:: 211/2021

Pressemitteilung 211/2021

Stuttgart,

Baden-Württemberg: Scheidungshäufigkeit geht leicht zurück

Dennoch: Knapp 40 % der Ehen werden geschieden

Im vergangenen Jahr wurden in Baden-Württemberg 18 081 Ehen geschieden, darunter 102 von gleichgeschlechtlichen Paaren. Damit ist die Zahl der Ehescheidungen nach Angaben des Statistischen Landesamtes gegenüber dem Jahr 2019 um knapp 5 % zurückgegangen.1 Im Vergleich zu 1980 lag aber deren Zahl im vergangenen Jahr um rund 40 % höher. Ähnlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der von einer Scheidung betroffenen Kinder entwickelt (Schaubild 1).

Am häufigsten war im Jahr 2020 eine Scheidung im 6. Ehejahr (870).2 Am zweithäufigsten wurden Ehen im »verflixten« 7. Ehejahr geschieden (869), gefolgt vom 9. Ehejahr (860).

Die durchschnittliche Ehedauer aller im Jahr 2020 geschiedenen Ehen lag ähnlich wie in den Vorjahren bei knapp 16 Jahren, wobei aber Ehescheidungen auch nach einer verhältnismäßig langen Zeit des Zusammenlebens keine Einzelfälle waren: So hatten Paare bei jeder sechsten der im vergangenen Jahr geschiedenen Ehen das Jubiläum der Silberhochzeit bereits hinter sich. Bei 350 Ehepaaren erfolgte die Scheidung im Jahr des 25-jährigen Ehejubiläums, bei immerhin 5 Paaren im Jahr der »goldenen Hochzeit«.

In den vergangenen Jahrzehnten ist mit jedem jüngeren Heiratsjahrgang die Scheidungshäufigkeit angestiegen: Vom Heiratsjahrgang 1960 wurden etwa 15 % der seinerzeit geschlossenen Ehen geschieden. Für den Heiratsjahrgang 1970 traf dieses Schicksal auf jedes vierte Ehepaar zu, für den Jahrgang 1980 bereits auf jede dritte Ehe. Von den Paaren, die 1995 den Bund der Ehe eingingen, waren bis zum Jahr 2020 – also nach 25 Ehejahren – bereits 36 % geschieden. Die Prognose für diesen Heiratsjahrgang läuft auf eine Scheidungshäufigkeit von annähernd 40 % hinaus (Schaubild 2).3 Damit hat sich die Scheidungshäufigkeit jüngerer Heiratsjahrgänge im Vergleich zu den Ehen aus den 1960er-Jahren mehr als verdoppelt.

Für jüngere Heiratsjahrgänge deutet aber eine Auswertung der Ehescheidungen darauf hin, dass die Ehen in den letzten Jahren wieder etwas stabiler geworden sind: So wurden beispielsweise von den im Jahr 2005 geschlossenen Ehen bislang »nur« 25 % geschieden – für die Heiratsjahrgänge 1995 und 2000 lag der entsprechende Anteil nach den ersten 15 Ehejahren dagegen bei jeweils 27 %.

In regionaler Hinsicht zeigen sich Unterschiede im Scheidungsverhalten, die aber relativ gering ausfallen. Die wenigsten Ehen wurden zuletzt in den Regionen Donau-Iller, Heilbronn-Franken und Ostwürttemberg geschieden: Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 20204 kamen in diesen württembergischen Regionen jeweils 71 bzw. 72 Ehescheidungen auf 10 000 Ehen (Schaubild 3). Am höchsten war diese sogenannte spezifische Scheidungsziffer (vgl. Hinweis) in den badischen Regionen Rhein-Neckar und Hochrhein-Bodensee mit jährlich 81 bzw. 78 Ehescheidungen bezogen auf 10 000 Ehen.

Darüber, weshalb die Scheidungshäufigkeit im württembergischen Landesteil etwas geringer als in Baden ist, können lediglich Vermutungen angestellt werden. Ein möglicher Erklärungsansatz ist, dass gemeinsame Kinder die Scheidungshäufigkeit mindern; in württembergischen Regionen sind Haushalte mit Kindern etwas häufiger als in den meisten badischen.5 Ein weiterer Grund könnte sein, dass Ehen mit Wohneigentum – wie ebenfalls aus der Familiensoziologie bekannt – seltener geschieden werden; in den württembergischen Regionen ist die Eigentümerquote tendenziell höher als in Baden. Schließlich könnte auch die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung mitentscheidend sein: Ehen, in denen beide Partner erwerbstätig sind, werden häufiger geschieden als Ehen, in denen die Frau nicht berufstätig ist.

1 Möglicherweise spielten für diesen Rückgang auch coronabedingte Verzögerungen bzw. Verschiebungen der Scheidungsverfahren vor den Familiengerichten eine Rolle.

2 Die Ehedauer ergibt sich statistisch aus der Differenz zwischen dem Jahr der Eheschließung und dem Jahr, in dem das Scheidungsurteil rechtskräftig wird. Da die Scheidung in den meisten Fällen erst nach einer einjährigen Trennungszeit ausgesprochen wird, sind Ehen faktisch bereits im 5. Ehejahr am häufigsten zerbrochen.

3 Diese Ergebnisse bilden eher eine Untergrenze der jeweils ermittelten Scheidungshäufigkeit ab, da aus Gründen der zeitlichen Vergleichbarkeit nur die Ehescheidungen mit einer Ehedauer von bis zu 30 Jahren und damit beispielsweise im Berichtsjahr 2020 lediglich 92 % aller Ehescheidungen berücksichtigt wurden.

4 Da die Zahl der Scheidungen vor allem in den kleineren Regionen im Zeitablauf zum Teil nicht unerheblich schwankt, wurde ein Durchschnitt aus vier Jahren gebildet.

5 Ausnahme: Auch der Nordschwarzwald zählt zu den Regionen mit dem höchsten Anteil an Privathaushalten mit Kindern.

Schaubild 1: Zahl der Ehescheidungen und der von Scheidungen betroffenen Kinder in Baden-Württemberg seit 1980
Schaubild 1: Zahl der Ehescheidungen und der von Scheidungen betroffenen Kinder in Baden-Württemberg seit 1980
Tabelle 1
Ehescheidungen und von Scheidung betroffene minderjährige Kinder in Baden-Württemberg seit 1980*)
JahrEhescheidungenDurch Scheidung betroffene Kinder
Anzahl

*) Ab 2019 einschließlich Ehescheidungen von gleichgeschlechtlichen Paaren

Datenquelle: Statistik der gerichtlichen Ehelösungen.

198012.89911.583
198114.00611.959
198214.73612.312
198315.63212.885
198416.25213.067
198515.97112.558
198615.27811.439
198716.75512.683
198817.19012.947
198916.92812.588
199016.66912.470
199117.19313.181
199217.26113.777
199319.08515.688
199419.91016.458
199519.92117.104
199620.75817.946
199721.57319.506
199821.83319.376
199921.69718.125
200022.05019.158
200122.73619.609
200223.70020.635
200325.04621.867
200425.12921.965
200523.85420.416
200622.68619.972
200722.14519.172
200822.79219.573
200922.10018.840
201021.95818.181
201123.11319.002
201222.20618.137
201320.93317.200
201420.32816.451
201519.90315.985
201619.66415.673
201718.35614.560
201818.34414.586
201918.95615.192
202018.08114.680
Schaubild 2: Scheidungshäufigkeit ausgewählter Heiratsjahrgänge in Baden-Württemberg seit 1960
Schaubild 2: Scheidungshäufigkeit ausgewählter Heiratsjahrgänge in Baden-Württemberg seit 1960
Tabelle 2
Scheidungshäufigkeit ausgewählter Heiratsjahrgänge in Baden-Württemberg seit 1960
Heirats­jahrgang Anteil der geschiedenen Ehen an allen Ehen1)
%

1) Bei Berücksichtigung der Ehescheidungen bis zu einer Ehedauer von 30 Jahren; für den Heiratsjahrgang 1995

wurden die fehlenden Ehejahre anhand der aktuellen Scheidungsverhältnisse fortgeschrieben.

Datenquelle: Statistik der gerichtlichen Ehelösungen.

196015
197025
198034
199539
Schaubild 3: Spezifische Scheidungsziffer in den Regionen Baden-Württembergs 2017 bis 2020
Schaubild 3: Spezifische Scheidungsziffer in den Regionen Baden-Württembergs 2017 bis 2020
Tabelle 3
Ehescheidungen in den Regionen Baden-Württembergs 2017 bis 2020*)
Region
Land
EhescheidungenSpezifische Scheidungsziffer
2017 – 20201)
2017201820192020
Anzahl

*) Ohne Ehescheidungen von gleichgeschlechtlichen Paaren.

1) Jahresdurchschnittliche Zahl der Ehescheidungen je 10.000 bestehende Ehen.

Datenquelle: Statistik der gerichtlichen Ehelösungen.

Stuttgart 4.2924.6464.7504.43773,8
Heilbronn-Franken1.5191.5221.5141.48171,9
Ostwürttemberg67372684073172,4
Mittlerer Oberrhein1.8831.6581.6921.77076,4
Rhein-Neckar2.0661.9082.0301.96481,1
Nordschwarzwald1.0951.0721.01499575,0
Südlicher Oberrhein1.8581.8291.8111.72877,0
Schwarzwald-Baar-Heuberg82980092080473,8
Hochrhein-Bodensee1.2061.1971.2211.11277,7
Neckar-Alb1.0941.1471.2081.12873,1
Donau-Iller81480187081170,7
Bodensee-Oberschwaben1.0271.0381.0731.01873,2
Baden-Württemberg18.35618.34418.94317.97975,0