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Statistisches Monatsheft Mai 2022

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

in der neuen Monatsheft-Reihe »Im statistischen Porträt« beleuchtet Simone Ballreich diesmal den in der Region Stuttgart gelegenen Rems-Murr Kreis, der seinen Namen durch die Flüsse Rems und Murr erhielt. Der Landkreis ist nicht nur für seine Weinbaugebiete entlang des Remstals bekannt, sondern zeichnet sich ebenfalls durch seine starke Wirtschaft mit Schwerpunkt im Produzierenden Gewerbe aus. Auch die überdurchschnittliche Geburtenrate sowie eine stetig wachsende Bevölkerungszahl betonen die hohe Lebensqualität im Rems-Murr-Kreis. Die Reihe »Im statistischen Porträt« stellt die baden-württembergischen Kreise in unregelmäßiger Folge mit ihren verschiedenen statistischen Charakteristika vor. Grundlage für die regionalstatistischen Analysen bilden statistische Daten und Indikatoren der Bereiche Gebiet und Fläche, Bevölkerung, Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie Landwirtschaft.

Nach der pandemiebedingten Rezession im Jahr 2020 zeigen aktuelle statistische Daten des Verarbeitenden Gewerbes erste Anzeichen einer Erholung der Südwestindustrie im Jahr 2021. Dennoch bremsen Lieferengpässe die Industrieproduktion weiterhin aus, was sich auch in einer abgeschwächten Umsatzentwicklung der Südwestindustrie im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen widerspiegelt. Auch die jüngsten Ereignisse um den Ukraine-Konflikt und daraus folgenden Sanktionen sind mit weiteren Unsicherheiten und noch schwer absehbaren Auswirkungen auf die konjunkturelle Entwicklung in der Südwestindustrie und der gesamten Wirtschaft verbunden. Mehr zu den Ergebnissen lesen Sie im Beitrag von Volker Schneider.

Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse für Ihre Arbeit.

Dr. Anke Rigbers, Präsidentin

Im statistischen Porträt: Der Rems-Murr-Kreis

In der Aufsatzreihe »Im statistischen Porträt« werden die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs im Rahmen einer regionalstatistischen Analyse vorgestellt. Dieser Beitrag der Reihe widmet sich dem Rems-Murr-Kreis. Grundlage sind statistische Daten und Indikatoren der Bereiche Gebiet und Fläche, Bevölkerung, Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie Landwirtschaft.

Kreistypisierung für ein kommunales Bildungsmanagement – Aktualisierung der Ergebnisse 2021

Mittels einer Clusteranalyse wird eine Typisierung der Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland auf Basis ausgewählter Kontextfaktoren von Bildung durchgeführt. Die Ergebnisse weisen sechs Cluster auf, die sich in ihrer demografischen Beschaffenheit, ihrer sozialen Lage sowie ihrer Wirtschafts- und Siedlungsstruktur statistisch signifikant voneinander unterscheiden. Durch die Reproduktion der Ergebnisse der Kreistypisierung ist es möglich, Veränderungen in der Zuordnung der Kreise im Zeitverlauf abzubilden, da sich die Rahmenbedingungen in den Kreisen unterschiedlich weiterentwickeln. Zudem dient die Aktualisierung der Ergebnisse als Sensitivitätsanalyse und Qualitätssicherung für den Einsatz des Instruments Kreistypisierung in der kommunalen und nationalen Bildungsberichterstattung. Mit der Kreistypisierung erhalten Kommunen innerhalb eines datengestützten Bildungsmonitorings ein zusätzliches Analyseinstrument, welches als Unterstützung für das kommunale Bildungsmanagement und die überregionale Bildungsberichterstattung genutzt werden kann.

Das Gründungsgeschehen in Baden-Württemberg 2021

Positive Entwicklung der Neugründungen auch unter dem Einfluss der Corona-Pandemie

Gründungen sind bedeutende Impulsgeber für Volkswirtschaften. Sie können zu grundlegenden Innovationen führen, die neue Ideen in traditionelle Branchen tragen und können so auch Motor des strukturellen Wandels sein. Um Existenzgründerinnen und Existenzgründer in ihren Vorhaben zu unterstützen werden vom Staat unterschiedliche – im Zeitablauf variierende – Finanzierungsinstrumente sowie Förderprogramme zur Verfügung gestellt. So wurden auch anlässlich der seit 2020 andauernden Corona-Pandemie eine Reihe von Hilfsprogrammen zur Abmilderung der Pandemiefolgen auch für Gründer und Gründerinnen initiiert. Beispielsweise wurden maßgeschneiderte Unterstützungspakete für Start-ups oder auch junge Technologieunternehmen auf den Markt gebracht.

Auch im Gründungsgeschehen Baden-Württembergs zeigen sich seit dem Jahr 2020 in vielfältiger Weise die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nach einem deutlichen Einbruch der Neugründungen bis zum April 2020 nahm nach Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen und Wiedereröffnung der Gewerbeämter für den Publikumsverkehr die Zahl der Neugründungen ab Juni rapide zu und erreichte ihren ersten Höhepunkt im Juli 2020. Diese dynamische Entwicklung setzte sich im Jahr 2021 – mit einem weiteren Höhepunkt von rund 7 900 Neugründungen im März – bis zum Mai fort. Zudem entstanden aus der Pandemie heraus für findige Unternehmer und Gründer zahlreiche Möglichkeiten, kurzfristig auf Produktnachfragen wie Masken, Schutzausrüstung oder die Durchführung von Corona-Tests zu reagieren. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich das Gründungsgeschehen unter dem Einfluss der Pandemie positiv entwickelt hat. Hier spielt sicherlich eine Rolle, dass berufliche Unsicherheit oder ein drohender Arbeitsplatzverlust die Motivation für den Schritt in die Selbständigkeit steigern.

Lieferengpässe bremsen Erholung der Südwestindustrie im Jahr 2021

Nach einer der bislang stärksten Rezessionen der jüngeren Geschichte im Jahr 2020 erlebte das Verarbeitende Gewerbe in Baden-Württemberg im Jahr 2021 eine Erholung mit angezogener Handbremse. Während die Auftragseingänge ungeahnte Höhen erreichten, entwickelten sich die Produktion und in der Folge auch die Umsätze verhalten. Die mit dem »Corona-Schock« im Jahr 2020 aus dem Takt geratene Gesamtchoreografie der arbeitsteiligen Weltwirtschaft wirkte sich im Jahr 2021 mit anhaltenden Lieferengpässen erkennbar negativ auf die Produktion und den Absatz der Südwestindustrie aus.

Überschuldung privater Haushalte in den 39 größten Städten Deutschlands 2017 bis 2021 – Ursachen und Unterschiede

Die Unternehmensgruppe Creditreform in Neuss gibt seit 2004 einen umfangreichen »SchuldnerAtlas« heraus, in dem Daten zur Überschuldung privater Haushalte veröffentlicht werden. Vereinfacht ausgedrückt liegt Überschuldung vor, wenn die zu leistenden Gesamtausgaben eines privaten Haushalts über einen längeren Zeitraum hinweg höher sind als dessen Einnahmen und nicht genügend Vermögen zur Überwindung von Liquiditätsengpässen vorhanden ist. Dementsprechend waren 2021 in Deutschland rund 6,16 Millionen Menschen überschuldet, das sind 8,9 % aller über 18-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner. Bemerkenswerter­weise hat die Überschuldung im Corona-Krisen-Jahr 2021 den niedrigsten Stand seit 2004 erreicht, weil umfangreiche staatliche Hilfsmaßnahmen die Nettoeinkommen der privaten Haushalte stabilisiert haben und die Haushalte aufgrund deutlich eingeschränkter Konsummöglichkeiten zu erhöhter Ersparnisbildung geradezu gezwungen wurden.

In zwei Beiträgen dieser Schriftenreihe konnten weitere interessante Ergebnisse und Tendenzen dargelegt werden: So hat Baden-Württemberg 2021 hinter Bayern (6,4 %) mit 7,3 % die zweitniedrigste Überschuldungsquote unter den Ländern Deutschlands aufgewiesen, sind bundesweit und in Baden-Württemberg private Haushalte in kreisfreien Städten überwiegend stärker überschuldet als in Landkreisen und stellt die Arbeitslosigkeit einen ganz wesentlichen Auslöser für Überschuldung dar. Im folgenden Beitrag wird untersucht, wie sich die Situation in den größten Städten Deutschlands darstellt und wie hierbei die baden-württembergischen Städte abschneiden.

Situation der Tourismusbranche in Baden-Württemberg im Coronajahr 2021 – Vergleich mit dem Vorkrisenjahr 2019

Baden-Württemberg erfreute sich in den Jahren vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie als Reiseziel stetig wachsender Beliebtheit. Seit 2010 waren die Gäste- und Übernachtungszahlen in den Beherbergungsbetrieben im Südwesten kontinuierlich angestiegen. 2019 erreichte die Tourismusbranche im Land mit rund 23,3 Millionen (Mill.) Gästen und über 57 Mill. Übernachtungen ein Rekordergebnis. Im 1. Coronajahr 2020 hat sich die Zahl der Gästeankünfte allerdings nahezu halbiert und lag nur noch bei rund 11,9 Mill. Dementsprechend reduzierte sich die Zahl der Übernachtungen auf 34,2 Mill. Im 2. Coronajahr 2021 waren lediglich leichte Erholungstendenzen erkennbar. Die Zahl der Gästeankünfte lag 2021 in den rund 6 200 geöffneten Beherbergungsbetrieben mit knapp 12 Mill. nur geringfügig über dem Vorjahresergebnis: Gegenüber 2020 kamen rund 92 200 oder 0,8 % mehr Gäste in den Betrieben an. Die Zahl der Übernachtungen stieg leicht auf 35,6 Mill., das waren 1,4 Mill. oder 4,1 % mehr als im Vorjahr.

Fläche für Landwirtschaft nimmt seit Jahrzehnten ab

Die Entwicklung der Flächennutzung in Baden-Württemberg in einem Vergleich der letzten 20 Jahre

Die Veränderungen bei den wesentlichen Arten der Flächennutzung – der Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung – sind auch in Baden-Württemberg immer wieder Gegenstand von Diskussionen. In diesem Beitrag soll ein kurzer Überblick über die Anteile und Verschiebungen innerhalb der letzten 20 Jahre gegeben werden. Dabei zeigt sich vor allem eine Verschiebung von landwirtschaftlicher Nutzung hin zu Siedlungs- und Verkehrsflächen.

Karte des Monats: Einrichtungen des Zweiten Bildungswegs in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs im Schuljahr 2021/22

Mit der Karte des Monats werden regelmäßig besondere Themen kartografisch aufgegriffen.

Diese und viele weitere Karten stehen für Sie zum kostenlosen Download bereit oder können auf Wunsch auch als Poster in verschiedenen Größen bestellt werden.

Darüber hinaus bieten wir mit unserem interaktiven Kartenangebot auch die Möglichkeit, Karten verschiedener Themen der amtlichen Statistik nach eigenem Bedarf zusammenzustellen. Die interaktiven Karten greifen auf einen umfangreichen Datenpool für kartografische Analysen zurück. Sie sind ebenso in verschiedenen Dateiformaten zum kostenlosen Download verfügbar.

Gerne erstellen wir für Sie auch Karten auf Wunsch. Dazu steht uns das gesamte Datenangebot des Landesinformationssystems zur Verfügung. Wenden Sie sich für Ihre Bestellung oder weiterführende Informationen telefonisch (Sabine Maurer, +49 711 641-2836) oder per E-Mail an »Kartenbestellung« an uns.