:: 5/2018

Statistisches Monatsheft Mai 2018

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

von 3 auf 11 Millionen! – seit September 2017 leben in Baden‑Württemberg erstmals mehr als 11 Millionen Menschen. Vor allem die Region Stuttgart und der Rhein‑Neckar-Raum weisen eine hohe Bevölkerungsdichte auf. Im Jahr 1871 lag die Einwohnerzahl auf dem Gebiet des heutigen Baden‑Württembergs erst bei etwa 3,35 Millionen. Weitere Fakten zur Bevölkerungsentwicklung in den letzten 150 Jahren beleuchtet Werner Brachat-Schwarz in unserem Titelbeitrag.

Wichtigster Handelspartner für Baden‑Württemberg im Jahr 2017 war die sogenannte Visegrád-Gruppe, bestehend aus einer losen Kooperation der vier mitteleuropäischen Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Der größte Teil des Handelsvolumens liegt vor allem bei Maschinen, elektrischen Ausrüstungen, Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Mehr dazu im Beitrag von Ursula Bauer-Hailer und Annette Schnetz-Geßler.

Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse für Ihre Arbeit.

Dr. Carmina Brenner, Präsidentin

Von 3 auf 11 Millionen!

Zur Bevölkerungsentwicklung auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württembergs in den vergangenen 150 Jahren

Baden-Württemberg ist abwechslungsreich – und das nicht nur in landschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht. Die Vielfalt betrifft vielmehr auch die Besiedelung des Landes. So sind heute vor allem die Region Stuttgart und der Rhein-Neckar-Raum um Mannheim/Heidelberg sehr dicht bevölkert, während Teile des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb sowie der Nordosten des Landes eine relativ geringe Bevölkerungsdichte aufweisen. Diese großen Unterschiede bestanden nicht immer. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung relativ gleichmäßig über das Land verteilt.

Vor diesem Hintergrund soll im folgenden Beitrag die Bevölkerungsentwicklung auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg in den vergangenen knapp 150 Jahren beleuchtet werden. Im Vordergrund steht hierbei die Frage, wie sich die Besiedelung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den einzelnen Perioden landesweit, aber vor allem auch innerhalb des Landes verändert hat.

Wanderungen: Es kommt (auch) auf die Größe an

In den vergangenen Jahren gab es relativ wenig Veränderung der Geburten- und Sterbefallentwicklung in Baden-Württemberg. Die Dynamik der Bevölkerungsentwicklung entsteht daher im Wesentlichen aus den Wanderungsbewegungen. Zu- und Fortzüge unterscheiden sich zwischen verschiedenen Jahren häufig deutlich. Nichtsdestotrotz sind langfristige Trends erkennbar. In den vergangenen 10 Jahren hatten größere Gemeinden durchschnittlich relativ größere Nettozuwanderungen als kleinere. Dementsprechend sind größere Gemeinden tendenziell stärker durch das Wanderungsgeschehen geprägt. Aber es gibt Ausnahmen.

Erfolgsmodell Duale Hochschule Baden-Württemberg

Jobgarantie, hoher Praxisbezug und ausgezeichnetes Einkommen – Ergebnisse aus den Absolventenbefragungen von 2012 bis 2017

Die Absolventinnen und Absolventen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) gliedern sich meist problemlos ins Berufsleben ein und verfügen mit entsprechend Berufserfahrung über ein überdurchschnittliches Einkommen. Als Grundstein gilt dabei das Studiensystem (i-Punkt Duale Hochschule Baden-Württemberg), bei dem die Absolventinnen und Absolventen abwechselnd in Theoriephasen an der Hochschule und in Praxisabschnitten bei einem Dualen Partner sind. Sieben von zehn Absolventinnen und Absolventen befanden sich dabei nach Abschluss des Studiums überhaupt nicht auf Stellensuche, da sie von ihrer Ausbildungsstätte übernommen wurden oder ein weiteres Studium absolvierten. Das belegen die Zahlen der Absolventenbefragungen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, die bereits seit 2012 vom Statistischen Landesamt durchgeführt werden.

Die Visegrád-Gruppe ist Baden-Württembergs wichtigster Handelspartner

Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei haben vor über einem Vierteljahrhundert die Visegrád-Gruppe (V4) gegründet. Das damalige Hauptziel – der EU-Beitritt der Staaten – ist seit dem 1. Mai 2004 erreicht. Seitdem führte das lose Bündnis eher ein Schattendasein, bis die Bewältigung der Flüchtlingskrise diese vier Staaten wieder enger zusammenrücken ließ. Die V4 haben seit ihrem EU-Beitritt im Jahr 2004 erheblich an wirtschaftlicher Stärke und Bedeutung gewonnen. So lagen von den 15 Ländern der europäischen Union, die ihre reale Wirtschaftsleistung im Jahr 2017 um mindestens 3 % steigern konnten, zehn im Osten der Gemeinschaft. Dazu gehörten auch die V4-Länder, deren reales Bruttoinlandsprodukt 2017 mit 4,3 % gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich stark zunahm. Die Visegrád-Gruppe war im Jahr 2017 der mit Abstand wichtigste Handelspartner Baden-Württembergs. Der folgende Beitrag beleuchtet die wirtschaftlichen Verflechtungsbeziehungen mit dieser aufstrebenden Region.

Analyse der baden-württembergischen Exporte anhand eines ökonomischen Gravitationsmodells

Die baden-württembergische Wirtschaft ist in hohem Maße exportorientiert und damit auch exportabhängig. So beliefen sich die Ausfuhren allein im Jahr 2016 auf ein Gesamtvolumen von knapp 191 Mrd. Euro. Zudem hat die Bedeutung der Warenexporte für die Wirtschaftsentwicklung des Landes in den zurückliegenden Jahren deutlich zugenommen. Während der Anteil der Exporte an der gesamten Wirtschaftsleistung beispielsweise vor 20 Jahren lediglich knapp ein Viertel betrug, erhöhte sich die Exportquote bis zum Jahr 2016 schrittweise auf nunmehr 40 %.

Da baden-württembergische Unternehmen weltweit Handelsbeziehungen pflegen, entfiel das angesprochene Gesamtvolumen der Exporte im Jahr 2016 auf insgesamt 223 verschiedene Bestimmungsländer. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des vorliegenden Beitrags, die regionale Struktur der baden-württembergischen Exporte genauer zu untersuchen. Anhand eines ökonomischen Gravitationsmodells wird insbesondere der Frage nach den Erklärungsfaktoren für die unterschiedliche Höhe der Ausfuhren in die jeweiligen Zielländer nachgegangen.

Erhebungen und Systematik in den Baugewerbestatistiken

Der Beitrag beschreibt den Stand der Erhebungspraxis in den Baugewerbestatistiken aus baden-württembergischer Sicht. Zunächst wird das Baugewerbe wirtschafts­zweigsystematisch eingeordnet und die Erstellung des Berichtskreises aus dem statistischen Unternehmensregister gestreift. Danach wird auf die einzelnen Erhebungen und auf die Betriebsgrößenstruktur sowohl des Bauhaupt- als auch des Ausbaugewerbes eingegangen.

Das Mixmodell, das neben erhobenen Daten auch Verwaltungsdaten verarbeitet, liefert für das gesamte Bauhaupt- und Ausbaugewerbe Messziffern und Veränderungsraten. Das Spannungsfeld zwischen differenziertem Datenbedarf einerseits und möglichst geringer Belastung der zur Auskunft Verpflichteten andererseits durchzieht den gesamten Beitrag und wird auch zukünftig auf der Agenda der Baugewerbestatistik bleiben.

Ergebnisse der Vierteljährlichen Verdiensterhebung 2017 in Baden-Württemberg

Die Verdienste der Beschäftigten sind 2017 gestiegen, aber es gibt Unterschiede in den Branchen, nach Qualifikation und Geschlecht

Das Jahr 2017 brachte für die Beschäftigten in Baden-Württemberg eine Steigerung der Verdienste gegenüber 2016. Der Nominallohn stieg um 2,4 %, der Reallohn um 0,6 %. Im Durchschnitt erhalten männliche vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer im Wirtschaftszweig Information und Kommunikation und in der Energieversorgung die Spitzenverdienste von über 5 000 Euro monatlich. Die Arbeitnehmerinnen im Gastgewerbe stehen am unteren Ende der Verdienstliste. Sie sind in Vollzeit für einen Bruttomonatslohn von rund 2 000 Euro angestellt und erhalten damit 60 % weniger als die Spitzenverdiener.

Regionale Gliederung in den Ländern und ihre Entwicklung 1990 bis 2017

Im folgenden Beitrag wird dargestellt, welche Entwicklungen und Veränderungen der Kommunal- und Regionalstruktur in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland sich binnen einer Generation vom Ende des Jahres 1990, also kurz nach der Wiedervereinigung, bis zum 31. März 2017 vollzogen haben. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Kommunen: Gemeinden, kreisfreie Städte, Landkreise und weitere Gemeindeverbände. Ergänzend wird auch über die Entwicklung der Zahl der Regierungsbezirke als staatlicher Gliederungsebene berichtet. Die aktuelle Territorialgliederung des Bundesgebiets verdeutlicht bis auf die Ebene der kreisfreien Städte und Landkreise die Karte. Wichtigste Datengrundlage ist das Gemeindeverzeichnis-Informationssystem (GV-ISys), das von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder gepflegt und herausgegeben wird. Die Informationen aus diesem Verzeichnis wurden ergänzt durch Daten, die vor allem in den Internetangeboten der Statistischen Ämter der Länder enthalten sind.