:: 15/2021

Pressemitteilung 15/2021

Stuttgart,

Erste Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020

Struktureller Wandel in Baden-Württemberg mit vielen Facetten

Weniger als ein Jahr nach dem Startschuss liegen erste vorläufige Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 für Baden-Württemberg vor. Nach Feststellungen des Statistischen Landesamts beziffert sich die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe im Land im Jahr 2020 auf gut 39 400. Das sind rund 5 100 weniger Betriebe (−11,5%) als bei der letzten Generalinventur im Jahr 2010. Im Jahrzehnt zuvor (von 1999 bis 2010) war noch ein Rückgang um über 16 000 Betriebe (−27,1%) zu verzeichnen. Die rückläufige Entwicklung bei der Zahl landwirtschaftlicher Betriebe setzt sich damit zwar fort, aber mit einem deutlich gemäßigteren Tempo im Vergleich zu früher.

Insgesamt bewirtschaften die Betriebe eine landwirtschaftliche Fläche von 1,42 Millionen Hektar (ha). Die beiden größten Nutzungsarten sind Ackerland (815 400 ha) und Grünland (553 000 ha). Die wichtigsten Sonderkulturen sind Rebland (26 000 ha) und Obstanlagen (21 200 ha).

Die Betriebe im Land werden zwar weniger, aber sie werden auch immer größer. Im Jahr 2010 lag die durchschnittliche Betriebsgröße noch bei knapp 32 ha, im Jahr 2020 liegt sie bei 36 ha. Über 500 Betriebe in Baden-Württemberg bewirtschaften mittlerweile mehr als 200 ha.

Rückzug aus der Tierhaltung hält an

Viele landwirtschaftliche Betriebe haben in den vergangenen zehn Jahren die Tierhaltung aufgegeben. Hielten im Jahr 2010 noch rund 28 200 Betriebe Vieh, so sind es im Jahr 2020 nur noch 21 500. Das ist fast ein Viertel (−23,6%) weniger binnen zehn Jahren. In den einzelnen Tierkategorien verläuft die Entwicklung teils noch sehr viel deutlicher. Von 10 800 Milcherzeugern im Jahr 2010 sind in 2020 noch gut 6 200 aktiv (−42,1%). Bei den schweinehaltenden Betrieben hat mehr als jeder zweite die Schweinhaltung (−54,2% auf knapp 4 000 Betriebe) aufgegeben. Da vorwiegend kleinere Betriebe die Viehhaltung beendet haben, sind die Auswirkungen auf die Viehbestände weniger markant. Der Milchkuhbestand wurde um 6,7% auf 330 200 reduziert, bei Schweinen beziffert sich der Bestand nach einem Abbau um 21,9% auf 1,67 Millionen Tiere.

Legehennen und Ziegen im Aufwind

Aber nicht in allen Zweigen der Viehhaltung stehen die Zeichen auf Abbau, bei Legehennen und bei Ziegen gibt es klare positive Tendenzen. Bei Legehennen ist nach dem Bestandsabbau in Folge des Auslaufens der Käfighaltung eine Trendwende zu verzeichnen. Mit 3,40 Millionen Legehennen werden 51,5% mehr Legehennen als vor einem Jahrzehnt gehalten. Auch bei Ziegen gibt es eine eindeutige Aufwärtsentwicklung mit einem Plus von 29,4% auf 32 600 Tiere binnen zehn Jahren.

Ökolandbau im Land auf dem Vormarsch – Zunahme um fast 50% binnen eines Jahrzehnts

Insgesamt haben im Jahr 2020 annähernd 4 500 landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg vollständig oder teilweise nach den Vorgaben der Öko-Verordnung (EG) Nr. 2007/8341 gewirtschaftet und zählen damit zu den Öko-Betrieben. Das entspricht einem Anteil von 11,3% an den insgesamt 39 400 landwirtschaftlichen Betrieben im Land. Im Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010 hat die Zahl der Öko-Betriebe um fast die Hälfte (+46,9%) zugenommen. Von den Öko-Betrieben werden gut 175 600 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (ha LF) ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil der ökologisch bewirtschaften Fläche nahm in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren stetig zu und erreicht nun mit einem Anteil von 12,4 % einen neuen Höchststand. Im Jahr 2010 belief sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche noch auf knapp 98 400 ha (Anteil 7,0 %).

Von den insgesamt 175 600 ha Ökofläche waren in 2020 über 90% bereits vollständig auf die ökologische Bewirtschaftung umgestellt, knapp 10% der Fläche (16 200 ha) befanden sich noch in der Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise. Flächen in der Umstellungsphase werden zwar bereits nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet, die darauf produzierten Erzeugnisse dürfen jedoch noch nicht als »bio« oder »ökologisch« verkauft werden.

Rund 50 000 weniger Arbeitskräfte binnen eines Jahrzehnts

In den landwirtschaftlichen Betrieben in Baden-Württemberg waren in den zwölf Monaten zwischen März 2019 und Februar 2020 nach den vorläufigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung insgesamt knapp 140 000 Personen mit betrieblichen Arbeiten beschäftigt. Gegenüber der Landwirtschaftszählung im Jahr 2010 entspricht dies einem Rückgang um über ein Viertel (−26%). Eine rückläufige Entwicklung ist sowohl bei den Familienarbeitskräften wie bei den Saison-Arbeitskräften festzustellen. Nur für sonstigen ständigen Arbeitskräfte war eine Zunahme zu verzeichnen. Die größte Gruppe unter den landwirtschaftlichen Arbeitskräften mit einem Anteil von knapp 50% sind die Familienarbeitskräfte. Ihre Zahl hat seit 2010 um 24% auf 68 900 abgenommen. Saison-Arbeitskräfte sind nur vorübergehend für einige Tage, Wochen oder maximal sechs Monate in den Betrieben beschäftigt. Ihre Zahl hat sich im Vergleich zu 2010 um fast 42% auf gut 46 200 verringert.

Eine positive Entwicklung gab es dagegen bei den ständig Beschäftigten. Diese Gruppe umfasst zum einen abhängig Beschäftigte, aber auch tätige Mitinhaber und Gesellschafter in Unternehmen, die nicht als Einzelunternehmen auftreten (z.B. Personengesellschaften). Die Zahl der ständig Beschäftigten hat insgesamt um 22 % auf 24 700 zugenommen.

Mehr Betriebe mit Hofnachfolge, aber keine wirkliche Besserung

Im Rahmen einer Landwirtschaftszählung werden die inhabergeführten Betriebe traditionell auch zur Hofnachfolge befragt. Dabei zeigt sich ein scheinbar paradoxes Ergebnis. Es gibt in 2020 deutlich mehr Betriebe als 2010, die angeben eine gesicherte Hofnachfolge zu haben. In 2010 gaben 3 400 Betriebe an, die Hofnachfolge sei gesichert, in 2020 sind es 4 700 Betriebe. Trotzdem hat sich die Hofnachfolgesituation nicht grundsätzlich verbessert, weil der demographische Wandel zu einer Alterung der Betriebsinhaber und Betriebsinhaberinnen geführt hat. Es gibt in 2020 deutlich mehr Betriebsinhaber mit 55 Jahren und älter, die sich mit der Hofnachfolgefrage konfrontiert sehen. Daher hat sich der relative Anteil der Betriebe mit gesicherter Hofnachfolge zwischen 2010 und 2020 nicht wirklich verändert (28 bzw. 29%).

1 Grundlage für den ökologischen Landbau bildet die Öko-Verordnung (EG) Nr. 2007/834 des Rates vom 28. Juni 2007 über die ökologische/ biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/ biologischen Erzeugnissen“.

Tabelle 1
LZ 2020 - Erste Ergebnisse im Vergleich mit 2010
MerkmaleEinheit201020201)Verän­derung
2020
gegen­über
2010
%

1) Vorläufige repräsentative Ergebnisse. Angaben sind hochgerechnet und auf volle Hundert gerundet.

Datenquelle: Landwirtschaftszählung.

Landwirtschaftliche Betriebe Anzahl44.51239.400−11,5
Landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF)ha1.409.9881.419.900+0,7
Ackerlandha829.272815.400−1,7
Dauergrünlandha531.692553.000+4,0
Rebflächeha23.68226.000+9,6
Obstanlagenha21.06721.200+0,4
Durchschnittliche Betriebsgrößeha3236+12,5
Landwirtschaftliche Betriebe mit ViehhaltungAnzahl28.16821.500−23,6
Betriebe mit MilchkuhhaltungAnzahl10.7716.200−42,1
MilchkuhbestandTiere353.715330.200−6,7
Betriebe mit SchweinehaltungAnzahl8.6944.000−54,2
SchweinebestandTiere2.132.7991.666.100−21,9
LegehennenbestandTiere2.245.4193.401.600+51,5
ZiegenbestandTiere25.20632.600+29,4
Landwirtschaftliche Betriebe mit ökologischem LandbauAnzahl3.0424.500+46,9
Ökologisch bewirtschafte LFha98.366175.600+78,5
LF in Umstellungha8.56116.200+89,3
Arbeitskräfte insgesamtAnzahl190.117139.800−26,5
FamilienarbeitskräfteAnzahl90.54168.900−24,0
SaisonarbeitskräfteAnzahl79.27146.200−41,7
Ständig Beschäftigte Anzahl20.30524.700+21,7
Betriebsinhaber/-innen, 55 Jahre und älterAnzahl12.25316.300+33,2
mit gesicherte HofnachfolgeAnzahl3.4004.700+38,1