:: 164/2017

Pressemitteilung 164/2017

Stuttgart,

Ausländische Bevölkerung in Baden‑Württemberg 2016 auf neuem Rekordniveau

Stärkste Zuwächse bei Einwohnern aus Syrien, Rumänien und Afghanistan

Zum Jahresende 2016 lebten im Südwesten erstmals mehr als 1,6 Millionen Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit1. Damit erreichte die ausländische Bevölkerung den vierten Höchststand in Folge. Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung des Ausländerzentralregisters des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mitteilt, nahm die Zahl der ausländischen Einwohner im Südwesten gegenüber dem Vorjahr um 120 400 Personen auf fast 1,67 Millionen (Mill.) zu, was einem Zuwachs um 7,8 Prozent entspricht. Bundesweit waren Ende 2016 fast 10,04 Mill. ausländische Einwohner registriert, 931 200 oder 10,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der ausländischen Einwohner nahm 2016 in allen 44 Stadt- und Landkreisen Baden‑Württembergs gegenüber dem Vorjahr zu. Die Spannweite beim zahlenmäßigen Zuwachs lag zwischen 6 800 im Stadtkreis Stuttgart und 600 im Stadtkreis Baden-Baden. Der prozentuale Zuwachs reichte von 17,6 Prozent im Landkreis Sigmaringen bis 1,8 Prozent im Stadtkreis Mannheim.

Der Zuwachs der ausländischen Bevölkerung war im Land mit 120 400 geringer als im Jahr 2015 (+140 900 Personen), nachdem sich der starke Zustrom an Flüchtlingen unter dem Eindruck des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei seit März 2016 deutlich abgeschwächt hatte. Allerdings ist der Zuwachs im Jahr 2016 überzeichnet, da es im Laufe des vergangenen Jahres zahlreiche Nacherfassungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit gab, die bereits im Jahr 2015 eingereist waren. Diese konnten bis Jahresende 2015 noch nicht im Ausländerzentralregister registriert werden. Im Jahr 2016 handelte es sich in Baden‑Württemberg allein bei 65 800 Zugängen um ausländische Personen, die bereits im Jahr 2015 eingereist waren.

Ausschlaggebend für den vergleichsweise starken Anstieg der ausländischen Bevölkerung um 120 400 Personen in Baden‑Württemberg war der Nettozuzug aus dem Ausland in Höhe von 134 100 Personen. Dieser ergab sich als Saldo aus 266 600 Zuzügen aus dem Ausland und 132 500 Fortzügen ins Ausland beziehungsweise Abmeldungen von Amts wegen. Weiterhin gab es einen Geburtenüberschuss in Höhe von 7 400 Personen, der sich als Saldo aus 13 400 geborenen ausländischen Kindern und 6 000 gestorbenen ausländischen Personen errechnet. Im Inland fiel die Bewegungsbilanz der ausländischen Bevölkerung in Baden‑Württemberg leicht negativ aus. Hier standen 24 900 Zuzügen aus dem Inland gut 25 600 Fortzüge in andere Bundesländer gegenüber, was per Saldo zu einem Nettoabwanderung von 700 Personen führte. Hinzu kam, dass die Daten von 20 300 ausländischen Personen wegen ihrer Einbürgerung aus dem Register gelöscht wurden.

Die höhere Zahl an ausländischen Einwohnern in Baden‑Württemberg ging zu zwei Dritteln auf den Zuwachs an Personen aus den Nicht-EU-Staaten zurück. Die Zahl der Einwohner aus dieser Ländergruppe stieg 2016 um fast 80 000 auf 843 200. Die Nettozugänge aus den EU-Mitgliedstaaten machten ein Drittel des Zuwachses an ausländischen Einwohnern aus. Ende 2016 lebten 821 900 ausländische Personen mit der Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaats in Baden‑Württemberg, 40 500 mehr als zum Jahresende 2015.

Der mit Abstand stärkste zahlenmäßige Zuwachs von 29 500 Personen war bei den Einwohnern mit syrischer Staatsangehörigkeit zu beobachten. Dieser machte allein ein Viertel des gesamten Anstiegs der ausländischen Bevölkerung aus. Die Zahl der syrischen Einwohner erhöhte sich aufgrund des starken Zustroms an Schutzsuchenden auf 68 100 Personen. Die Zahl der Einwohner mit rumänischem Pass erhöhte sich auch im dritten Jahr nach Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit um weitere 15 200 auf 117 300. Die Zahl der in Baden‑Württemberg lebenden Personen mit afghanischer Nationalität nahm um 14 300 auf 24 300 zu. Deutlich gestiegen ist auch die Zahl der Einwohner aus dem jüngsten EU-Mitgliedstaat Kroatien, für den seit 1. Juli 2015 ebenfalls die Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt. Die Zahl der kroatischen Einwohner stieg 2016 um 9 500 auf 101 600. Unter den zehn Staatsangehörigkeiten mit den zahlenmäßig größten Einwohnerzuwächsen waren auch Bulgarien, Ungarn und Polen, in denen seit 2014 bzw. 2011 die Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt.

Die Zahl der türkischen Staatsangehörigen sank 2016 um 2 700 Einwohner auf 259 400, dennoch blieb die Türkei mit einem Anteil an der ausländischen Bevölkerung insgesamt von 15,6 Prozent die mit Abstand am stärksten vertretene Nationalität im Land, gefolgt von Italien (180 300 Einwohner) mit einem entsprechenden Anteil von 10,8 Prozent. Rumänien blieb mit 117 300 Einwohnern und einem Anteil von 7,0 Prozent im Ranking der im Land am stärksten vertretenen Nationalitäten auf Platz 3, vor Kroatien (101 600 Einwohner, Anteil: 6,1 Prozent), Polen und Griechenland (82 000 bzw. 80 500 Einwohner bzw. Anteile von jeweils knapp 5 Prozent). Syrien rückte nach dem starken Zuwachs der letzten beiden Jahre auf Platz 7 vor (68 100 Einwohner).

1 Es handelt sich um Personen, die ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen.

Schaubild 1: Ausländische Einwohner in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2016 - Veränderung zum Vorjahr
Schaubild 1: Ausländische Einwohner in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2016 - Veränderung zum Vorjahr
Tabelle 1
Ausländische Einwohner in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2015 und 2016*)
Stadtkreis (SKR),
Landkreis (LKR),
Land,
Regierungsbezirk
20162015Veränderung 2016 zu 2015
Anzahl%

*) Stichtag jeweils 31. Dezember.

Datenquelle: Ausländerzentralregister.

Stuttgart (SKR)159.235152.395+6.840+4,5
Esslingen (LKR)91.08084.805+6.275+7,4
Rhein-Neckar-Kreis (LKR)67.99062.820+5.170+8,2
Karlsruhe (LKR)56.49051.445+5.045+9,8
Ortenaukreis (LKR)46.28041.535+4.745+11,4
Rems-Murr-Kreis (LKR)68.01063.315+4.695+7,4
Böblingen (LKR)70.16565.690+4.475+6,8
Ludwigsburg (LKR)95.53091.135+4.395+4,8
Freiburg im Breisgau (SKR)39.70535.350+4.355+12,3
Karlsruhe (SKR)58.50054.635+3.865+7,1
Rastatt (LKR)30.06026.640+3.420+12,8
Konstanz (LKR)41.27038.085+3.185+8,4
Breisgau-Hochschwarzwald (LKR)26.29523.270+3.025+13,0
Göppingen (LKR)40.63537.650+2.985+7,9
Ravensburg (LKR)30.43527.700+2.735+9,9
Pforzheim (SKR)31.16028.455+2.705+9,5
Reutlingen (LKR)43.60540.925+2.680+6,5
Heilbronn (LKR)47.70545.050+2.655+5,9
Alb-Donau-Kreis (LKR)24.22021.800+2.420+11,1
Biberach (LKR)19.00516.595+2.410+14,5
Waldshut (LKR)23.28520.885+2.400+11,5
Heidenheim (LKR)18.98516.615+2.370+14,3
Tuttlingen (LKR)21.01518.815+2.200+11,7
Ostalbkreis (LKR)33.47531.315+2.160+6,9
Schwäbisch Hall (LKR)20.35518.210+2.145+11,8
Heilbronn (SKR)32.21530.110+2.105+7,0
Schwarzwald-Baar-Kreis (LKR)29.62527.585+2.040+7,4
Heidelberg (SKR)32.27530.250+2.025+6,7
Sigmaringen (LKR)13.42011.410+2.010+17,6
Lörrach (LKR)33.10531.125+1.980+6,4
Enzkreis (LKR)26.21024.320+1.890+7,8
Rottweil (LKR)14.85513.030+1.825+14,0
Bodenseekreis (LKR)28.26026.570+1.690+6,4
Tübingen (LKR)29.93028.245+1.685+6,0
Main-Tauber-Kreis (LKR)11.1509.500+1.650+17,4
Ulm (SKR)24.86023.220+1.640+7,1
Neckar-Odenwald-Kreis (LKR)13.59512.015+1.580+13,2
Hohenlohekreis (LKR)11.1359.575+1.560+16,3
Zollernalbkreis (LKR)22.21520.735+1.480+7,1
Emmendingen (LKR)16.11014.695+1.415+9,6
Calw (LKR)23.13521.755+1.380+6,3
Mannheim (SKR)75.89074.570+1.320+1,8
Freudenstadt (LKR)12.93511.690+1.245+10,7
Baden-Baden (SKR)9.6959.125+570+6,2
Baden-Württemberg1.665.1001.544.665+120.435+7,8
Nachrichtlich:
Regierungsbezirk Stuttgart699.675655.360+44.315+6,8
Regierungsbezirk Karlsruhe437.935407.730+30.205+7,4
Regierungsbezirk Freiburg291.545264.375+27.170+10,3
Regierungsbezirk Tübingen235.945217.200+18.745+8,6
Schaubild 2: Ausländische Einwohner in Baden-Württembergs 2016 - Veränderung zum Vorjahr
Schaubild 2: Ausländische Einwohner in Baden-Württembergs 2016 - Veränderung zum Vorjahr
Tabelle 2
Ausländische Einwohner in Baden-Württemberg*)
Staatsangehörigkeit20162015Veränderung 2016 zu 2015
Anzahl%

*) Stichtag jeweils 31. Dezember.

1) EU-Beitritt 2007; Arbeitnehmerfreizügigkeit seit 1.1.2014.

2) EU-Beitritt 2013; Arbeitnehmerfreizügigkeit seit 1.7.2015.

3) EU-Beitritt 2004; Arbeitnehmerfreizügigkeit seit 1.5.2011.

4) Einschließlich Personen, die nach der Unabhängigkeit des Kosovo 2008 noch nicht eindeutig Serbien oder dem Kosovo zugeordnet werden können.

Datenquelle: Ausländerzentralregister.

Insgesamt1.665.1001.544.665+120.435+7,8
davon
EU-Mitgliedstaaten821.915781.430+40.485+5,2
Nicht-EU-Staaten843.185763.235+79.950+10,5
darunter Staatsangehörigkeiten mit den zahlenmäßig höchsten Zuwächsen
Syrien68.08538.625+29.460+76,3
Rumänien1)117.290102.070+15.220+14,9
Afghanistan24.2559.995+14.260+142,7
Irak29.63517.700+11.935+67,4
Kroatien2)101.59592.090+9.505+10,3
Gambia11.1806.675+4.505+67,5
Bulgarien1)34.82531.320+3.505+11,2
Ungarn3)47.49044.410+3.080+6,9
Polen3)82.00079.075+2.925+3,7
Nigeria8.3455.735+2.610+45,5
Eritrea6.1953.650+2.545+69,7
Iran8.8356.370+2.465+38,7
Italien180.295178.070+2.225+1,2
China20.18018.365+1.815+9,9
Indien17.15015.455+1.695+11,0
Griechenland80.47079.050+1.420+1,8
Somalia2.6451.435+1.210+84,3
Pakistan11.99010.820+1.170+10,8
Nachrichtlich: Staatsangehörigkeiten mit den zahlenmäßig höchsten Rückgängen
Türkei259.390262.095−2.705−1,0
Serbien4)40.94042.710−1.770−4,1
Albanien5.6507.400−1.750−23,6
Schaubild 3: Ausländische Einwohner in Baden-Württemberg seit 1952 - Personen
Schaubild 3: Ausländische Einwohner in Baden-Württemberg seit 1952 - Personen
Schaubild 4: Ausländische Einwohner in Baden-Württemberg seit 1952 - Veränderung zum Vorjahr
Schaubild 4: Ausländische Einwohner in Baden-Württemberg seit 1952 - Veränderung zum Vorjahr
Tabelle 3
Ausländische Einwohner in Baden-Württemberg seit 1952
Jahr1)Ausländische Einwohner insgesamt
BestandVeränderung zum Vorjahr
Anzahl

1) Stichtag: 1952 und 1971: 31.12.; sonst bis 1984: Jeweils 30.09.; ab 1985: 31.12; 1988 und 1989: an die Ergebnisse der Volkszählung 1987 angepasste AZR-Ergebnisse.

Datenquelle: Ausländerzentralregister.

195259.860+1.360
195361.860+2.000
195464.505+2.645
195567.350+2.845
195670.285+2.935
195773.640+3.355
195879.560+5.920
195994.065+14.505
1960147.335+53.270
1961211.465+64.130
1962266.090+54.625
1963306.945+40.855
1964361.920+54.975
1965443.305+81.385
1966498.985+55.680
1967411.850−87.135
1968461.900+50.050
1969588.625+126.725
1970724.310+135.685
1971793.065+68.755
1972802.070+9.005
1973891.520+89.450
1974914.160+22.640
1975882.115−32.045
1976831.880−50.235
1977821.745−10.135
1978826.885+5.140
1979852.075+25.190
1980912.885+60.810
1981933.105+20.220
1982919.845−13.260
1983874.785−45.060
1984845.210−29.575
1985839.960−5.250
1986863.485+23.525
1987887.670+24.185
1988912.075+24.405
1989968.595+56.520
19901.010.515+41.920
19911.093.295+82.780
19921.190.785+97.490
19931.254.895+64.110
19941.265.320+10.425
19951.281.315+15.995
19961.290.760+9.445
19971.280.020−10.740
19981.269.005−11.015
19991.268.965−40
20001.250.015−18.950
20011.254.685+4.670
20021.253.020−1.665
20031.245.510−7.510
20041.187.380−58.130
20051.183.795−3.585
20061.177.555−6.240
20071.177.460−95
20081.173.835−3.625
20091.170.965−2.870
20101.177.985+7.020
20111.208.290+30.305
20121.261.175+52.885
20131.323.685+62.510
20141.403.780+80.095
20151.544.665+140.885
20161.665.100+120.435