Klimabilanz 2023: Treibhausgas-Ausstoß auf dem niedrigsten Stand seit 1990
Deutliche Rückgänge in der Energiewirtschaft und Industrie
Im Jahr 2023 wurden in Baden-Württemberg nach ersten Schätzungen des Statistischen Landesamtes 62,7 Millionen (Mill.) Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Nach einem Minimalstand im Jahr 2020 und einem geringfügigen Rückgang im Vorjahr 2022 (−0,2 %) sind die Treibhausgasemissionen erstmals wieder kräftig gesunken. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Emissionen um 9,3 Mill. Tonnen bzw. 12,9 % zurück. Damit ist der Treibhausgasausstoß auf den niedrigsten Stand seit 1990 gefallen. Sogar das pandemiebedingt niedrige Emissionsniveau 2020 wurde deutlich unterschritten (−6,3 Mill. Tonnen gegenüber 2020). Allerdings war ein großer Teil der Emissionsminderung 2023 von einer wirtschaftlichen Stagnation und hohen Energiepreisen geprägt. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 nahmen die Emissionen um fast 31 % (28,1 Mill. Tonnen CO2-Äquivalente) ab. Für die im Klimagesetz des Landes formulierte Zielerreichung für das Jahr 2030 ist eine weitere Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes in Höhe von 30,9 Mill. Tonnen CO2-Äquivalenten bzw. 49 % gegenüber dem Jahr 2023 erforderlich.
Gut ein Drittel der Treibhausgase verkehrsbedingt
Im Jahr 2023 stammte mit Abstand der größte Teil der Treibhausgasemissionen aus dem Verkehrsbereich (32 %) gefolgt von den Sektoren Energiewirtschaft und Gebäude mit jeweils einem Anteil von 23 %. Die Industrie verursachte 2023 insgesamt knapp 15 %, die Landwirtschaft 7 % der gesamten Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg. Der Bereich Abfall- und Abwasserwirtschaft war 2023 für weniger als 0,5 % der Gesamtemissionen verantwortlich.
Die Treibhausgasemissionen sanken in allen Sektoren mit Ausnahme des Verkehrssektors
Der wesentliche Beitrag zur gesamten Emissionsreduktion 2023 kam von der Energiewirtschaft. Nach einem zweijährigen Anstieg (2022: +11,6 %; 2021: +35,8 %) gingen die Treibhausgasemissionen des Energiesektors durch die zuletzt stark gesunkene Steinkohleverstromung kräftig um 31,6 % zurück. Die Bruttostromerzeugung aus Steinkohle verzeichnete 2023 einen erheblichen Rückgang (−46 %). Hauptgründe für den rückläufigen Steinkohleeinsatz waren eine gesunkene Energienachfrage aufgrund der schwachen Konjunktur, mehr Stromimporte und weniger Stromexporte sowie eine höhere Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien.
Auch der Treibhausgas-Ausstoß der Industrie lag im Jahr 2023 deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (−14,5 %). Die Schwächephase der Industriekonjunktur in Baden-Württemberg hielt auch 2023 an. Diese spürbare Emissionsreduktion in der Industrie resultierte primär aus konjunkturbedingten Produktionsrückgängen. Vor allem bei den in Baden-Württemberg besonders energie- und emissionsintensiven Branchen wie Zement-, Kalk-, Chemie und Papierindustrie führte die schwache Nachfrage nach Baumaterialien sowie die anhaltend hohen Energiepreise zu starken Produktionsrückgängen.
Im Verkehrssektor wurden 2023 insgesamt nur geringfügig mehr Treibhausgase ausgestoßen als im Vorjahr. Der Anstieg lag bei 0,3 %. Allerdings liegen die Treibhausgasemissionen des Verkehrs immer noch auf dem Niveau des Referenzjahres 1990. Während die Emissionen des Pkw-Verkehrs gegenüber dem Vorjahr 2022 um 2,3 % zunahmen, sanken die Treibhausgase des Güterverkehrs um 2,6 %. Wie bereits im vergangenen Jahr hat der Rückgang der Industrieproduktion zu weniger Gütertransporten geführt.
Die Treibhausgasemissionen des Gebäudesektors sind im Jahr 2023 um 7,7 % gesunken. Hauptgründe für den Rückgang waren die im Vergleich zum Vorjahr milde Witterung während der Heizperiode sowie anhaltende Einsparbemühungen aufgrund hoher Verbraucherpreise. Ohne den verbrauchssenkenden Einfluss der milden Witterung hätten sich die Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich 2023 weniger stark vermindert. Das bedeutet, dass bei kühlerer Witterung im Jahr 2024 die Emissionen wieder steigen könnten.
Die Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft sanken im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 %. Der Rückgang der Emissionen gegenüber dem Vorjahr 2022 resultiert im Wesentlichen aus dem Rückgang der Tierbestände und einer reduzierten Stickstoffdüngung. Vor allem in der Rinder- und Schweinehaltung, den bedeutendsten Tierarten in Baden-Württemberg, waren erneut Rückgänge der Tierzahlen zu beobachten.
Die unter dem Kyoto-Protokoll reglementierten Treibhausgase sind: Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) sowie die fluorierten Treibhausgase (F-Gase).
Das Klimagesetz des Landes sieht gegenüber 1990 eine Reduktion der Treibhausgase um mindestens 65 % bis 2030 vor. Bis 2040 wird Treibhausgasneutralität angestrebt.
Tabelle 1
| Treibhausgas-Emissionen in Baden-Württemberg seit 1990 nach Sektoren | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | Treibhausgas-Emissionen insgesamt |
Davon | |||||
| Energiewirtschaft1) | Industrie2) | Verkehr3) | Gebäude4) | Landwirtschaft5) | Abfall-/ Abwasserwirtschaft6) | ||
| Mill. t CO2-Äquivalente | |||||||
|
1) Brennstoffeinsatz für die Strom- und Wärmeerzeugung, diffuse Emissionen aus der Kohle-, Erdöl- und Erdgasförderung, -lagerung, -aufbereitung und -verteilung. 2) Brennstoffeinsatz im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe, Industrie- und Baumaschinen, industrielle Prozesse und Produktverwendung. 3) Straßenverkehr und sonstiger Verkehr. Ohne internationalen Flugverkehr. 4) Brennstoffeinsatz in Haushalten, Brennstoffeinsatz im Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, sonstiger Brennstoffeinsatz wie Landwirtschaft und Militär. 5) Tierhaltung, Düngerwirtschaft, landwirtschaftliche Böden, Vergärungs- und Biogasanlagen, landwirtschaftlicher Verkehr. 6) Hausmülldeponien, Kompostierung, mechanisch-biologische Anlagen, Vergärungs- und Biogasanlagen, kommunale und industrielle Kläranlagen, Sickergruben. Berechnungsstand: Juni 2024. Werte für 2023 Schätzung. Datenquellen: Ergebnisse von Modellrechnung in Anlehnung an den Nationalen Inventarbericht (NIR) Deutschland 2024; Rösemann C, Vos C, Haenel H-D, et al. (2024) Calculations of gaseous and particulate emissions from German agriculture 1990 - 2022: Input data and emission results. © Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2024 |
|||||||
| 1990 | 90,8 | 20,0 | 18,6 | 20,3 | 21,0 | 6,1 | 4,7 |
| 1995 | 94,2 | 19,8 | 18,2 | 22,8 | 23,2 | 5,6 | 4,6 |
| 2000 | 87,9 | 19,8 | 14,0 | 23,7 | 22,0 | 5,4 | 3,0 |
| 2005 | 89,0 | 25,1 | 13,1 | 21,3 | 22,7 | 5,0 | 1,8 |
| 2010 | 79,1 | 21,7 | 12,5 | 20,3 | 18,7 | 4,9 | 1,1 |
| 2015 | 78,1 | 21,0 | 12,5 | 22,0 | 16,7 | 5,2 | 0,8 |
| 2016 | 80,0 | 21,6 | 12,8 | 22,5 | 17,3 | 5,1 | 0,7 |
| 2017 | 80,5 | 21,8 | 12,9 | 22,7 | 17,3 | 5,0 | 0,7 |
| 2018 | 77,2 | 20,4 | 12,6 | 22,0 | 16,7 | 5,0 | 0,6 |
| 2019 | 74,4 | 16,0 | 12,3 | 22,3 | 18,5 | 4,9 | 0,5 |
| 2020 | 69,0 | 13,7 | 11,8 | 20,0 | 18,4 | 4,8 | 0,4 |
| 2021 | 72,2 | 18,6 | 12,0 | 20,2 | 16,5 | 4,6 | 0,3 |
| 2022 | 72,0 | 20,7 | 10,8 | 20,3 | 15,3 | 4,6 | 0,3 |
| 2023 | 62,7 | 14,2 | 9,3 | 20,3 | 14,1 | 4,5 | 0,3 |
Weitere Informationen
Die Ergebnisse für 2023 stellen eine erste frühe Abschätzung der Treibhausgasentwicklung in Baden-Württemberg dar und weisen eine zwangsläufig geringere Genauigkeit als die vorläufigen Ergebnisse auf, die nach 15-16 Monaten veröffentlicht werden. Die Schätzung basiert im Wesentlichen auf den sektoralen Trendfortschreibungen. Die Genauigkeit der Schätzung ist durch die zu diesem Zeitpunkt nur begrenzt verfügbaren amtlichen Primärstatistiken eingeschränkt.
Die detaillierten Daten zu den Treibhausgas-Emissionen 2023 werden im April 2025 veröffentlicht. Die für die Berechnungen erforderlichen statistischen Daten z. B. zu Energieerzeugung und -verbrauch werden gemäß gesetzlicher Vorgabe erst im Jahr 2024 ermittelt und liegen frühestens im Frühjahr 2025 vor.
Entsprechend internationaler Konventionen wird in der Treibhausgasberichterstattung für Baden-Württemberg die Quellenbilanz verwendet. In der Quellenbilanz werden alle Emissionen ausgewiesen, die auf die Erzeugung von Strom oder Wärme zurückzuführen sind, auch wenn ein Teil dieser Menge exportiert wird. Dagegen bleiben die Emissionen aus dem Import von Strom oder Fernwärme unberücksichtigt.