:: 122/2019

Pressemitteilung 122/2019

Stuttgart,

Regionale Besonderheiten bei der Europawahl 2019 in Baden-Württemberg

CDU in kleinen Gemeinden besonders stark

Die Ergebnisse der Europawahl 2019 in Baden-Württemberg setzen die Trends der Landtagswahl 2016 und der Bundestagswahl 2017 fort: Während CDU und SPD zum Teil deutliche Verluste hinnehmen mussten, konnten insbesondere die GRÜNEN und die FDP ihre Stimmenanteile verbessern. Auch die AfD, die FREIEN WÄHLER und Die PARTEI profitierten von der Schwäche der beiden Volksparteien. Die LINKE vereint einen geringeren Stimmenanteil auf sich.

Auf regionaler Ebene ergeben sich bei der Betrachtung nach Gemeindegrößenklassen zum Teil erhebliche Unterschiede. So konnte die CDU vor allem in kleineren Gemeinden viele Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen. Während die Christdemokraten in Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern mit 22,3 % unter ihrem Landesschnitt von 30,8 % blieben, erzielten sie in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern mit 35,4 % deutlich bessere Werte. Die GRÜNEN schnitten mit 29,6 % insbesondere in Gemeinden ab 100 000 Einwohnern gut ab. Demgegenüber lag der Stimmenanteil der GRÜNEN mit 20,4 % in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern deutlich unter ihrem Landesergebnis von 23,3 %. Die SPD war ebenso wie die GRÜNEN und DIE LINKE in Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern besonders stark. Die SPD lag hier mit 14,6 % über ihrem Ergebnis auf Landesebene (13,3 %). DIE LINKE erreichte in den großen Gemeinden ab 100 000 Einwohnern mit 5,0 % sogar einen mehr als doppelt so hohen Stimmenanteil wie in den Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern (2,3 %). Die AfD erhielt in kleineren Gemeinden unter 50 000 Einwohnern ihre höchsten Werte. Bei der FDP zeigten sich keine Auffälligkeiten.

Die GRÜNEN punkten in Kreisen mit hohem Akademikeranteil

Neben der Größe einer Gemeinde zeigt sich zudem, dass die Stimmenanteile der Parteien je nach Ausprägung sozialstruktureller Merkmale variieren.1 Beispielweise lag der Stimmenanteil der CDU in Kreisen, die einen hohen Anteil an Beschäftigten im produzierenden Gewerbe aufweisen, mit 36,1 % deutlich über ihrem Wert auf Landesebene. Auch in Gebieten mit einem niedrigen Akademikeranteil schnitt die Partei besonders gut ab (37,6 %). Die GRÜNEN schnitten in Gegenden mit einem hohen Akademikeranteil besonders erfolgreich ab (31,1 %). Ebenso überzeugte die Partei viele Wähler in Kreisen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe (31,7 %). Die Stimmenanteile der SPD waren mit 14,5 % in Kreisen mit einer hohen Arbeitslosenquote und mit 14,6 % in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte überdurchschnittlich hoch.

Die AfD erreichte mit einem Anteil von 11,1 % in Gebieten mit einem niedrigen Akademikeranteil ein überdurchschnittliches Ergebnis. Auch in Stadt- und Landkreisen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im produzierendem Gewerbe erzielte die Partei über ihrem Durchschnitt liegende Ergebnisse (11,3 %). Die Stimmenanteile der FDP zeigten keine auffälligen Unterschiede nach soziostrukturellen Merkmalen. DIE LINKE erhielt in Gebieten mit hohem Akademikeranteil, einem hohen Anteil an Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe oder einer hohen Bevölkerungsdichte überdurchschnittliche Stimmenanteile (jeweils 5,2 %).

Parteien halten ihre Hochburgen

Die höchste Wahlbeteiligung wurde mit 70,1 % im Stadtkreis Heidelberg erreicht, gefolgt von den Landkreisen Tübingen mit 69,9 % und Breisgau-Hochschwarzwald mit 68,1 %. Demgegenüber gaben im Kreis Pforzheim mit 53,2 % und im Stadtkreis Heilbronn mit 55,5 % am wenigsten Wahlberechtigte ihre Stimme ab. In den Hochburgen der Wahlbeteiligung2 schnitten die SPD (13,5 %), die GRÜNEN (28,1 %) und DIE LINKE (4,2 %) überdurchschnittlich gut ab. Im Gegensatz dazu erhielten die CDU (26,4 %) und die AfD (8,0 %) in Gebieten mit hoher Wahlbeteiligung deutlich weniger Stimmen. Am stärksten zulegen konnte die Wahlbeteiligung in den Hochburgen der Partei DIE LINKE. Hier stieg die Beteiligungsquote gegenüber 2014 um 13,9 Prozentpunkte.

Die CDU erhielt in ihren Hochburgen im Land im Schnitt einen Stimmenanteil von 39,2 %. Dabei erhielt die Partei die höchsten Stimmenanteile in den Landkreisen Sigmaringen (40,9 %), Biberach (40,4 %) und Main-Tauber-Kreis (39,7 %). In den Hochburgen der Christdemokraten profitierte außerdem vor allem die AfD (10,3 %).

Die GRÜNEN gewannen in allen Kreisen mindestens 7,7 Prozentpunkte hinzu. Besonders hoch fiel das Plus in Ulm (+ 13,1 Prozentpunkte) und im Stadtkreis Karlsruhe (+ 12,5 Prozentpunkte) aus. In ihren Hochburgen erhielt die Partei durchschnittlich 31,4 %. Ihren höchsten Stimmenanteil verbuchten die GRÜNEN mit 38,5 % in Freiburg im Breisgau.

Die SPD kam in ihren Hochburgen auf einen durchschnittlichen Stimmenanteil von 16,0 %. Den höchsten Stimmenanteil konnte die SPD in Mannheim (18,2 %) und im Stadtkreis Heilbronn (16,4 %) verbuchen.

In ihren Hochburgen kam die AfD durchschnittlich auf einen Stimmenanteil von 13,3 %, dabei erzielte die Partei ihr bestes Ergebnis mit 17,6 % in Pforzheim. Die FDP erhielt mit 7,8 % in AfD-Hochburgen ein überdurchschnittliches Ergebnis.

Die FDP erzielte ihr lokal bestes Ergebnis mit 9,8 % im Landkreis Reutlingen. In ihren Hochburgen kamen die Liberalen durchschnittlich auf 8,5 %. Hier stieg der Stimmenanteil der Partei gegenüber der Europawahl 2014 um 3,0 Prozentpunkte.

DIE LINKE erreichte in ihren Hochburgen 5,2 % der Stimmen. Am stärksten war die Partei in den Stadtkreisen Freiburg im Breisgau (6,6 %) und Heidelberg (5,4 %), sowie im Landkreis Tübingen (5,3 %).

1 Für die Berechnung wurden jeweils die sieben Stadt- oder Landkreise in Baden-Württemberg herangezogen, in denen das jeweilige Merkmal am stärksten bzw. am schwächsten ausgeprägt war. Rückschlüsse auf individuelle Wahlentscheidungen von Einzelpersonen können damit nicht gezogen werden. Die Gegenüberstellung von Wahlergebnissen mit Sozial- und Wirtschaftsdaten hat lediglich deskriptiven Charakter.

2 Hochburgen bzw. Diasporagebiete sind die sieben Stadt- und Landkreise, in denen die Ausprägung eines Merkmals (Wahlbeteiligung bzw. Stimmenanteil einer Partei) am höchsten bzw. am niedrigsten ausfiel.