:: 30/2021

Pressemitteilung 30/2021

Stuttgart,

Frauen in der Wissenschaft: Hoher Anteil bei Juniorprofessuren und strukturierten Promotionsprogrammen

Baden-Württemberg: Zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar 2021

Der Frauenanteil ist auf allen Stufen der akademischen Karriere in den vergangen zwanzig Jahren angestiegen. Doch obwohl immer mehr junge Frauen ein Hochschulstudium aufnehmen, abschließen und anschließend promovieren, verbleiben noch immer deutlich weniger Frauen als Männer in der Wissenschaft und besetzen dort seltener Führungspositionen. Dies zeigt eine aktuelle Analyse des Statistischen Landesamts. Im Gegensatz zu den tradierten Qualifikationswegen der Individualpromotion und der Habilitation erweisen sich strukturierte Promotionsprogramme und Juniorprofessuren als die erfolgreicheren Mittel zur Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft. So lag der Frauenanteil an den 7 526 Professorinnen und Professoren1 im Jahr 2019 im Land Baden-Württemberg bei 22,7 %, der Frauenanteil an den 225 Juniorprofessorinnen und -professoren bei 48,9 %. Bei den Juniorprofessorinnen und -professoren mit Tenure-Track2 bzw. mit Tenure-Track und Nachwuchsgruppenleitung waren es sogar 54,2 %. Der Anteil weiblicher Habilitationen betrug 37,4 % an den 265 Habilitationen in Baden-Württemberg.

Von den 4 276 Promotionen, die 2019 an einer baden-württembergischen Hochschule mit Promotionsrecht absolviert wurden, wurden 43,2 % von Frauen verfasst. Im selben Jahr registrierten sich in Baden-Württemberg 5 764 Personen erstmalig als Promovierende an einer Hochschule mit Promotionsrecht. Der Frauenanteil betrug dabei 47,7 %. Insgesamt waren 30 513 Promovierende mit einem Frauenanteil von 45,9 % registriert. 7 733 Promovierende waren an der Hochschule ihrer Promotion beschäftigt, darunter 38,5 % Frauen. 6 018 Promovierende waren Mitglied in einem strukturierten Promotionsprogramm. Hier betrug der Frauenanteil 46,3 %, wobei sich die Mitgliedschaft in einem Programm und die Beschäftigung an der Hochschule nicht gegenseitig ausschließen.

Zwischen den Fächern bestehen mitunter große Unterschiede im Frauenanteil in den einzelnen Stadien der akademischen Karriere. Zum Teil lassen sich diese Unterschiede bereits auf die geschlechtsspezifische Wahl des Studien- bzw. Promotionsfachs zurückführen. Dennoch zeigt sich in fast allen Studienbereichen das Muster eines mit jeder weiteren Karrierestufe abnehmenden Frauenanteils. So lag der Frauenanteil unter den Erststudiumsabsolventinnen und –absolventen in Germanistik beispielsweise bei 85,9 %, in Anglistik, Amerikanistik bei 80,9 % und in Psychologie bei 79,6 %. In Maschinenbau/Verfahrenstechnik lag dieser Anteil nur bei 21,1 %, in Physik, Astronomie bei 21 % und in Elektrotechnik und Informationstechnik sogar nur bei 13 %. Entsprechend wiesen vor allem die MINT-Fächer3 mit weniger oder kaum mehr als 15 % die geringsten Frauenanteile an den Professorinnen und Professoren auf, während 51,2 % der Professuren in Germanistik, 51,1 % der Professuren in Anglistik, Amerikanistik und 43,4 % der Professuren in Psychologie mit Frauen besetzt waren. Doch auch unter den MINT-Fächern gab es Ausnahmen mit einem überdurchschnittlich hohen Frauenanteil an den Professorinnen und Professoren, wie z. B. die Lehr- und Forschungsbereiche Biologie (29,6 %), Agrarwissenschaften, Lebensmittel- und Getränketechnologie (29,1 %) und Mathematik (25,0 %).

1 Hauptberuflich beschäftigte Professorinnen und Professoren ohne Emeriti und Gastprofessorinnen und -professoren.

2 Tenure-Track-Professuren sind zunächst auf eine sechsjährige Bewährungszeit befristet. Unter der Voraussetzung einer positiven Evaluation werden diese Professuren anschließend auf Dauer gestellt.

3 MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Schaubild 1: Entwicklung des Frauenanteils in verschiedenen Stadien der akademischen Karriere an baden-württembergischen Hochschulen 1999-2019
Schaubild 1: Entwicklung des Frauenanteils in verschiedenen Stadien der akademischen Karriere an baden-württembergischen Hochschulen 1999-2019
Tabelle 1
Frauenanteil in verschiedenen Stadien der wissenschaftlichen Karriere in Baden-Württemberg 1999-2019
JahrBevölkerung insgesamtStudienanfänger/-innenErststudiumsabsolvent/-innen Promotionsabsolvent/-innenHabilitationenJuniorprofessor/-innenProfessor/-innen insgesamt1)
%

1) Hauptberuflich beschäftigte Professorinnen und Professoren ohne Emeriti und Gastprofessorinnen und -professoren.

Datenquellen: Hochschulstatistiken, Bevölkerungsfortschreibung.

199951,047,439,829,616,1X8,4
200051,047,042,032,619,1X8,6
200151,047,543,433,315,6X9,4
200250,948,842,933,415,7X10,1
200350,946,847,235,419,418,210,8
200450,947,847,339,121,228,611,8
200550,947,548,336,719,223,312,7
200650,948,649,438,722,629,813,3
200750,948,848,939,720,634,714,6
200850,847,849,141,524,332,715,5
200950,848,447,643,518,832,415,6
201050,848,448,345,123,631,716,8
201151,045,249,144,123,233,117,3
201250,947,448,746,324,830,418,1
201350,848,148,843,128,131,918,7
201450,747,848,245,324,434,819,2
201550,448,547,442,632,336,220,0
201650,448,948,443,424,739,620,8
201750,349,349,842,826,342,321,4
201850,349,450,742,527,349,822,2
201950,349,852,143,237,448,922,7
Schaubild 2: Frauenanteil in verschiedenen Stadien der akademischen Karriere 2019 an Hochschulen in Baden-Württemberg
Schaubild 2: Frauenanteil in verschiedenen Stadien der akademischen Karriere 2019 an Hochschulen in Baden-Württemberg
Tabelle 2
Frauenanteil in verschiedenen Stadien der akademischen Karriere an baden-württembergischen Hochschulen 2019 nach ausgewählten Studienbereichen*),**)
Studienbereich bzw. Lehr- und ForschungsbereichErststudiumsabsolventinnen und -absolventenPromotionsabsolventinnen und -absolventenProfessorinnen und Professoren1)
insgesamtweiblichFrauenanteilinsgesamtweiblichFrauenanteilinsgesamtweiblichFrauenanteil
Anzahl%Anzahl%Anzahl%

*) Ausgewählt wurden die 20 Studienbereiche mit der höchsten Anzahl Promovierender im Jahr 2019.

**) Zuordnung der Lehr- und Forschungsbereiche der Hochschulpersonalstatistik zur Systematik der Studienbereiche der Prüfungsstatistik entsprechend Statistisches Bundesamt (2019). Nichtmonetäre hochschulstatistische Kennzahlen. Fachserie 11, Reihe 4.3.1. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

1) Hauptberuflich beschäftigte Professorinnen und Professoren ohne Emeriti und Gastprofessorinnen und -professoren.

Datenquellen: Prüfungsstatistik, Hochschulpersonalstatistik.

Elektrotechnik und Informationstechnik1.48719313,01622616,0338205,9
Informatik4.03991522,71572616,65276312,0
Maschinenbau/Verfahrenstechnik4.44593921,13264915,07509813,1
Bauingenieurwesen91427029,5641828,11542113,6
Physik, Astronomie59512521,02835017,71602314,4
Geowissenschaften (ohne Geographie)994242,420525,052815,4
Chemie89443248,332312639,01812815,5
Humanmedizin (ohne Zahnmedizin)1.53287357,01.16468058,44749119,2
Philosophie1386849,334617,638821,1
Rechtswissenschaften2.1551.36363,21365439,71994321,6
Wirtschaftswissenschaften11.2126.29156,11203226,71.22427722,6
Mathematik1.05060857,9701622,91804525,0
Geschichte40821352,2683754,4912527,5
Agrarwissenschaften, Lebensmittel- und Getränketechnologie36521458,6683652,9792329,1
Biologie93665870,348126655,32166429,6
Zahnmedizin23515365,11399064,713430,8
Außereuropäische Sprach- und Kulturwissenschaften16110665,8221463,6461737,0
Psychologie94375179,6795772,21134943,4
Anglistik, Amerikanistik99080180,9322475,0452351,1
Germanistik1.2371.06285,9543157,4864451,2
Insgesamt53.66927.95952,14.2761.84743,27.5261.70522,7