Binnenschifffahrt: langfristiger Rückgang des Güterumschlags
Das Volumen hat sich in Baden-Württemberg in den letzten dreißig Jahren fast halbiert.
Die aktuelle Niedrigwasserlage stellt die Binnenschifffahrt vor große Herausforderungen. Aus aktuellem Anlass zeigt das Statistische Landesamt Baden-Württemberg langfristige Entwicklungstrends der Binnenschifffahrt im Südwesten.
Im Jahr 2025 wurden in Baden-Württemberg 24,9 Millionen Tonnen Güter per Binnenschiff umgeschlagen. Das entspricht einem Anstieg um 2,1 % gegenüber 2024 und stellt zudem einen Anstieg im Güterumschlag für das zweite Jahr in Folge dar, nachdem dieser in den Jahren 2020 bis 2023 zurückgegangen war. Der Containerverkehr entwickelte sich gegenläufig. Während 2024 noch 167.302 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) auf Binnenschiffen befördert wurden, lag die Anzahl 2025 nur noch bei 150.302 TEU, was einem Rückgang von 17.000 TEU bzw. 10,2 % entspricht.
Die längerfristige Entwicklung des Güterumschlags im Binnenschiffsverkehr weist deutliche Schwankungen auf. Auf Jahre mit niedrigem Umschlag folgen oft Jahre mit steigender Transportmenge. Diese Entwicklung spiegelt die starke Abhängigkeit von äußeren Einflüssen wie beispielsweise Niedrig- und Hochwasser, Havarien oder Schleusensperrungen wider. Langfristig sind allerdings zwei Trends relevant. Zum einen ging die umgeschlagene Gütermenge trotz kurzfristiger Schwankungen in den letzten Jahrzehnten zurück. Zum anderen lässt sich eine Verschiebung im Verhältnis zwischen Ankunft und Abgang der Güter erkennen. So lag der Anteil der empfangenen Güter am gesamten Güterumschlag zwischen 1996 und 2005 bei 54,9 %. Folglich wurden mehr ankommende als versandte Waren verzeichnet. Zehn Jahre später lag dieser Anteil im Mittel bei 52,5 % (2006-2015), bevor er in den letzten zehn Jahren (2016-2025) schließlich auf 49,8 % sank. Damit ging die Bedeutung des Güterempfangs in der baden-württembergischen Binnenschifffahrt über die letzten Jahrzehnte zurück und Empfang und Versand sind nunmehr ausgeglichen.
Ein ähnliches Muster lässt sich bei der Zahl der Schiffe erkennen. 2025 wurden im Monat durchschnittlich 2.518 Schiffe mit und ohne eigenen Antrieb registriert. Zuletzt wurden im März 2022 über 3.000 Schiffe gezählt – seitdem wurde dieser Wert in keinem Monat mehr erreicht. Die vorläufigen Zahlen aus 2026 ergeben für die Monate Januar bis Mai einen Durchschnitt von 2.562 Schiffen pro Monat.
Interessant ist, dass die Zahl der Schiffe bei Niedrigwasser häufig zunächst ansteigt, während der Güterumschlag pro Schiff und in Summe jedoch zurückgeht. Bei Hochwasser ist das Befahren der Wasserstraßen dagegen direkt eingeschränkt und die Zahl der Schiffe sinkt. Darüber hinaus sind der Rhein und der Neckar unterschiedlich von Niedrigwasser betroffen. Durch die Schleusung des Neckars lassen sich ein niedriger Pegelstand und die Probleme beim Befahren zumindest zeitweise verzögern. Der Rhein ist dagegen stärker und unmittelbarer von Niedrigwasserereignissen bedroht.
Während versucht werden kann, den Güterumschlag vom Wasser auf die Schiene und insbesondere per Lkw auf die Straße umzuleiten, gehen damit zusätzliche Probleme einher. Ein großes Güterschiff in der Binnenschifffahrt ersetzt bis zu 150 Lkw, was entsprechend viele Fahrer, Lkw und nicht zuletzt Fläche auf den Straßen im Südwesten für den Ersatz bedeutet. Zudem gibt es Güterarten, die aufgrund ihrer Größe oder Masse nur per Schiff transportiert werden können oder aufgrund der Transportkosten zumindest überwiegend per Binnenschiff transportiert werden. Die genauen Auswirkungen des niedrigen Pegelstandes auf den Güterumschlag in Baden-Württemberg werden im Herbst verfügbar sein, wenn die Daten der Binnenschifffahrtsstatistik für die Monate Juli, August und September vorliegen.
Weitere Informationen
Der Güterumschlag ist die Summe der wasserseitigen Ein- und Ausladungen von Gütern. Die Angaben zum Güterumschlag sind inklusive Containergewicht.
Ein TEU (engl.: Twenty-foot Equivalent Unit) entspricht einem 20-Fuß-Standardcontainer.
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