:: 118/2020

Pressemitteilung 118/2020

Stuttgart,

Emissionen im Straßenverkehr höher als bisher angenommen

Zum Tag der Umwelt am 5. Juni 2020: Statistisches Landesamt legt neue Zeitreihen zu Stickoxid- und Feinstaubemissionen ab 1995 vor

Das Statistische Landesamt veröffentlichte heute revidierte Ergebnisse zu den Straßenverkehrsemissionen für die Jahre 1995 bis 2018. Dieser Revision zugrunde liegen aktualisierte Emissionsfaktoren, die stärker als bisher reale Fahrsituationen sowie neue Messwerte berücksichtigen.

Bei den seit der Dieselaffäre besonders im Blick stehenden Stickoxid (NOx)-Emissionen ergeben sich nach neuen Berechnungen des Statistischen Landesamtes über alle Fahrzeugarten betrachtet knapp 30% höhere Stickoxidemissionen für das Jahr 2018. Sie liegen nun bei 60 000 Tonnen (t).

Trotz eines erneuten Höchststandes bei den Fahrleistungen im Jahr 2018 (+ 0,6 % gegenüber dem Vorjahr), konnte der NOx-Ausstoß seit 1995 um 55 % gesenkt werden. Grund hierfür ist der steigende Anteil schadstoffärmerer Fahrzeuge an der Flottenzusammensetzung. Die Änderungen fallen für die Fahrzeugarten ganz unterschiedlich aus. Während die NOx-Emissionen des Lkw-Verkehrs, der 1995 noch für fast 50% der Emissionen verantwortlich war, um mehr als 80% in diesem Zeitraum zurückgingen, verdoppelte sich der Ausstoß der Diesel-Pkw auf nun 32 500 t. Damit verursachen sie mehr als die Hälfte der NOx-Emissionen. Im Jahr 1995 betrug ihr Anteil noch 11 %. Die Fahrleistungen der Diesel-Pkw stiegen ebenfalls auf das Doppelte auf nun 41 Milliarden Kilometer (km). Damit hat sich der NOx-Ausstoß je km Fahrleistung kaum verändert, er betrug 2018 etwas mehr als 800 Milligramm/Kilometer (mg/km). Nach einem Maximum im Jahr 2010 geht dieser Wert zwar kontinuierlich zurück, liegt aber immer noch etwas über dem Wert des Jahres 1995. Ursache ist der hohe Bestand an Euro 5- und frühen Euro 6-Diesel-Pkw, die einen überdurchschnittlichen NOx-Ausstoß aufweisen. Erst Diesel-Pkw der neuesten Generation nach Euro 6d halten auch im Realbetrieb den Grenzwert von 80 mg NOx/km ein bzw. liegen darunter.

Ähnlich starke Anstiege der NOx-Emissionen wie die Diesel-Pkw verzeichnen die leichten Nutzfahrzeuge, dies jedoch auf niedrigerem Niveau. Mit nun 8 500 t haben sie etwa die Größenordnung der schweren Nutzfahrzeuge erreicht. Beide zusammen waren im Jahr 2018 für etwa 30 % der NOx-Emissionen verantwortlich.

Starker Rückgang bei Feinstaubemissionen aus Abgasen um 90 %

Beim Feinstaub (PM10) fallen die Abgasemissionen auf Basis der neuen Emissionsfaktoren ebenfalls höher aus. Allerdings sind sie noch stärker als die Stickoxidemissionen zwischen 1995 und 2018 von ursprünglich 6 700 t auf jetzt 844 t gesunken, was einem Rückgang um 90 % entspricht. Neben Abgasemissionen ist eine weitere Quelle für Feinstaub aus dem Straßenverkehr der Bremsen- und Reifenabrieb. Dessen Entstehung ist direkt von der Fahrleistung abhängig und da diese seit 1995 um 13 % gestiegen ist, hat sich der Anteil des abriebbedingten Feinstaubs am Gesamtfeinstaub erhöht. Seit 2013 werden mehr Feinstäube über Bremsen- und Reifenabrieb an die Umwelt abgegeben als durch die Verbrennung. Zuletzt betrug dieser Anteil 66 %, was knapp 1 700 t entspricht. Insgesamt ergibt sich für den Gesamtfeinstaub aus dem Straßenverkehr zwischen 1995 und 2018 ein Rückgang von 70 % auf jetzt 2 500 t PM10. Die Fortschritte bei der Abgasreinigung führten zu einer starken Entkopplung von Fahrleistung und Schadstoffausstoß. Dies wird besonders deutlich am Rückgang des spezifischen PM10-Ausstoßes von dieselbetriebenen Fahrzeugen. Sowohl bei den Diesel-Pkw als auch den leichten und schweren Nutzfahrzeugen ging dieser seit 1995 um über 80 % zurück.