:: 81/2021

Pressemitteilung 81/2021

Stuttgart,

Südwestwirtschaft im Corona-Pandemiejahr 2020 im Rückgang

Baden-Württembergs Wirtschaftsleistung ging im Vergleich zum Vorjahresniveau preisbereinigt um 5,5 % zurück

Die heute vom Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder« unter Vorsitz von Präsidentin Dr. Anke Rigbers veröffentlichten vorläufigen Wirtschaftsdaten auf Länderebene für das Jahr 2020 zeigen, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Baden-Württembergs um 5,5 % gegenüber dem Niveau des Vorjahres zurückgegangen ist. Nominal, d. h. in jeweiligen Preisen, belief sich das baden-württembergische Bruttoinlandsprodukt – als Maß für die hier zu Lande insgesamt erstellten Waren und Dienstleistungen – im Jahr 2020 auf knapp 501 Milliarden Euro. Die abschwächende Konjunkturdynamik hatte damit hier zu Lande einen stärker dämpfenden Effekt als im Bundesgebiet insgesamt. In Deutschland ging das preisbereinigte BIP für das Gesamtjahr 2020 um 4,9 % gegenüber dem Vorjahr zurück.

Zum Vergleich: Bayerns Wirtschaft ist 2020 preisbereinigt ebenfalls um 5,5 % geschrumpft und auch in den anderen großen Flächenländern Hessen und Niedersachsen ging die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahresniveau preisbereinigt um 5,6 und 4,9 % zurück.

Industrie und Dienstleistungsbereiche stark betroffen von konjunktureller Schwächephase

Besonders stark betroffen von der konjunkturellen Schwächephase waren die heimische Industrie und die Dienstleistungsbereiche. Erweist sich vor allem die hiesige Industrie, auf die knapp ein Drittel der baden-württembergischen Wirtschaftsleistung entfällt, in wirtschaftlich »guten Zeiten« als zentraler Wachstumsmotor, der maßgeblich zu einer günstigeren Konjunkturentwicklung des Landes beiträgt. So blieb die Südwestindustrie jedoch im Jahr 2020 insgesamt ohne Wachstumsimpulse und verzeichnete einen Rückgang der preisbereinigten Bruttowertschöpfung gegenüber dem Vorjahr von 9,7 % (Deutschland: −10,5 %).

Ferner standen die Dienstleistungsbereiche ganz im Zeichen des anhaltenden coronabedingten Lockdowns, mit einem Minus der preisbereinigten Bruttowertschöpfung von 4,4 % im Vergleich zu 2019. Auch der Bereich »Handel, Verkehr, Gastgewerbe« verzeichnete ein Minus von 4,3 %. Hingegen konnte der Bereich »Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen« ein leichtes Plus der preisbereinigten Bruttowertschöpfung von 0,1 % im Vergleich zu 2019 erwirtschaften. Weiterhin stabilisierend wirkte zudem in Baden-Württemberg das Baugewerbe mit einem Anstieg der preisbereinigten Bruttowertschöpfung 2020 um 3,0 % gegenüber 2019.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wirtschaftsleistung Baden-Württembergs im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 (−7,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum) ein wenig an Fahrt aufgenommen hat. Nichtsdestotrotz war das gesamte Jahr 2020 weiterhin stark von den Auswirkungen der anhaltenden Maßnahmen der Pandemiebekämpfung betroffen.

Tabelle 1
Bruttoinlandsprodukt nach Bundesländern
1. Fortschreibung 20201)
Landin jeweiligen Preisenpreisbereinigt
2020Anteil an DeutschlandVeränderung 2020 gegenüber 2019
Mrd. EUR %

1) Vorläufige Ergebnisse.

Datenquelle: Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«.

Baden-Württemberg500,815,0−5,5
Bayern610,218,3−5,5
Berlin154,64,6−3,3
Brandenburg73,92,2−3,2
Bremen31,60,9−7,0
Hamburg118,13,5−5,8
Hessen281,48,4−5,6
Mecklenburg-Vorp.46,01,4−3,2
Niedersachsen295,98,9−4,9
Nordrhein-Westfalen697,120,9−4,4
Rheinland-Pfalz141,94,3−4,5
Saarland33,61,0−6,7
Sachsen125,63,8−4,4
Sachsen-Anhalt62,71,9−3,9
Schleswig-Holstein97,22,9−3,4
Thüringen61,51,8−4,6
Deutschland3.332,2100,0−4,9
Schaubild 1: Wirtschaftswachstum 2020 nach Bundesländern und Deutschland, Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsproudukts– 2020 gegenüber 2019
Schaubild 1: Wirtschaftswachstum 2020 nach Bundesländern und Deutschland, Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsproudukts– 2020 gegenüber 2019
Schaubild 2: Wirtschaftsleistung 2020 nach Bundesländern, Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen
Schaubild 2: Wirtschaftsleistung 2020 nach Bundesländern, Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen
Tabelle 2
Entstehung des Bruttoinlandsprodukts in Baden-Württemberg und Deutschland 2020*)
WirtschaftsbereicheBaden-WürttembergDeutschland
in jeweiligen Preisenpreisbereinigtin jeweiligen Preisenpreisbereinigt
Mill. EURAnteilVeränd. zum Vorjahr1)Wachs­tums­beitrag2)Mill. EURAnteilVeränd. zum Vorjahr1)Wachs­tums­beitrag2)
%%-Punkte.%%-Punkte

*) Vorläufige Ergebnisse.

1) Veränderung gegenüber dem Vorjahr, preisbereinigt verkettet.

2) Beitrag der Wirtschaftsbereiche zum BIP-Wachstum.

Datenquelle: Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«.

Bruttoinlandsprodukt (BIP)500.790 x −5,5x 3.332.230 x −4,9x
Bruttowertschöpfung (BWS)452.947 100 −5,9−5,33.013.885 100 −5,2−4,7
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei1.942 0,4 −3,8−0,022.089 0,7 −0,7−0,0
Produzierendes Gewerbe171.507 37,9 −8,1−2,8872.741 29,0 −7,5−2,0
Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe144.366 31,9 −9,9−3,0690.275 22,9 −9,7−2,1
Verarbeitendes Gewerbe134.503 29,7 −9,7−2,7593.849 19,7 −10,5−2,0
Baugewerbe27.142 6,0 +3,0+0,1182.466 6,1 +2,8+0,1
Dienstleistungsbereiche279.498 61,7 −4,4−2,42.119.055 70,3 −4,3−2,7
Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation 87.564 19,3 −3,4−0,6629.291 20,9 −4,9−0,9
Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister; Grundstücks- und Wohnungswesen 107.268 23,7 −4,8−1,0788.904 26,2 −3,8−0,9
Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit, Private Haushalte mit Hauspersonal 84.665 18,7 −5,1−0,8700.860 23,3 −4,4−0,9
Schaubild 3: Entstehung des Bruttoinlandsprodukts in Baden-Württemberg 2020, Anteile an der nominalen Bruttowertschöpfung insgesamt
Schaubild 3: Entstehung des Bruttoinlandsprodukts in Baden-Württemberg 2020, Anteile an der nominalen Bruttowertschöpfung insgesamt