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Pressemitteilung 234/2026

65 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei

Baden-Württemberg: Im Landkreis Ludwigsburg lebten 2025 die meisten türkischen Staatsangehörigen.

Das Statistische Landesamt stellt zahlreiche Länderinformationen zur Verfügung: Hier ausgewählte Fakten zu Einwanderung, Leben- und Arbeiten, schulischer Bildung und Familien von Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit. Vor 65 Jahren – am 30. Oktober 1961 – hat Deutschland ein Anwerbeabkommen zur Entsendung von Arbeitskräften mit der Türkei geschlossen. 

Wie viele türkische Staatsangehörige leben im Land? 

In Baden-Württemberg – mit rund 11,2 Millionen Menschen – lebten am Ende des Jahres 2025 rund 265.975 Personen mit einer türkischen Staatsangehörigkeit, davon waren 140.015 Männer und 125.960 Frauen. Diese waren durchschnittlich 47 Jahre alt, das Durchschnittsalter aller Einwohnerinnen und Einwohner im Südwesten beträgt dagegen 44,2 Jahre. 

Wie hoch ist die Zahl der Einbürgerungen? 

Seit 2000 haben knapp 127.000 Türkinnen und Türken die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Vor allem diese Einbürgerungen haben dazu geführt, dass die Zahl der türkischen Staatsangehörigen in Baden-Württemberg gesunken ist. 1997 lebten im Südwesten 358.800 Türkinnen und Türken und damit so viele wie noch nie seit Bestehen des Landes. Die im Gesamtzeitraum Eingebürgerten türkischer Herkunft waren zum Zeitpunkt ihrer Einbürgerung durchschnittlich 26,2 Jahre alt und damit jünger als alle Eingebürgerten im Durchschnitt (30,8 Jahre).

Wer lebt wo? 

Innerhalb des Landes verteilen sich die türkischen Staatsangehörigen sehr unterschiedlich auf die einzelnen Teilräume. Wie bei der ausländischen Bevölkerung insgesamt ist diesbezüglich ein ausgeprägtes „Stadt-Land-Gefälle“ feststellbar, da sie überdurchschnittlich oft in der Nähe der Arbeitsplatzzentren und damit in den größeren Städten leben. 2025 hatten die meisten Türkinnen und Türken im Landkreis Ludwigsburg (18.465) ihren Wohnsitz, gefolgt von der Landeshauptstadt Stuttgart (17.980), dem Landkreis Esslingen (17.435) sowie dem Stadtkreis Mannheim (16.085) und dem Rhein-Neckar-Kreis (13.750).

Wer heiratet wen? 

Bei Eheschließungen zwischen deutschen Frauen und ausländischen Männern waren diejenigen mit türkischen Männern im Jahr 2025 am häufigsten (893). Ebenso kamen bei Ehen zwischen ausländischen Frauen und deutschen Männern solche mit türkischen Frauen am häufigsten vor (361). Insgesamt gab es 2025 rund 47.000 Eheschließungen in Baden-Württemberg. 

Wie viele Türkinnen und Türken arbeiten im Land?

Zum 30. Juni 2025, waren in Baden-Württemberg rund 111.000 türkische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon knapp 74.000 Männer und gut 37.000 Frauen. Türkische Staatsangehörige ohne deutschen Pass machten 2025 damit 11 % aller ausländischen Beschäftigten aus. Vor einigen Jahrzehnten lag der Anteil weit höher: im Jahr 1976 bei über 21 %, im Jahr 1986 sogar bei fast 27 %. Der Zuwachs fiel bei den Beschäftigten insgesamt und insbesondere bei den ausländischen Beschäftigten über die letzten Jahrzehnte hinweg im jährlichen Durchschnitt nämlich weit stärker aus als bei den Beschäftigten mit ausschließlich türkischer Staatsangehörigkeit.

Von allen türkischen Beschäftigten waren hierzulande 41 % im Produzierenden Gewerbe tätig. Damit lag der Anteil der türkischen Beschäftigten in Baden-Württembergs Industriebranchen über dem allgemeinen Beschäftigtenanteil von fast 34 %. Betrachtet man das Anforderungsniveau der ausgeübten Berufe, ging ein gutes Drittel aller türkischen Beschäftigten im Land Helfertätigkeiten nach, während mit 54 % über die Hälfte als Fachkraft angestellt war. Die übrigen Beschäftigten waren als Spezialistinnen bzw. Spezialisten (7 %) oder als Expertinnen bzw. Experten (knapp 6 %) tätig.

Wie hoch ist die Geburtenrate? 

Türkische Frauen in Baden-Württemberg brachten im Jahr 2025 im Schnitt 1,58 Kinder zur Welt. Die Geburtenrate entsprach damit leicht unter derjenigen der gesamten ausländischen Bevölkerung (1,68). Zum Vergleich: Deutsche Frauen brachten im vergangenen Jahr durchschnittlich 1,26 Kinder zur Welt.

Es ziehen wieder mehr türkische Staatsangehörige ins Land

Seit dem Jahr 2000 sind per Saldo gut 58.000 türkische Staatsangehörige nach Baden-Württemberg gezogen. Dabei stehen knapp 273.000 Zuzügen insgesamt gut 214.000 Fortzüge gegenüber. In den Jahren 2006 bis 2014 war der Wanderungssaldo zumeist negativ, das heißt, es zogen mehr Türkinnen und Türken aus Baden-Württemberg fort als zu. Seit dem Jahr 2015 sind aber durchweg wieder Wanderungsgewinne mit türkischen Staatsangehörigen zu verzeichnen. So sind im vergangenen Jahr per Saldo immerhin mehr als 3.000 türkische Staatsangehörige in den Südwesten zugezogen, und im Rekordjahr 2023 zogen über 23.000 Türkinnen und Türken nach Baden-Württemberg, während nur knapp 8.000 das Land verließen, was einen Saldo von Plus 15.000 ergab.

In Schulen

Unter den weiterführenden Schularten waren die meisten türkischen Schülerinnen und Schüler (1.858) an Realschulen zu finden, 945 wurden an einer Haupt- oder Werkrealschule unterrichtet und 1.559 an einem Gymnasium. Weitere 5.852 wurden im Schuljahr 2025/26 an einer beruflichen Schule in Baden-Württemberg unterrichtet. Die insgesamt gut 16.700 türkischen Schülerinnen und Schüler waren damit die viertgrößte Gruppe unter den ausländischen Schülerinnen und Schülern an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Land. 

Türkische Staatsangehörige an den Hochschulen 

Im Wintersemester 2025/26 waren 4.059 Studierende mit türkischer Staatsangehörigkeit an den Hochschulen in Baden-Württemberg eingeschrieben. Türkische Studierende stellen damit die drittgrößte Ausländergruppe nach den Studierenden aus China und Indien. Während es sich bei den chinesischen und indischen Studierenden in über 90 % der Fälle um Bildungsausländerinnen und -ausländer handelte, waren türkische Studierende zu 36 % Bildungsinländerinnen und -inländer. Das heißt, dass sie ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben. Der Anteil bildungsinländischer türkischer Studierender ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Im Wintersemester 2017/18 machten die Bildungsinländerinnen und -inländer unter den türkischen Studierenden noch 83 % aus. Die meisten türkischen Studierenden (44 %) waren in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach eingeschrieben, 20 % in einem wirtschaftswissenschaftlichen Fach.

Existenzgründungen: Handel, Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und Gastgewerbe bevorzugt

Von den 94.006 Personen, die im Jahr 2025 einen Gewerbebetrieb alleine oder gemeinsam mit anderen gründeten, waren 3.333 türkische Staatsangehörige. Mit einem Anteil von 16 % an allen ausländischen Gründerpersonen (insgesamt 20.557) stellten sie die größte Gruppe vor den Italienern (9 %). Türken gründeten mit rund 29 % am häufigsten im Wirtschaftsbereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“. Auch bei den Deutschen war dies die beliebteste Branche (23 %). Gründungen im Bereich Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (15 %) und im Gastgewerbe (14 %) waren bei den Türken auch gefragt.

Die Außenhandelsbeziehungen mit der Türkei

Die baden-württembergischen Ausfuhren in die Türkei lagen im Jahr 2025 bei einem Gesamtwert von rund 4,6 Milliarden Euro. Wie aus den Ergebnissen der Außenhandelsstatistik weiter hervorgeht, dominierten dabei die beiden Güterabteilungen „Kraftwagen und Kraftwagenteile“ (2,0 Milliarden Euro bzw. 43,9 %) sowie „Maschinen“ (1,0 Milliarden Euro bzw. 20,9 %) mit einem gemeinsamen Wertanteil von fast zwei Dritteln (64,9 %). 

Die Einfuhren aus der Türkei beliefen sich insgesamt auf fast 3,6 Milliarden Euro. Importseitig waren „Maschinen“ die mit Abstand gefragtesten Güter. 2025 entfiel beinahe ein Drittel des Einfuhrwertes aller in den Südwesten importierten türkischen Waren auf diese Güterabteilung (30,4 % bzw. 1,1 Milliarden Euro). 

Tourismus

Noch heute steigt die Zahl der Reisenden mit türkischer Staatsbürgerschaft, die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in Baden-Württemberg übernachten. 2015 war die Türkei bereits Herkunftsland für 0,8 % aller ausländischen Ankünfte. Bis 2025 stieg dieser Anteil weiter auf 1,2 %, wobei die durchschnittliche Aufenthaltsdauer stabil bei zwei bis drei Nächten bleibt, demselben Bereich wie auch schon 1961, als das Anwerbeabkommen in Kraft trat.

Nennenswert sind die 12.845 verzeichneten Ankünfte im Reisegebiet Schwarzwald im Jahr 2025. Damit steht dieses Reisegebiet an zweiter Stelle nach der Region um die Landeshauptstadt mit 36.563 Ankünften. Am Bodensee wiederum verweilen die türkischen Gäste am längsten, mit durchschnittlichen 3,8 Übernachtungen.

Insgesamt steht die Türkei 2025 auf Platz 13 der Herkunftsländer für ausländische Ankünfte, und auf Platz 15 der Übernachtungen. Verglichen mit den 18 anderen Gebieten, mit denen Deutschland (BRD und DDR) Anwerbeabkommen geschlossen hat, liegt die Türkei bei den Ankünften 2025 auf Platz 4. Bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer schafft sie es mit 2,3 Übernachtungen pro Ankunft „nur“ auf Platz 13, den sie sich mit Lettland, Litauen, und Luxemburg teilt. In absoluten Zahlen ist sie damit nahe an Kroatien und Indien, welche mit jeweils 3,8 Übernachtungen pro Ankunft den ersten Platz belegen. Der Durchschnitt für das Ausland als Ganzes liegt übrigens bei 2,1 Übernachtungen pro Ankunft.

Istanbul – Mehr Menschen als in Baden-Württemberg

Istanbul gehört mit 15,75 Millionen Einwohnern (2025) zu den größten Städten der Welt. Damit leben in Istanbul mehr Menschen als in ganz Baden-Württemberg mit 11,2 Millionen.

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