:: 171/2020

Pressemitteilung 171/2020

Stuttgart,

Baden-Württemberg: Annähernd 1 700 »Hitzetote« im Sommer 2019

Statistisches Landesamt legt Schätzergebnisse zur Zahl der Sterbefälle seit dem Jahr 2000 aufgrund hoher Temperaturen vor

In Baden-Württemberg sind im Sommer 2019 knapp 1 700 Menschen aufgrund hoher Temperaturen verstorben. Damit waren 6,3 % der rund 26.400 Sterbefällen in den Sommermonaten Juni, Juli und August des vergangenen Jahres durch »Hitze« mitverursacht. Dies ergab eine vom Statistischen Landesamt für den Zeitraum 2000 bis 2019 durchgeführte Analyse zur Ermittlung der Sterbefälle, bei denen Wärmebelastung eine Rolle gespielt hat (vgl. methodischer Ansatz).

Von den knapp 1 700 Todesfällen des vergangenen Jahres aufgrund hoher Temperaturen entfielen über 400 auf den Juni, rund 700 auf den Juli und etwas mehr als 500 auf den Sommermonat August. In allen drei Monaten lag die Durchschnittstemperatur jeweils über dem langjährigen Durchschnitt.1

Erwartungsgemäß wurde bisher für den »Jahrhundertsommer 2003« die höchste Zahl an hitzebedingten Sterbefällen ermittelt, nämlich annähernd 2 700; davon entfielen allein 1 800 auf den August 2003. Dieser Monat war – gemessen an der Durchschnittstemperatur – der zweitwärmste Monat seit Bestehen des Landes (21,7 Grad).2 Ebenfalls sehr hoch lag die Zahl der »Hitzetoten« vor allem im August 2018 mit knapp 1 500. Damals lag die Durchschnittstemperatur bei 20,0 Grad und damit um immerhin 2,6 Grad über dem langjährigen Durchschnitt.3 Der August 2018 war somit der zweitheißeste August seit Bestehen des Landes.

Für die in den einzelnen Jahren unterschiedliche Zahl an hitzebedingten Todesfällen sind nicht allein die Temperaturen verantwortlich. Vielmehr haben hierfür unter anderem auch die Luftfeuchtigkeit und die Windverhältnisse einen entscheidenden Einfluss. Ob Menschen aufgrund einer Wärmebelastung sterben, hängt auch von individuellen Risikofaktoren ab. Hierzu zählen insbesondere ein höheres Alter sowie Vorerkrankungen (z. B. chronische Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen).

Sterbefälle, bei denen Wärmebelastung eine Rolle gespielt hat, können in fast allen Todesursachengruppen vermutet werden. Todesursachen, die bei Hitze besonders zunehmen, sind insbesondere in den Bereichen »Krankheiten des Kreislaufsystems«, »Psychische und Verhaltensstörungen« sowie »Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten« zu finden. Zu den psychischen und Verhaltensstörungen gehört die Todesursache »Demenz«. Betroffen sind in der Regel hochbetagte Menschen, die häufig unter weiteren Erkrankungen leiden und bei denen erkrankungsbedingt das Durstempfinden gestört sein kann.

Mit welcher künftigen Entwicklung ist bei der Zahl der hitzebedingten Sterblichkeit zu rechnen? Da auch in den kommenden Jahrzehnten von weiter steigenden Temperaturen auszugehen ist, sind diesbezüglich höhere Sterbefallzahlen zu erwarten. Hinzu kommt, dass auch demografisch bedingt von mehr Todesfällen auszugehen ist: Die Zahl der von Gesundheitsrisiken durch Hitze besonders betroffenen älteren Menschen wird nämlich aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung und einer wohl weiter steigenden Lebenserwartung in den kommenden Jahrzehnten zunehmen.

Allerdings bedeutet der mit dem Klimawandel einhergehende Temperaturanstieg nicht zwangsläufig, dass es tatsächlich zu mehr hitzebedingten Sterbefällen kommen muss. Zum einen ist davon auszugehen, dass sich die Bevölkerung besser auf Hitze einstellen wird, beispielsweise durch den verstärkten Einbau von Klimaanlagen. Zum anderen werden zunehmend längerfristige Anpassungsstrategien von staatlicher Seite an steigende Temperaturen verfolgt, die nicht zuletzt eine klimagerechte Stadtplanung (z. B. durch den Erhalt von Freiflächen und Parkanlagen sowie von Frischluftflächen) zum Ziel haben.

1 Die Durchschnittstemperatur lag im Juni 2019 in Baden-Württemberg mit 19,0 Grad um 3,1 Grad über der des Referenzzeitraums 1981 bis 2010; im Juli lag sie bei 19,4 Grad (+1,4 Grad) und im August bei 18,5 Grad (+1,2 Grad); Datenquelle: Deutscher Wetterdienst.

2 Datenquelle: Deutscher Wetterdienst.

3 Referenzzeitraum: 1981 bis 2010.

Schaubild 1: Wärmebedingte Sterbefälle in den Sommermonaten in Baden-Württemberg seit 2000
Schaubild 1: Wärmebedingte Sterbefälle in den Sommermonaten in Baden-Württemberg seit 2000
Tabelle 1
Wärmebedingte Sterbefälle in den Sommermonaten
in Baden-Württemberg seit 2000*)
JahrWärmebedingte Sterbefälle
JuniJuli Augustzusammen
Anzahl

*) Modellrechnung des Statistischen Landesamtes auf Basis der Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung.

Datenquelle: Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung.

20004091946621.265
20012845076941.485
20026922212691.182
20035343581.7972.688
2004316242407965
20055963914731.460
20066948504862.030
20073164342901.041
2008159329471958
2009313128342783
20103346015281.463
2011951668531.113
201265304479848
20134815213761.379
20142333945521.179
20152051.0966491.949
20163022865781.166
20172594476461.352
2018834111.4781.972
20194386975381.673