelt so hoch wie der der Ottokraftstoffe, deren Verbrauch gegenüber 2019 um 14 % sank. Der Verbrauch an Flugturbinenkraftstoff ist sogar um rund 61 % eingebrochen.

Haushalte und sonstige Kleinverbraucher verbrauchen rund die Hälfte der Endenergie

Die Haushalte und sonstigen Kleinverbraucher, zum Beispiel aus Handel und Gewerbe, verbrauchten insgesamt 2 % weniger Energie als im Jahr 2019. Mit 524 Petajoule wurde in diesem Sektor 2020 gut die Hälfte der Endenergie im Land verbraucht. Auf den Verkehrssektor entfielen 29 %, auf die Industrie die übrigen 20 %.

1 Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes, einschließlich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden

Tabelle 1
Primärenergieverbrauch in Baden-Württemberg 2019 und 2020 nach Energieträgern*)
Energieträger201920201)Veränderung
2020 gegenüber 2019
Anteile
201920201)
Petajoule%

*) Die Energieverbrauchswerte enthalten teilweise Schätzungen, insbesondere bei den Energieträgern Mineralöle und Mineralölprodukte.

1) Vorläufige Ergebnisse.

2) Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie, Biomasse, Klärgas, Deponiegas, sonstige erneuerbare Energieträger.

Datenquelle: Energiebilanzen für Baden-Württemberg, Stand: Frühjahr 2022.

Steinkohle11287−25−22,47,86,8
Braunkohle77+1+12,40,50,6
Mineralöle528487−41−7,836,838,1
Erdgas276264−12−4,219,220,7
Kernenergie229121−108−47,116,09,5
Nettostrombezüge5477+23+43,33,86,0
Erneuerbare Energieträger2)212218+6+2,914,817,0
Sonstige Energieträger1717+0+1,01,21,3
Insgesamt1.4341.279−155−10,8100,0100,0
Tabelle 2
Endenergieverbrauch in Baden-Württemberg 2019 und 2020 nach Verbrauchssektoren*)
Verbrauchssektor201920201)Veränderung
2020 gegenüber 2019
Anteile
201920201)
Petajoule%

*) Die Energieverbrauchswerte enthalten teilweise Schätzungen, insbesondere bei den Energieträgern Mineralöle und Mineralölprodukte.

1) Vorläufige Ergebnisse.

2) Einschließlich Gewinnung von Steinen und Erden.

Datenquelle: Energiebilanzen für Baden-Württemberg, Stand: Frühjahr 2022.

Haushalte und sonstige Verbraucher535524−11−2,049,351,3
Verkehr334292−41−12,430,828,6
Bergbau und
Verarbeitendes Gewerbe2)
216206−10−4,819,920,1
Insgesamt1.0851.022−62−5,8100,0100,0
Tabelle 3
Endenergieverbrauch im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe*) in Baden-Württemberg 2019 und 2020
nach Wirtschaftszweigen
WZ 2008Wirtschaftszweig
(H.v. = Herstellung von)
201920201)Veränderung
2020 gegenüber 2019
Anteile
201920201)
Petajoule%

*) Einschließlich Gewinnung von Steinen und Erden.

1) Vorläufige Ergebnisse.

Datenquelle: Energiebilanzen für Baden-Württemberg, Stand: Frühjahr 2022.

B
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden 2,32,2−0,1−4,41,11,1
CVerarbeitendes Gewerbe214,0203,7−10,3−4,898,998,9
10H.v. Nahrungs- und Futtermitteln15,615,3−0,3−2,07,27,4
13H.v. Textilien1,91,5−0,4−21,10,90,7
16
H.v. Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)6,57,5+1,1+16,33,03,7
17
H.v. Papier, Pappe und Waren daraus30,630,0−0,6−1,914,114,6
20H.v. chemischen Erzeugnissen14,714,5−0,2−1,36,87,0
22H.v. Gummi- und Kunststoffwaren10,610,1−0,6−5,34,94,9
23
H.v. Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung v. Steinen u. Erden28,628,6+0,0+0,213,213,9
24Metallerzeugung und -bearbeitung15,314,4−0,9−5,87,17,0
25H.v. Metallerzeugnissen19,417,4−2,0−10,49,08,4
26

H.v. Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen
Erzeugnissen
3,63,5−0,1−2,21,71,7
28Maschinenbau19,918,4−1,5−7,89,28,9
29
H.v. Kraftwagen und Kraftwagenteilen27,023,3−3,7−13,812,511,3
Übrige Wirtschaftsabteilungen20,219,2−1,1−5,29,49,3
B, CInsgesamt216,3205,9−10,4−4,8100,0100,0