:: 12/2020

Statistisches Monatsheft Dezember 2020

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Für viele Menschen ein gesellschaftlich und wirtschaftlich herausforderndes Jahr. Die Corona-Pandemie bringt seit Beginn des Jahres viele Bürgerinnen und Bürger in finanzielle Schwierigkeiten. Aber auch schon vor der Verbreitung des Corona-Erregers waren Armut und soziale Ausgrenzung für einen Teil der Bevölkerung Alltag. Als armutsgefährdet gilt, wer seinen Lebensunterhalt mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung bestreitet. Claudia Kuhnke betrachtet in ihrem Beitrag die Armutsgefährdung in Baden-Württemberg anhand regionaler Unterschiede und soziodemografischer Aspekte.

Betrachtet man die Investitionstätigkeit der Südwestindustrie vor Corona, ist zu erkennen, dass noch sechs der zwölf Regionen ihr Investitionsvolumen 2019 im Vorjahresvergleich steigerten. Insbesondere in der dominierenden Region Stuttgart nahm die Investitionstätigkeit deutlich zu. Insgesamt sanken jedoch im Jahr 2019 die Investitionen der baden-württembergischen Industriebetriebe leicht und markierten somit das Ende der seit dem Jahr 2015 andauernden Expansionsphase. Über diese Entwicklung berichtet Matthias Kuhn.

Ich wünsche Ihnen viele neue Erkenntnisse für Ihre Arbeit.

Dr. Martin Votteler, Ständiger Vertreter der Amtsleitung

Armutsgefährdung in Baden-Württemberg

Eine konzeptionelle Annährung

Die Reduktion von Armut und sozialer Ausgrenzung ist eines der Ziele der von der Europäischen Kommission im Jahr 2010 auf den Weg gebrachten Strategie Europa 2020 sowie der im Jahr 2015 beschlossenen Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Auch die Landesregierung Baden-Württembergs hat sich die Reduktion der Armut und sozialen Ausgrenzung zum Ziel gesetzt. Um die vorliegende Armutsgefährdungssituation bewerten zu können, bedarf es geeigneter Messinstrumente. Eine Möglichkeit, das Ausmaß von Armut und sozialer Ausgrenzung der Bevölkerung zu ermitteln, liegt in der Berechnung der Armutsgefährdungsquote. Als armutsgefährdet gilt, wer sein Lebensunterhalt mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung bestreitet. In Baden-Württemberg lag die Armutsgefährdungsquote nach Ergebnissen des Mikrozensus 2019 nach Landesmedian bei 15,6 %. Im Jahr 2011 waren noch 14,5 % der Bevölkerung Baden-Württembergs armutsgefährdet. Anhand dieser Messgröße kann bislang kein Rückgang der Armut und sozialen Ausgrenzung festgestellt werden. Im Folgenden werden neben einem Vergleich regionaler Unterschiede der Armutsgefährdung in Baden-Württemberg auch soziodemografische Aspekte betrachtet, die zu einem unterschiedlichen Armutsgefährdungsrisiko verschiedener gesellschaftlicher Gruppen führen.

Beeinflusst »Corona« jetzt auch noch die Entwicklung der Schülerzahlen?

Einblicke in die Methodik der Vorausberechnung der Schüler- und Schulabschlusszahlen 2020

Die Vorausberechnung von Schüler- und Schulabschlusszahlen gehört bereits seit langer Zeit zu den Aufgaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Die Ergebnisse dieser Berechnung zeigen unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Rahmenbedingungen und Kenntnisse über die Schullandschaft einen plausiblen Entwicklungspfad der künftigen Entwicklung auf und dienen somit auch als Planungsgrundlage. Aber welche Annahmen liegen dieser Berechnung zugrunde und wie kommt man zu diesen Annahmen? Stellt die »Corona-Krise« die Voraus­berechnung vor besondere Herausforderungen und gibt es noch andere Einflussfaktoren, die zwar beachtet werden müssen, für die es aber keine oder nur eingeschränkt aussagekräftige Erfahrungswerte gibt? Auf diese Fragen zur Methodik der Vorausberechnung von Schüler- und Schulabschlusszahlen soll dieser Beitrag Antworten geben.

Im Schuljahr 2030/31 ist mit gut 1,61 Millionen Schülerinnen und Schülern zu rechnen

Aktualisierte Vorausberechnung der Schüler- und Schulabschlusszahlen für allgemeinbildende und berufliche Schulen in Baden-Württemberg

Bis zum Schuljahr 2030/31 ist mit einem Anstieg der Schülerzahl an öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen im Land um rund 11 % auf 1,221 Millionen (Mill.) Schülerinnen und Schüler zu rechnen. Je nach Schulart wird die Entwicklung unterschiedlich verlaufen. An Grundschulen dürfte der Anstieg der Schülerzahl im Schuljahr 2028/29 den Höhepunkt erreichen, wogegen an den weiterführenden Schulen in den nächsten Jahren zum Teil zunächst noch sinkende Schülerzahlen zu erwarten sind, bevor auch sie wieder zulegen. An den öffentlichen und privaten beruflichen Schulen dürfte die Trendwende zu einer wieder ansteigenden Schülerzahl erst in der 2. Hälfte des vor uns liegenden Jahrzehnts stattfinden. Mit 391 700 läge ihre Schülerzahl im Schuljahr 2030/31 aber immer noch gut 5 % unter dem Stand des Schuljahrs 2019/20. Der mittlere Abschluss wird bis 2030 der am häufigsten erworbene Bildungsabschluss bleiben.

Das statistische Unternehmen in den Wirtschaftsstatistiken – Ein »neuer« Unternehmensbegriff und seine Folgen

Das »Unternehmen« ist eine zentrale in den amtlichen Wirtschafts- und Unternehmensstatistiken. Bis einschließlich dem Berichtsjahr 2017 wurde in der deutschen amtlichen Statistik der Begriff »Unternehmen« mit »rechtlicher Einheit« gleichgesetzt. Seitens der Europäischen Union (EU) wurde nun ein neuer Unternehmensbegriff vorgegeben, der das Unternehmen als »kleinste Kombination rechtlicher Einheiten zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen« definiert. Mit dem sogenannten EU-Unternehmensbegriff werden unter anderem Erkenntnisgewinne hinsichtlich des tatsächlichen Umfangs des Strukturwandels der Wirtschaft Darstellungseinheit, aber auch genauere Analysen im Hinblick auf kleine und mittlere Unternehmen und Unternehmenskonzentration erwartet.

Der Beitrag beschreibt die Übernahme der Unternehmensdefinition gemäß der EU-Einheitenverordnung in die amtliche Wirtschaftsstrukturstatistik ab dem Berichtsjahr 2018. Dazu werden die neuen Methoden- und Verfahrensschritte erläutert, die zur Ergebnisdarstellung benötigt werden. Es handelt sich hierbei um einen weitreichenden Methodenwechsel in der amtlichen Statistik, der unter anderem auch dazu dient, die amtliche Unternehmensstatistik national und europaweit zu vereinheitlichen und sie für neue Auswertungskonzepte und Datenanforderungen zu ertüchtigen und zukunftsfähig zu machen.

Vor Corona: Investitionstätigkeit der Südwestindustrie im Jahr 2019 leicht rückläufig

Die Investitionen der baden-württembergischen Industriebetriebe sanken im Jahr 2019 leicht und markierten somit das Ende der seit dem Jahr 2015 andauernden Expansionsphase. Insbesondere die Investitionen in Grundstücke und Gebäude verzeichneten nach dem starken Wachstum des Vorjahres einen deutlichen Rückgang. Die Indikatoren Investitionsintensität und Investitionsquote befanden sich weiter auf einem hohen Niveau. In der Breite verlor die Investitionstätigkeit der Südwestindustrie im Vergleich mit dem Jahr 2018 deutlich an Wirkung. Mehr als die Hälfte der Branchen senkten ihre investiven Ausgaben. Ebenso verzeichnete die investitionsstärkste Industriebranche Baden-Württembergs, die »Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen«, wie bereits im Vorjahr einen leichten Rückgang. In der Regionalbetrachtung steigerte die Südwestindustrie in sechs der zwölf Regionen des Landes ihr Investitionsvolumen. Insbesondere in der dominierenden Region Stuttgart nahm die Investitionstätigkeit im Vorjahresvergleich deutlich zu. Die Mietinvestitionen verbuchten einen leichten Anstieg im Vorjahresvergleich und erreichten erneut ein neues Rekordniveau.

Der Tourismus in Baden-Württemberg im Corona-Jahr 2020

Bilanz erste 9 Monate: Über 43 % weniger Gäste und 36 % weniger Übernachtungen als im Vorjahr

Die letzten 10 Jahre können für den Tourismus in Baden-Württemberg insgesamt als »fette Jahre« bezeichnet werden: Seit 2010 stiegen die Gäste- und Übernachtungszahlen in den Beherbergungsbetrieben des Landes kontinuierlich an. Im Zeitraum 2010 bis 2019 erhöhte sich die Zahl der Gäste um insgesamt 39,3 %, die der Übernachtungen um 31,4 %. Diese Erfolgsserie fand mit der weltweiten Corona-Pandemie ein jähes Ende. Seit März 2020 sind die Gäste- und Übernachtungszahlen stark eingebrochen. Selbst für die Sommermonate, in denen Reisen möglich waren und viele Menschen einem Urlaub in Deutschland den Vorzug gaben, ist die Bilanz in Baden-Württemberg negativ. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Anfang November 2020 erneut verhängten Beherbergungsverbote, deren Aufhebung derzeit nicht absehbar ist, steht die Tourismuswirtschaft Baden-Württembergs vor einer außerordentlichen Herausforderung. Der vorliegende Beitrag fasst die wichtigsten Entwicklungen und Eckdaten des Landestourismus für den Zeitraum Januar bis September 2020 zusammen.

Zahl der verunglückten Fahrradnutzenden in Baden-Württemberg nimmt weiter zu

Stärkster Anstieg im 1. Halbjahr 2020 im Kreis Stuttgart

Die Zahl der bei Straßenverkehrsunfällen in Baden-Württemberg verunglückten Fahrradnutzenden hat in den letzten Jahren merklich zugenommen. Auch für das 1. Halbjahr 2020 wurden von der Polizei deutlich mehr Verunglückte erfasst als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Zu einem besonders starken Anstieg kam es im Stadtkreis Stuttgart, die höchste Zahl verunglückter Fahrradnutzerinnen und Fahrradnutzer verzeichnete dagegen erneut der Stadtkreis Freiburg im Breisgau.

Im statistischen Porträt: Der Landkreis Lörrach

Im Rahmen der Monatsheft-Reihe »Im statistischen Porträt« wird in dieser Ausgabe der Landkreis Lörrach vorgestellt. Basis dieser Analyse sind standortrelevante Daten und Indikatoren aus den Bereichen Bevölkerung, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Tourismus und Landwirtschaft. Der Landkreis Lörrach ist ein äußerst vielfältiger und wirtschaftlich starker Landkreis, nicht zuletzt aufgrund seiner besonderen geografischen Lage.

Im Blickpunkt: Die Stadt Ettlingen

In der Serie »Im Blickpunkt« steht dieses Mal die Stadt Ettlingen im Landkreis Karlsruhe. Aus dem Landesinformationssystem Baden-Württemberg (LIS) lassen sich für Ettlingen wie für jede andere Gemeinde des Landes interessante Erkenntnisse zur Struktur und Entwicklung gewinnen. Besonders herausgehoben werden an dieser Stelle die Bevölkerungsentwicklung, die Wohn- und die Beschäftigtensituation.

Karte des Monats: Straftaten in den Stadt- und Landkreisen sowie Aufklärungsquote in den Bundesländern in Deutschland 2019

Mit der Karte des Monats werden regelmäßig besondere Themen kartografisch aufgegriffen.

Diese und viele weitere Karten stehen für Sie zum kostenlosen Download bereit oder können auf Wunsch auch als Poster in verschiedenen Größen bestellt werden.

Darüber hinaus bieten wir mit unserem interaktiven Kartenangebot auch die Möglichkeit, Karten verschiedener Themen der amtlichen Statistik nach eigenem Bedarf zusammenzustellen. Die interaktiven Karten greifen auf einen umfangreichen Datenpool für kartografische Analysen zurück. Sie sind ebenso in verschiedenen Dateiformaten zum kostenlosen Download verfügbar.

Gerne erstellen wir für Sie auch Karten auf Wunsch. Dazu steht uns das gesamte Datenangebot des Landesinformationssystems zur Verfügung. Wenden Sie sich für Ihre Bestellung oder weiterführende Informationen telefonisch oder per Mail an uns.