Konjunktur Südwest
Anhaltende Wirtschaftsflaute
Konjunktur bezeichnet die kurzfristigen Schwankungen in der wirtschaftlichen Entwicklung einer Volkswirtschaft. Nachfrage- und angebotsseitige Veränderungen führen zu Schwankungen in der Auslastung des Produktionspotenzials. Ursachen für diese Schwankungen können sowohl endogene Faktoren (zum Beispiel große Firmeninsolvenz) als auch exogene Faktoren (zum Beispiel tarifäre Veränderungen) sein. Die konjunkturelle Situation Baden-Württembergs lässt sich anhand von verschiedenen Indikatoren einordnen. Informationen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, der Umsätze und Auftragseingänge in verschiedenen Wirtschaftsbereichen, zur Preisentwicklung sowie zum Arbeitsmarkt und zur Beschäftigungssituation im Land finden Sie auf dieser Seite „Konjunktur Südwest“. Diese bietet ein umfassendes Datenangebot zur Gesamtwirtschaft und zu einzelnen Wirtschaftsbereichen.
Wirtschaftsleistung
Die Konjunktur Baden-Württembergs bleibt schwach. Nach einer ersten indikatorgestützten vorläufigen Berechnung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sank die Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2025 um 1,1 % zum Vorjahresquartal und blieb saison- und arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Vorquartal auf demselben Niveau (0,0 %). Die Ergebnisse beruhen auf einem Schätzmodell und können im laufenden Jahr noch Unsicherheiten aufweisen.
Längerfristig ist anhand der gleitenden Jahreswachstumsrate für das BIP über die letzten 4 Quartale hinweg ein Rückgang um 1,2 % erkennbar. Der aus Frühindikatoren wie den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe oder dem L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex zusammengefasste Konjunkturindikator stellt einen kurzfristigen Anstieg in Aussicht, der sich jedoch direkt wieder abschwächen dürfte.
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Konjunktur
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Inlandsnachfrage
In den Industriebranchen Baden-Württembergs setzte sich die seit Monaten anhaltende negative Umsatzentwicklung auch im 3. und 4. Quartal 2025 fort. Die Inlandsumsätze im Verarbeitenden Gewerbe gingen im 3. Quartal 2025 gegenüber dem 2. Quartal 2025 um 0,6 % zurück. Im 4. Quartal 2025 zeigt sich auf Grundlage der bislang vorliegenden Daten im Vergleich zum 3. Quartal ein vergleichbarer Rückgang von 0,7 %. Da für das 4. Quartal 2025 derzeit nur die Daten der Monate Oktober und November verfügbar sind, kann der Gesamtverlauf jedoch noch nicht vollständig abgebildet werden. Auch im Vorjahresvergleich zeigt sich für 2025 bislang in beiden betrachteten Quartalen ein negatives Bild: Im 3. Quartal lagen die Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe im Südwesten um 3,8 % unter dem Vorjahresniveau, und im 4. Quartal dürfte das Minus mit 1,0 % etwas geringer ausfallen. Die Umsatzzahlen der bedeutenden Industriebranchen im Südwesten – der Automobilindustrie und des Maschinenbaus – zeichnen ein uneinheitliches Bild. In der Automobilindustrie lagen die Umsätze im 3. und 4. Quartal 2025 jeweils unter dem Niveau des Vorquartals (–1,6 % bzw. –2,2 %). Im Maschinenbau hingegen waren die Umsätze im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal noch leicht positiv (+0,4 %), während sie sich im 4. Quartal ins Minus drehten (–1,0 %). Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich bei den Umsätzen der Branche Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse: Im 4. Quartal lagen diese im Vergleich zum Vorquartal um 6,8 % höher.1
Die Entwicklung der Inlandsaufträge in Baden-Württemberg zeigte sich Ende 2025 im Aufwind. Sowohl im 3. als auch im 4. Quartal wurden im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem jeweiligen Vorquartal positive Auftragseingänge gemeldet, unter anderem in den für Baden-Württemberg bedeutenden Branchen Maschinenbau sowie Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse. Die geglättete Trend-Konjunktur-Komponente weist in beiden Quartalen im Vergleich zum Vorquartal ein stabiles Bild auf und deutet auf insgesamt gleichbleibende Auftragseingänge im Inland hin.
Auslandsnachfrage
Die Exportperspektiven bleiben weiterhin gedämpft und eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ist derzeit nicht in Sicht. Das Auslandsgeschäft der Industriebranchen in Baden-Württemberg entwickelte sich im 3. Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal noch positiv, drehte jedoch im 4. Quartal ins Minus. Im Verarbeitenden Gewerbe lag der Auslandsumsatz im 3. Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal bei +1,2 %, im 4. Quartal hingegen bei –1,8 %. Die Angaben für das 4. Quartal 2025 sind allerdings noch mit Unsicherheiten behaftet, da bislang nur die Umsatzmeldungen der Monate Oktober und November vorliegen. Die Automobilindustrie, eine Schlüsselbranche Baden-Württembergs, verzeichnete in beiden Quartalen ein Umsatzminus gegenüber dem Vorquartal. Im 3. Quartal 2025 belief sich der Rückgang auf 0,6 %, im 4. Quartal wurde bislang ein Minus von 4,6 % gegenüber dem 3. Quartal gemeldet. Der Maschinenbau hingegen konnte im 3. Quartal 2025 gegenüber dem Vorquartal noch ein Umsatzplus von 2,6 % verbuchen. Im 4. Quartal drehten die Umsatzzahlen gegenüber dem Vorquartal dann mit 1,4 % ins Minus. Auch die Umsätze in der Herstellung von Vorleistungsgütern entwickelten sich im 3. und 4. Quartal 2025 im Vergleich zum jeweiligen Vorquartal uneinheitlich. Als Frühindikator der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung deutet dieses Gesamtbild auf eine weiterhin unsichere konjunkturelle Lage in Baden-Württemberg hin.1
Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gingen im 3. und 4. Quartal 2025 gegenüber dem jeweiligen Vorquartal nach der positiven Entwicklung der vorausgehenden Quartale wieder zurück (–2,1 % bzw. –3,2 %). Im Vorjahresvergleich ergibt sich jedoch weiterhin ein Plus. Der Ausblick fällt verhalten aus: Die geglättete Trend-Konjunktur-Komponente deutet auf einen leicht negativen Trend der künftigen Auftragseingänge im Auslandsgeschäft Baden-Württembergs hin.
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Industriekonjunktur
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Preisentwicklung
Nachdem die Inflationsrate, die als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahreszeitraum gemessen wird, in Baden-Württemberg im 3. Quartal 2025 durchschnittlich auf 2,5 % angestiegen war, lag diese im 4. Quartal mit 2,2 % geringfügig niedriger. Damit bewegte sich die Teuerung wieder näher an den Zielbereich der Europäischen Zentralbank heran, die zur Gewährleistung der Preisniveaustabilität einen Wert leicht unterhalb der Marke von 2 % anstrebt. Inflationsdämpfend wirkten im 4. Quartal 2025 vor allem die preislichen Entwicklungen bei Energieprodukten und Nahrungsmitteln. Für Haushaltsenergie, das heißt Strom, Gas und andere Brennstoffe, mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im genannten Quartal durchschnittlich 0,6 % weniger zahlen als ein Jahr zuvor. Bei Nahrungsmitteln gab der Preisdruck extrem nach und die Teuerung sank von 3,0 % im 3. Quartal auf 0,5 % im 4. Quartal. Weitere Bereiche, die sich im Schlussquartal 2025 binnen Jahresfrist unterdurchschnittlich verteuerten, waren Bekleidung und Schuhe (+0,4 %), Freizeit, Unterhaltung und Kultur (+1,7 %) sowie Gesundheit (+1,9 %). Inflationsfördernd hingegen waren im 4. Quartal 2025 nach wie vor die Dienstleistungen insgesamt, deren preisliche Erhöhung mit 3,6 % anzog. Darunter stachen die Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen mit einem weit überdurchschnittlichen Preiszuwachs von 4,0 % hervor, der sich allerdings weiter verlangsamte (3. Quartal: +4,3 %). Die Preiserhöhung im Bereich Verkehr stieg im 4. Quartal auf 2,6 % an (3. Quartal: +1,9 %).
Die Entwicklung auf den vorgelagerten Handelsstufen, wo beispielsweise die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte oder die Großhandelsverkaufspreise angesiedelt sind, gilt als Frühindikator für zukünftige Inflationstendenzen auf nachgelagerten Stufen im Wirtschaftsprozess, z. B. auf Verbraucherebene. Bei der Erzeugung gewerblicher Produkte setzte sich der Preisrückgang fort und lag im 4. Quartal 2025 bei 2,2 %, gegenüber 1,8 % im 3. Quartal. Die Großhandelsverkaufspreise hingegen zogen weiter an: Der Index lag im 4. Quartal um 1,3 % höher als im entsprechenden Vorjahresquartal, nachdem es im 3. Quartal ein Plus von 0,8 gegeben hatte.
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Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte
Destatis
Verbraucherpreisindex
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Großhandelsverkaufspreisindex
Destatis
Beschäftigung
Als zentraler Teil der baden-württembergischen Wirtschaft spielt das Verarbeitende Gewerbe für die Beschäftigung und Wertschöpfung im Land eine wichtige Rolle. In den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 50 Beschäftigten verschärfte sich die rückläufige Beschäftigungsentwicklung im 3. Quartal 2025 mit einem durchschnittlichen Rückgang um 27.800 bzw. 2,4 % zum Vorjahresquartal weiter, allen voran in den personalintensiven Industriebranchen Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (−8.400 bzw. −3,9 %) und Maschinenbau (−7.600 bzw. −2,6 %). Starke Einbußen verzeichnete auch die Herstellung von Metallerzeugnissen (−4.100 bzw. −3,4 %). Die verhältnismäßig größte Reduktion der Beschäftigtenzahl gab es allerdings in der Metallerzeugung und -bearbeitung (−1.700 bzw. −8,6 %). In der Herstellung von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen hat die Vorjahresveränderung der Beschäftigtenzahl im 3. Quartal weiter abgebremst und ein Nullwachstum erreicht. Die Herstellung von chemischen Erzeugnissen hingegen trotzte der negativen Gesamtentwicklung und registrierte derweil 600 Beschäftigte mehr als ein Jahr zuvor (+1,7 %). Wie die geschätzten Ergebnisse für das 4. Quartal zum aktuellen Stand anzeigen, wird der Beschäftigungsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe mit einem Gesamtminus von 2,3 % zum Vorjahresquartal in ähnlicher Größenordnung fortbestehen.
Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit kommt die Beschäftigungsentwicklung in Baden-Württemberg insgesamt immer mehr zum Stehen: Im 3. Quartal 2025 waren durchschnittlich 4,93 Mio. Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt und demzufolge nur noch 4.800 (+0,1 %) mehr als ein Jahr zuvor. Damit schrumpft der Zuwachs zum Vorjahresquartal mittlerweile sukzessive seit dem 1. Quartal 2022, als er noch bei rund 87.400 Beschäftigten lag. Gegenüber dem 2. Quartal 2025 blieb die Beschäftigtenzahl saisonbereinigt auf dem selben Niveau (0,0 %). Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl in Baden-Württemberg ist im 4. Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal mit 291.600 zwar wieder unter die Marke von 300.000 Personen gefallen (3. Quartal: 300.600). Rechnet man regelmäßige jahreszeitliche Schwankungen heraus, fiel die Veränderung zum Vorquartal mit 0,8 % jedoch weiterhin positiv aus. Damit ist bei der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit seit dem 2. Quartal 2022 ein durchgängiger Anstieg zu beobachten. Gegenüber dem Vorjahresquartal schwächte sich die Zunahme der Arbeitslosenzahl ab (4. Quartal 2025: +6,9 %; 3. Quartal 2025: +8,6 %; 2. Quartal: +10,1 %). Die durchschnittliche Arbeitslosenquote pendelte im Quartalsschnitt 2025 zwischen 4,6 % und 4,5 %. Nach vorläufigen hochgerechneten Zahlen bezogen im 3. Quartal 2025 mit durchschnittlich 48.700 Personen wieder weniger Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld als im Vorquartal (−14.800). Auch wenn das Instrument der Kurzarbeit in den Urlaubs- und Ferienmonaten August und September üblicherweise seltener in Anspruch genommen wird, war das immer noch 1 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Baden-Württemberg, womit die durchschnittliche Kurzarbeiterquote des Südwestens im 3. Quartal 2025 auch wegen des hohen Industrieanteils doppelt so hoch ausfiel wie im bundesweiten Durchschnitt.
Weitere Informationen
Bundesagentur für Arbeit
statistik.arbeitsagentur.de
Industriekonjunktur
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Beschäftigungsstatistik
statistik.arbeitsagentur.de
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
statistik.arbeitsagentur.de
Konjunktur international
Die Wirtschaftsleistung in den USA setzte im 3. Quartal 2025 ihre Aufwärtsdynamik fort und expandierte um 1,1 % gegenüber dem Vorquartal. Auch im Euroraum blieb die Wirtschaftsleistung auf ihrem Wachstumspfad und legte um 0,3 % zum Vorquartal zu. Unter den großen Volkswirtschaften im Euroraum verzeichnete Spanien im 3. Quartal den höchsten Anstieg im Vergleich zum Vorquartal (+0,6 %) und setzt damit den anhaltenden Aufschwung fort. In Frankreich legte das BIP im 3. Quartal mit einem Anstieg um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal ebenfalls deutlich zu, während die italienische Wirtschaft lediglich um 0,1 % wuchs. Die deutsche Wirtschaft tritt weiterhin auf der Stelle und verharrte im 3. Quartal in der Stagnation (0,0 %). Zentral für die gesamtwirtschaftliche Schwäche ist die anhaltend schwache Industriekonjunktur. Die Wirtschaftsleistung in Baden-Württemberg blieb im 3. Quartal 2025 ebenfalls auf dem Niveau des Vorquartals (0,0 %). Die baden-württembergischen Exporte stiegen im 3. Quartal 2025 nominal um 1, % gegenüber dem Vorjahresquartal an. Insgesamt führte Baden-Württemberg dabei Waren im Wert von 60,3 Milliarden (Mrd.) Euro aus. Der wichtigste Absatzmarkt von Südwestexporten sind weiterhin die USA. Nach der Zolleinigung werden seit dem 1. August 2025 auf die meisten Einfuhren aus der EU in die USA 15 % Zoll erhoben, sodass sich der Rückgang der Südwestexporte in die USA im 3. Quartal unter Umständen auch deshalb fortsetzte. So lagen die Exporte mit 7,4 Mrd. Euro um 14,7 % unter dem Vorjahreswert. Einen deutlichen Zuwachs in Höhe von 23,5 % wiesen im 3. Quartal erneut die Ausfuhren der Südwestunternehmen in die Schweiz auf, dem Zielland mit dem zweithöchsten Ausfuhrwert nach den USA. In das Nachbarland wurden Waren im Wert von 6,0 Mrd. Euro geliefert. Unter den wichtigsten Zielländern gab es mit einem Rückgang von 14,2 % wiederholt deutliche Einbußen nach China, Platz 5 der wichtigsten Zielländer.
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Außenhandel
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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen
destatis.de
1 Die betrachteten Veränderungsraten der Inlands- und Auslandsumsätze gegenüber dem Vorjahresquartal sind preis- und arbeitstäglich bereinigt, die gegenüber dem Vorquartal zusätzlich saisonbereinigt.
