:: 276/2021

Pressemitteilung 276/2021

Stuttgart,

Nominallöhne im Land im 2. Quartal 2021 um 7,1 % gestiegen

Reallöhne bei steigenden Verbraucherpreisen mit 4,6 % im Plus

Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes haben sich die Nominallöhne (Bruttomonatsverdienste inkl. Sonderzahlungen) der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Baden-Württemberg im 2. Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,1 % erhöht. Die Verbraucherpreise legten im gleichen Zeitraum um 2,3 % zu, so dass der Anstieg der preisbereinigten Reallöhne im 2. Quartal 2021 bei 4,6 % lag. Mit diesem Plus um 2,3 % liegt der Anstieg der Verbraucherpreise im 2. Quartal 2021 deutlich über dem Niveau der Jahre 2019 und 2020. Im Corona-Jahr 2020 lagen die Zunahmen noch zwischen +0,1 und +1,5 %. Die steigenden Preise im 1. und 2. Quartal dieses Jahrs dämpfen jedoch den realen Lohnzuwachs erheblich.

Die starke Zunahme der Nominallöhne im 2. Quartal 2021 ist vor dem Hintergrund der coronabedingt deutlich rückläufigen Entwicklung der Nominallöhne im 2. Quartal 2020 zu interpretieren. Der 2020 zu beobachtende Rückgang der Nominallöhne ist im Wesentlichen auf die Auszahlung von Kurzarbeitergeld zurückzuführen, welches als Lohnersatzleistung in den hier ausgewiesenen Daten zu Nominal- und Reallöhnen nicht enthalten ist. In 2021 hat sich die Situation stabilisiert, so dass weniger Kurzarbeitergeld ausgezahlt werden muss. Damit steigen die vom Arbeitgeber gezahlten Nominallöhne wieder. Daher zeigt sich auch in den Branchen und Beschäftigtengruppen, die im 2. Quartal 2020 den stärksten Rückgang verbuchten – also bei Beschäftigten des Produzierenden Gewerbes, Männern, Vollzeitkräften und ungelernten Arbeitnehmenden - nun als Gegenbewegung das stärkste Plus.

Das Produzierende Gewerbe erholte sich im 2. Quartal 2021 deutlich von den durch Corona bedingten Einschnitten, nachdem es in den vorangegangenen Quartalen eine z. T. deutlich negativere Entwicklung des Nominallohns zeigte als der Dienstleistungssektor. Im 2. Quartal 2021 zeichnete sich im Produzierenden Gewerbe mit einem Plus von 9,5 % eine fast doppelt so positive Nominallohnentwicklung ab als bei den Beschäftigten im Dienstleistungsbereich mit ebenfalls deutlichen Plus von 4,9 %.

Der Nominallohn von Arbeitnehmerinnen erhöhte sich im 2. Quartal im Schnitt um 6,2 %, wohingegen die nominalen Verdienste der männlichen Beschäftigten mit 7,5 % stärker im Plus lagen. Auch Teilzeitbeschäftigte verbuchten zwar mit 5,5 % einen deutlichen Zuwachs, diese Steigerung konnte aber nicht mit der positiven Entwicklung von +7,4 % bei den Vollzeittätigen mithalten. Den geringsten Anstieg hatten jedoch die geringfügig entlohnten Beschäftigten mit +3,1 % mehr nominalem Verdienst als noch im 2. Quartal 2020.

Bezogen auf die berufliche Qualifikation hatten die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Krise sowohl angelernten als auch ungelernten Arbeitnehmenden im 2. Quartal 2020 deutliche Verluste bei den Nominallöhnen (‑11,8 % und ‑9,6 %) gebracht, aber auch Fachkräfte waren im 2. Quartal 2020 relativ stark betroffen (‑7,9 %). Im 2. Quartal 2021 verbuchten diese Gruppen verglichen mit dem Vorjahresquartal wieder deutliche Zuwächse bei den Nominallöhnen: Ungelernte Beschäftigte erhielten +12,7 % mehr, angelernte Arbeitnehmende +9,6 % und Fachkräfte +7,9 %. Verglichen damit stiegen die Nominiallöhne von Beschäftigten in leitender Stellung mit +4,9 % weniger stark an, bei Führungskräften fiel allerdings auch der Nominallohnverlust im 2. Quartal 2020 mit einem Minus von lediglich 1,9 % geringer aus.

Schaubild 1: Reallohnindex in Baden-Württemberg seit 2014
Schaubild 1: Reallohnindex in Baden-Württemberg seit 2014
Tabelle 1
Entwicklung der Reallöhne, der Nominallöhne und der Verbraucherpreise in Baden Württemberg seit 2014*)
Jahr/QuartalReallohn­index1)Nominal­lohn­index1)Verbraucher­preis­index
Veränderung zum Vorjahreszeitraum in %

*) Nominallöhne: Bruttomonatsverdienst inklusiv Sonderzahlungen.

1) Vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer/-innen im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich.

Datenquelle: Vierteljährliche Verdiensterhebung [VVE].

2014I+1,7+2,9+1,1
 II+2,3+3,4+1,0
 III+1,0+1,8+0,8
 IV+1,2+1,6+0,5
2015I+1,4+1,3
 II+1,9+2,8+0,9
 III+1,5+2,4+0,8
 IV+2,5+3,0+0,5
2016I+2,3+2,7+0,3
 II+1,6+1,8+0,2
 III+1,4+1,9+0,5
 IV+1,1+2,2+1,1
2017I+0,8+2,6+1,7
 II+1,2+2,7+1,5
 III+0,4+2,2+1,8
 IV+0,6+2,2+1,5
2018I+1,1+2,6+1,5
 II+0,7+2,7+2,0
 III+1,5+3,6+2,0
 IV+0,9+3,2+2,3
2019I+0,9+2,5+1,6
 II+0,2+2,0+1,8
 III+3,2+4,7+1,5
 IV+1,2+1,1
2020I−0,8+0,8+1,6
 II−7,2−6,4+0,8
 III−4,3−4,1+0,2
 IV−1,3−1,2+0,1
2021I−2,3−0,9+1,5
 II+4,6+7,1+2,3
 III
 IV
Tabelle 2
Entwicklung der Nominallöhne in Baden-Württemberg nach Wirtschaftszweig, Geschlecht, Beschäftigungsart und Leistungsgruppe*)
GliederungsartJahresdurchschnitt 2020I/2020II/2020III/2020IV/2020I/2021II/2021
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %Veränderung gegenüber dem
Vorjahresquartal in %

*) Nominallöhne: Bruttomonatsverdienst inklusive Sonderzahlungen.

Vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer/-innen im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich.

1) Ohne geringfügig Beschäftigte.

Datenquelle: Vierteljährliche Verdiensterhebung [VVE].

Nach Wirtschaftszweig
Wirtschaft insgesamt−2,9+0,8−6,4−4,1−1,2−0,9+7,1
Produzierendes Gewerbe−5,6−0,9−10,9−6,4−3,1−0,6+9,5
Dienstleistungsbereich−0,6+2,1−2,7−2,3+0,3−1,0+4,9
Nach Geschlecht
Männer−3,6−7,5−5,0−1,7−0,7+7,5
Frauen−1,2+2,5−4,3−2,3−0,3−1,3+6,2
Nach Beschäftigungsart
Vollzeitbeschäftigte−3,2+0,4−7,0−4,6−1,5−0,7+7,4
Teilzeitbeschäftigte−0,6+2,7−3,2−1,4+0,1−1,8+5,5
Geringfügig Beschäftigte−2,0−0,3−4,7−1,0−2,3−3,0+3,1
Nach Leistungsgruppen1)
Arbeitnehmer in leitender Stellung−1,4+0,7−1,9−4,3−0,5+1,4+4,9
Herausgehobene Fachkräfte−2,5+1,1−5,8−4,2−0,9−0,4+6,3
Fachkräfte−3,2+0,4−7,9−3,8−1,5−1,5+7,9
Angelernte Arbeitnehmer−4,8+1,2−11,8−4,8−3,1−3,6+9,6
Ungelernte Arbeitnehmer−3,2+1,6−9,6−3,8−0,9−2,4+12,7