:: 152/2020

Pressemitteilung 152/2020

Stuttgart,

Baden-Württemberg: Wanderungsgewinne gehen weiter zurück

Gegenüber dem übrigen Bundesgebiet gab es im Jahr 2019 sogar deutliche Wanderungsverluste

Baden-Württemberg konnte im Laufe des Jahres 2019 insgesamt 368.700 Zuzüge über die Landesgrenze verzeichnen1. 330.900 Menschen zogen hingegen aus Baden-Württemberg fort. Hieraus ergibt sich ein positiver Wanderungssaldo von 37.800 Personen. Dies bedeutet einen geringeren Zuwachs der Bevölkerung durch Wanderungsbewegungen als in den vorangegangenen Jahren 2018 (50.900) und 2017 (72.100). Ursächlich für den Zugewinn war auch im Jahr 2019 ausschließlich die Wanderungsbilanz mit dem Ausland. 246.800 Zuzüge über die Bundesgrenze in den Südwesten ergeben bei 200.200 Fortzügen einen positiven Wanderungssaldo von 46.700. Gegenüber den anderen Bundesländern waren hingegen deutlich mehr Fortzüge (130.700) als Zuzüge (121.800) zu verzeichnen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes bedeutet dies mit einem Saldo von –8.900 Personen die ungünstigste Wanderungsbilanz gegenüber dem übrigen Bundesgebiet seit mindestens 19702.

Berlin und Hamburg für Baden-Württemberger attraktiv

Das Wanderungsgeschehen Baden-Württembergs mit den übrigen Bundesländern zeigt, dass Umzüge häufig im Nahbereich stattfinden. Mit 144.200 von insgesamt 252.600 Wanderungsfällen entfielen gut 57 % der Umzüge auf die drei benachbarten Länder Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Ein positiver Wanderungssaldo ergab sich 2019 lediglich zu Niedersachsen (+1.400) und dem Saarland (+300). Nahezu ausgeglichen war die Bilanz zu Thüringen und Sachsen-Anhalt. Im Verhältnis zu den übrigen elf Bundesländern überwogen die Fortzüge durchweg die Zuzüge. Absolut gesehen war die negative Wanderungsbilanz mit Bayern (–3.000) am deutlichsten. Setzt man die Zuzüge mit den Fortzügen ins Verhältnis (Wanderungsquotient3), so erzielen jedoch Berlin (0,72) und Hamburg (0,73) mit Abstand die auffälligsten Werte. Die beiden größten deutschen Städte scheinen für Menschen aus Baden-Württemberg attraktive Ziele zu sein.

Rumänien häufigster Herkunfts- und Zielstaat

Fast ein Fünftel des Wanderungsgeschehens mit dem Ausland entfiel 2019 allein auf Rumänien. Ein Grund für 45.500 Zuzüge aus und 37.800 Fortzüge nach Rumänien dürfte eine hohe Zahl rumänischer Saisonarbeiter in der Landwirtschaft sein, deren Zu- und Wiederfortzug binnen eines Jahres erfolgt. Über 10.000 Zuzüge waren zudem aus Polen (14.700), Italien (13.100), Bulgarien (11.100) und Kroatien (10.900) zu verzeichnen. Eine Sonderstellung nimmt die Schweiz ein: 5.500 Zuzügen aus der Eidgenossenschaft stehen 8.600 Fortzügen gegenüber. Mit einem Wanderungsquotienten von 0,63 ist sie ein noch beliebteres Zielgebiet als Berlin und Hamburg. Die besonders hohen bzw. niedrigen Wanderungsquotienten von Syrien (13,95) und Gambia (0,65) sind möglicherweise auch auf die je nach Herkunftsstaat sehr unterschiedlichen Anerkennungsquoten von Schutzsuchenden zurückzuführen.

1 Die Ergebnisse im Text wurden jeweils auf 100 gerundet.

2 Daten zu den Wanderungssaldi gegenüber dem übrigen Bundesgebiet liegen dem Statistischen Landesamt seit 1970 vor.

3 Beim Wanderungsquotient wird die Zahl der Zuzüge durch diejenige der Fortzüge dividiert. Werte größer 1 bedeuten damit Wanderungsgewinne, Werte kleiner 1 Wanderungsverluste.

Tabelle 1
Wanderungen zwischen Baden-Württemberg und dem übrigen Bundesgebiet 2019
BundeslandZuzüge aus …Fortzüge nach …WanderungsfälleWanderungssaldoWanderungsquotient1)
Anzahl

1) Beim Wanderungsquotient wird die Zahl der Zuzüge durch diejenige der Fortzüge dividiert. Werte größer 1 bedeuten damit Wanderungsgewinne, Werte kleiner 1 Wanderungsverluste.

Datenquelle: Wanderungsstatistik.

Schleswig-Holstein2.6233.1175.740−4940,84
Hamburg2.4683.3885.856−9200,73
Niedersachsen9.2627.88417.146+1.3781,17
Bremen8099451.754−1360,86
Nordrhein-Westfalen18.64919.22037.869−5710,97
Hessen17.10017.71434.814−6140,97
Rheinland-Pfalz15.79416.91032.704−1.1160,93
Bayern36.85939.82976.688−2.9700,93
Saarland2.0561.7983.854+2581,14
Berlin5.1117.14812.259−2.0370,72
Brandenburg1.7012.1083.809−4070,81
Mecklenburg-Vorpommern1.1541.4102.564−2560,82
Sachsen4.0815.0859.166−1.0040,80
Sachsen-Anhalt1.8001.8183.618−180,99
Thüringen2.3692.3434.712+261,01
Übriges Bundesgebiet121.836130.717252.553−8.8810,93
Tabelle 2
Wanderungen zwischen Baden-Württemberg und dem Ausland 2019*)
StaatZuzüge aus …Fortzüge nach …WanderungsfälleWanderungssaldoWanderungsquotient1)
Anzahl

*) Ziel- und Herkunftsstaaten mit mehr als 2000 Wanderungsfällen.

1) Durch das Teilen der Zuzüge durch die Fortzüge ergibt sich der Wanderungsquotient, der beide Zahlen in ein Verhältnis setzt. Bei einem negativen Wanderungssaldo ergibt sich dabei ein Quotient unter 1, bei einem positiven Saldo ein Wert über 1.

Datenquelle: Wanderungsstatistik.

Rumänien45.51837.76083.278+7.7581,21
Polen14.70115.27229.973−5710,96
Italien13.0879.76722.854+3.3201,34
Bulgarien11.0708.46619.536+2.6041,31
Kroatien10.8926.64317.535+4.2491,64
Ungarn8.2568.77717.033−5210,94
Türkei8.5635.75814.321+2.8051,49
Schweiz5.4518.63214.083−3.1810,63
Vereinigte Staaten5.2204.86710.087+3531,07
Indien6.2553.81310.068+2.4421,64
Serbien5.8863.8689.754+2.0181,52
Frankreich4.5114.7369.247−2250,95
Griechenland5.2203.9599.179+1.2611,32
Bosnien und Herzegowina6.5082.6569.164+3.8522,45
China4.4473.6748.121+7731,21
Spanien3.9123.8937.805+191,00
Kosovo5.5401.4817.021+4.0593,74
Nordmazedonien4.5552.3346.889+2.2211,95
Österreich2.7613.4396.200−6780,80
Vereinigtes Königreich2.6702.2554.925+4151,18
Brasilien2.2411.4823.723+7591,51
Albanien2.5291.1413.670+1.3882,22
Slowakei1.8561.7603.616+961,05
Russland2.0801.3793.459+7011,51
Ukraine1.9811.2783.259+7031,55
Portugal1.4481.6223.070−1740,89
Litauen1.5481.3152.863+2331,18
Syrien2.5801852.765+2.39513,95
Gambia9821.5082.490−5260,65
Moldau1.6198112.430+8082,00
Tschechien1.2581.1542.412+1041,09
Mexiko1.2189132.131+3051,33
Niederlande9451.1112.056−1660,85
Irak1.6204322.052+1.1883,75
Japan1.0369862.022+501,05
Ausland insgesamt246.814200.151446.965+46.6631,23