:: 132/2020

Pressemitteilung 132/2020

Stuttgart,

Baden-Württemberg: Insolvenz-Gläubiger verlieren fast 2 Milliarden Euro

96 % der im Jahr 2011 eröffneten Insolvenzverfahren waren 2018 beendet

Bei Insolvenzverfahren in Baden-Württemberg, die im Jahr 2011 eröffnet und bis Ende 2018 beendet wurden, hatten die Gläubiger von insolventen Unternehmen und Privatpersonen Verluste1 in Höhe von 1,94 Milliarden (Mrd.) Euro zu tragen. Wie das Statistische Landesamt nach den Ergebnissen der Statistik über beendete Insolvenzverfahren mitteilt, mussten die Gläubiger damit auf 96 % ihrer Forderungen2 verzichten. Von dem Gesamtverlust entfielen 822 Millionen (Mill.) Euro auf die Gläubi­ger bei Unternehmensinsolvenzen und 1,11 Mrd. Euro auf die Gläubiger insolventer Privatpersonen. Unter den Privatinsolvenzen summierten sich auf die zahlenmäßig am stärksten vertretene Gruppe der Verbraucherinsolvenzen die Verluste auf 507 Mill. Euro und auf Insolvenzverfahren ehemals selbststän­dig Tätiger auf 505 Mill. Euro.

Von den insgesamt 13 667 im Jahr 2011 eröffneten Insolvenzverfahren wurden bis zum 31.12.2018 insgesamt 13 122 Verfahren, 1 224 Unternehmensinsolvenzen und 11 898 Privatinsolvenzen, beendet. Das waren insgesamt 96 % aller im Jahr 2011 eröffneten Insolvenzverfahren. Betrachtet man die jeweilige Verfahrensdauer, so weisen die Insolvenzverfahren für Verbraucher mit 98 % eine deutlich höhere Beendigungsquote auf als die Verfahren bei den Unternehmensinsolvenzen (79 %). Generell ist zu beobachten, dass Verbraucherinsolvenzen nach einer merklich kürzeren Laufzeit abgeschlossen werden können als die Unternehmensinsolvenzen, die oftmals wesentlich komplizierter im Verfahren sind. So waren von den im Jahr 2015 eröffneten Verbraucherinsolvenzen im Jahr 2018, also nach einer Laufzeit von 3 Jahren, bereits 94 % der Verfahren beendet. Bei den Unternehmensinsolvenzen betrug die Quote im selben Zeitraum dagegen nur 40 %.

Bei 1 004 der insgesamt 1 224 Unternehmensinsolvenzen, die im Jahr 2011 eröffnet und bis Ende 2018 beendet wurden, kam es zu einer Auflösung des Unternehmens. In 104 Fällen erfolgte dagegen eine Sanierung. Insgesamt konnten 30 Unternehmen unter Beibehaltung des bisherigen Unternehmensträgers fortgeführt werden, in 74 Fällen gelang der Erhalt des Betriebes oder von Betriebsteilen.3 Durch die Sanierung dieser Unternehmen wurden 1 450 Arbeitsplätze gesichert.

1 Verlust: Differenz zwischen den quotierten Forderungen und dem zur Verteilung verfügbaren Betrag.

2 Es werden ausschließlich die quotenberechtigten Forderungen betrachtet. Dabei handelt es sich um Forderungen, die von den Gläubigern angemeldet und vom Insolvenzverwalter nach einer Prüfung in einer sogenannten Insolvenztabelle zusammengefasst wurden.

3 In den restlichen 116 Fällen war keine Angabe zur Sanierung möglich.

Tabelle 1
Finanzielle Ergebnisse der Insolvenzverfahren in Baden-Württemberg
Insolvenzverfahren: Eröffnet im Jahr 2011 und beendet bis 31.12.2018
Art des SchuldnersEröffnete InsolvenzverfahrenQuoten­berech­tigte
Forde­rungen
Zur Verteilung verfügbarer BetragVerluste1)
ins­gesamtdarunter bisher beendete VerfahrenBeendi­gungs­quote
Anzahl%1.000 Euro%

1) Verluste: Differenz zwischen den quotenberechtigten Forderungen und dem zur Verteilung verfügbaren Betrag bzw. Anteil des Verlustes an den quotenberechtigten Forderungen.

Datenquelle: Insolvenzstatistik, finanzielle Ergebnisse.

Insgesamt13.66713.12296,02.012.14675.1901.936.95696,3
Unternehmensinsolvenzen1.5421.22479,4876.40054.385822.01593,8
Privatinsolvenzen12.12511.89898,11.135.74620.8051.114.94198,2
Natürliche Personen als Gesellschafter u.Ä. 15914389,977.0071.38475.62398,2
Ehemals selbstständig Tätige2.5332.45697,0513.9439.239504.70498,2
mit Regelinsolvenzverfahren1.9001.83396,5451.8848.533443.35198,1
mit vereinfachtem Verfahren63362398,462.05870661.35398,9
Verbraucher9.2429.13198,8515.2208.354506.86698,4
Nachlässe und Gesamtgut19116888,029.5761.82827.74893,8