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Pressemitteilung 301/2021

60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei

Baden-Württemberg: In der Landeshauptstadt Stuttgart leben heute die meisten türkischen Staatsbürger

Das Statistische Landesamt stellt zahlreiche Länderinformationen zur Verfügung: Hier ausgewählte Fakten zu Einwanderung, Leben- und Arbeiten, schulischer Bildung und Familien von Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit. Vor 60 Jahren (30. Oktober 1961) hat Deutschland ein Anwerbeabkommen zur Entsendung von Arbeitskräften mit der Türkei geschlossen.

Wie viele Menschen im Land?

In Baden-Württemberg mit rund 11,1 Millionen Menschen lebten am Ende des vergangenen Jahres 251 400 Personen mit einer türkischen Staatsangehörigkeit, davon waren 130.400 Männer und 121.000 Frauen. Diese waren durchschnittlich 46 Jahre alt, das Durchschnittsalter aller Einwohnerinnen und Einwohner im Südwesten beträgt dagegen knapp 44 Jahre.

Wie hoch ist die Zahl der Einbürgerungen?

Seit 2000 haben mehr als 111.000 Türkinnen und Türken die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Vor allem diese Einbürgerungen haben dazu geführt, dass die Zahl der türkischen Staatsangehörigen in Baden-Württemberg gesunken ist. 1997 lebten im Südwesten 358 800 Türkinnen und Türken und damit so viele wie noch nie seit Bestehen des Landes.

Wer lebt wo?

Innerhalb des Landes verteilen sich die türkischen Staatsangehörigen sehr unterschiedlich auf die einzelnen Teilräume. Wie bei der ausländischen Bevölkerung insgesamt ist diesbezüglich ein ausgeprägtes »Stadt-Land-Gefälle« feststellbar, da sie überdurchschnittlich oft in der Nähe der Arbeitsplatzzentren und damit in den größeren Städten leben. Die meisten Türkinnen und Türken haben in der Landeshauptstadt Stuttgart ihren Wohnsitz, gefolgt von den Landkreisen Ludwigsburg und Esslingen sowie dem Stadtkreis Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis.

Wer heiratet wen?

Bei Eheschließungen zwischen deutschen Frauen und ausländischen Männern waren diejenigen mit türkischen Männern im Jahr 2020 am häufigsten (743). Ebenso kamen bei Ehen zwischen ausländischen Frauen und deutschen Männern solche mit türkischen Frauen am häufigsten vor (456). Insgesamt gab es 2020 rund 50.500 Eheschließungen in Baden-Württemberg. Vor Corona im Jahr 2019 waren es rund 54 600.

Wo wird gearbeitet?

Von den insgesamt 251 400 türkischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern sind rund 107 000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 72 000 Männer und 35 000 Frauen. Fast die Hälfte dieser Beschäftigten arbeitet im Produzierenden Gewerbe.

Wie hoch ist die Geburtenrate?

Türkische Frauen in Baden-Württemberg brachten im Jahr 2020 im Schnitt 1,86 Kinder zur Welt. Die Geburtenrate entsprach damit ziemlich genau derjenigen der gesamten ausländischen Bevölkerung (1,89). Zum Vergleich: Deutsche Frauen brachten im vergangenen Jahr durchschnittlich 1,48 Kinder zur Welt.

Es ziehen wieder mehr türkische Staatsangehörige ins Land

Zeitweise war der Wanderungssaldo Baden-Württembergs mit der Türkei negativ, das heißt es wanderten mehr Türkinnen und Türken zurück in die Türkei als nach Baden-Württemberg gekommen sind. Seit dem Jahr 2015 war der Wanderungsgewinn allerdings wieder durchgehend positiv. So sind im vergangenen Jahr per Saldo immerhin mehr als 1 000 türkische Staatsangehörige in den Südwesten zugezogen.

In Schulen und Kitas

Unter den weiterführenden Schularten waren die meisten türkischen Schüler (1 867) an Realschulen zu finden, 726 wurden an einer Haupt- oder Werkrealschule unterrichtet und 1 143 an einem Gymnasium. Weitere 8 213 wurden im Schuljahr 2020/21 an einer beruflichen Schule in Baden-Württemberg unterrichtet. Die insgesamt rund 16 500 türkischen Schülerinnen und Schüler waren damit die drittgrößte Gruppe unter den ausländischen Schülerinnen und Schülern an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Land.

An den Hochschulen

Im Wintersemester 2020/21 waren 4 885 Studierende mit türkischer Staatsangehörigkeit an baden-württembergischen Hochschulen eingeschrieben. Das ist die zweitgrößte Anzahl von ausländischen Studierenden in Baden-Württemberg nach den Chinesen mit 5 760 Studierenden. Knapp die Hälfte der türkischen Studierenden war weiblich (2 439). 78 % (3 809) der türkischen Studierenden haben Ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben. Gut 45 % (2 191) von ihnen belegte ein Fach in der Fächergruppe der Ingenieurwissenschaften.

Existenzgründungen: Handel, Baugewerbe und Gastgewerbe bevorzugt

Von den 78 987 Personen, die im Jahr 2020 einen Gewerbebetrieb alleine oder gemeinsam mit anderen gründeten, waren 2 868 türkische Staatsangehörige. Mit einem Anteil von 18 % an allen ausländischen Gründerpersonen (insgesamt 15 817) stellten sie die größte Gruppe vor den Rumänen (12 %). Türken gründeten mit rund 31 % am häufigsten im Wirtschaftsbereich »Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen«. Auch bei den Deutschen war dies die beliebteste Branche (27 %). Gründungen im Baugewerbe und Gastgewerbe (jeweils 12 %) waren bei den Türken auch gefragt.

Die Außenhandelsbeziehungen

Die baden-württembergischen Ausfuhren in die Türkei übertrafen 2020 mit 2,8 Mrd. Euro die Einfuhren aus der Türkei von 2,5 Mrd. Euro. So dominierten bei den Ausfuhren in die Türkei mit einem Wertanteil von zusammen 62,7 % im Jahr 2020 Kraftwagen (einschließlich Teilen) und Maschinen deutlich. Bemerkenswert ist jedoch, dass Kraftwagen und Maschinen mit einem Anteil von 42,7 % inzwischen auch bei den Importen aus der Türkei eine bedeutsame Rolle spielen.

Istanbul – Mehr Menschen als im Südwesten

Istanbul mit 15,5 Millionen Einwohnern gehört zu den größten Städten der Welt. Damit leben nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Istanbul mehr Menschen als in ganz Baden-Württemberg mit 11,1 Mill.

Tabelle 1

Bevölkerung in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs am 31.12.2020 nach Staatsangehörigkeit
Stadt- / Landkreis Bevölkerung insgesamt1) davon … Staatsangehörige
deutsche1) ausländische1) darunter türkische2)
Anzahl

1) Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung.

2) Ergebnisse des Ausländerzentralregisters; Werte sind auf 5 Personen gerundet.

Datenquelle: Ausländerzentralregister.

Stuttgart (SKR) 630.305 473.042 157.263 17.840
Böblingen LKR) 392.898 318.769 74.129 12.560
Esslingen (LKR) 533.617 438.859 94.758 16.325
Göppingen (LKR) 258.781 213.810 44.971 9.285
Ludwigsburg (LKR) 544.971 445.248 99.723 17.565
Rems-Murr-Kreis (LKR) 427.286 357.240 70.046 9.365
Heilbronn (SKR) 126.458 92.832 33.626 7.300
Heilbronn (LKR) 346.363 294.242 52.121 11.585
Hohenlohekreis (LKR) 112.765 99.477 13.288 945
Schwäbisch Hall (LKR) 197.860 173.450 24.410 2.430
Main-Tauber-Kreis (LKR) 132.684 119.461 13.223 1.315
Heidenheim (LKR) 132.812 111.216 21.596 3.430
Ostalbkreis (LKR) 314.294 278.385 35.909 6.505
Baden-Baden (SKR) 55.449 44.022 11.427 605
Karlsruhe (SKR) 308.436 251.147 57.289 5.490
Karlsruhe (LKR) 446.852 384.562 62.290 9.845
Rastatt (LKR) 232.091 197.794 34.297 4.160
Heidelberg (SKR) 158.741 128.802 29.939 2.165
Mannheim (SKR) 309.721 235.514 74.207 15.710
Neckar-Odenwald-Kreis (LKR) 143.797 128.554 15.243 2.150
Rhein-Neckar-Kreis (LKR) 548.233 477.126 71.107 13.415
Pforzheim (SKR) 126.016 91.197 34.819 4.955
Calw (LKR) 160.149 134.866 25.283 3.570
Enzkreis (LKR) 199.752 172.725 27.027 4.855
Freudenstadt (LKR) 118.364 103.471 14.893 2.095
Freiburg im Breisgau (SKR) 230.940 191.642 39.298 1.950
Breisgau-Hochschwarzwald (LKR) 264.867 232.244 32.623 2.555
Emmendingen (LKR) 166.862 148.299 18.563 1.625
Ortenaukreis (LKR) 432.580 377.952 54.628 5.550
Rottweil (LKR) 140.166 122.943 17.223 1.935
Schwarzwald-Baar-Kreis (LKR) 212.872 178.147 34.725 3.740
Tuttlingen (LKR) 141.682 116.750 24.932 3.235
Konstanz (LKR) 286.876 242.160 44.716 3.150
Lörrach (LKR) 228.842 192.611 36.231 4.045
Waldshut (LKR) 171.237 143.140 28.097 2.485
Reutlingen (LKR) 287.497 241.106 46.391 5.675
Tübingen (LKR) 228.471 197.113 31.358 3.710
Zollernalbkreis (LKR) 189.862 164.009 25.853 4.420
Ulm (SKR) 126.405 100.547 25.858 4.505
Alb-Donau-Kreis (LKR) 198.204 170.435 27.769 4.745
Biberach (LKR) 202.250 179.664 22.586 2.255
Bodenseekreis (LKR) 217.901 187.309 30.592 3.720
Ravensburg (LKR) 285.888 252.674 33.214 4.290
Sigmaringen (LKR) 130.946 116.101 14.845 2.325
Baden-Württemberg 11.103.043 9.320.657 1.782.386 251.375

Tabelle 2

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Baden-Württemberg nach ausgewählten Merkmalen 2020*)
Merkmal Insgesamt darunter Ausländer
insgesamt darunter Türkei
Anzahl % Anzahl % Anzahl %

*) Stichtag: 31. Dezember.

1) Einschließlich Fälle ohne Angabe zu den einzelnen Merkmalen.

2) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ08).

3) Klassifikation der Berufe 2010 - KldB2010.

Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit, vorläufige Zahlen.

Beschäftigte insgesamt1) 4.771.707 100,0 808.945 100,0 106.818 100,0
davon
Männer 2.604.237 54,6 501.628 62,0 71.555 67,0
Frauen 2.167.470 45,4 307.317 38,0 35.263 33,0
darunter nach Wirtschaftsbereichen2)
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (A) 18.046 0,4 4.971 0,6 107 0,1
Produzierendes Gewerbe (B-F) 1.679.706 35,2 283.661 35,1 47.670 44,6
Handel, Verkehr und Gastgewerbe (G-I) 956.186 20,0 213.638 26,4 28.139 26,3
Sonstige Dienstleistungen (J-U) 2.117.706 44,4 306.673 37,9 30.901 28,9
darunter nach Anforderungsniveau3)
Helfer 718.394 15,1 279.580 34,6 33.838 31,7
Fachkraft 2.684.787 56,3 408.636 50,5 62.637 58,6
Spezialist 680.795 14,3 51.765 6,4 5.706 5,3
Experte 667.730 14,0 67.475 8,3 4.178 3,9

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