:: 208/2020

Pressemitteilung 208/2020

Stuttgart,

Baden-Württemberg hat bundesweit die höchste Ingenieurdichte

Starker Zuwachs an Frauen in Ingenieurberufen – Architektur sowie Garten- und Landschaftsbau bereits von Frauen dominiert

Mit der technischen Innovation und der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft im internationalen Wettbewerb steigt der Bedarf der Unternehmen an hoch spezialisiertem Fachpersonal und damit auch an Ingenieurfachkräften. Im Zeitraum 2013 bis 2019 nahm in Baden-Württemberg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die Ingenieurberufe1 ausüben, um 25,1 % zu, fast doppelt so stark wie die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt (+ 13,8 %). Wie das Statistische Landesamt feststellt, waren im Jahr 2019 von den insgesamt 4,75 Millionen (Mill.) sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Baden-Württemberg 191 800 oder 4,0 % in Ingenieurberufen tätig. Die Ingenieurdichte lag damit so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Während unter den Flächenländern die Ingenieurfachkräfte im benachbarten Bayern mit einer Quote von 3,9 % fast genauso stark vertreten waren wie hierzulande, lagen die entsprechenden Anteile in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nicht einmal halb so hoch (1,7 % bzw. 1,9 %). Bundesweit waren 2019 mehr als 1,03 Mill. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Ingenieurberufen tätig (Anteil: 3,1 %), darunter alleine zwei Drittel in den großen Flächenländern Bayern (21,3 %), Baden-Württemberg (18,5 %), Nordrhein-Westfalen (18,1 %) und Niedersachsen (8,5 %).

Unter den 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs führte der Landkreis Böblingen mit einer Ingenieurdichte von 9,2 % vor dem Bodenseekreis (7,2 %), dem Stadtkreis Stuttgart (6,8 %) und dem Landkreis Ludwigsburg (5,9 %). Drei dieser vier Kreise liegen in der Region Stuttgart, die mit einer Quote von 6,0 % mit deutlichem Vorsprung an der Spitze der 12 Regionen lag. Der Bedarf an Ingenieurfachkräften ist insbesondere dort hoch, wo der Fahrzeugbau stark vertreten ist und Forschung und Innovation eine vergleichsweise große Rolle spielen. So liegt der Landkreis Böblingen bei der Ingenieurdichte deutschlandweit hinter dem niedersächsischen Stadtkreis Wolfsburg (12,9 %) und vor dem bayerischen Stadtkreis Ingolstadt (8,4 %) auf Rang 2 und die genannten baden-württembergischen Kreise mit der höchsten Ingenieurdichte zählen zu den Top 10 beim Innovationsindex. Dies spiegelt sich auch in der Struktur der Ingenieurfachkräfte nach Tätigkeitsbereichen wider. So arbeiteten von den insgesamt 191 800 beschäftigten Ingenieurfachkräften in Baden-Württemberg alleine 99 000 (52 %) in der produktionsnahen technischen Forschung einschließlich Produktionssteuerung sowie weitere 21 000 (11 %) im Bereich Maschinen- und Fahrzeugtechnik. Weitere wichtige Tätigkeitsbereiche waren das Bauwesen (16 300 bzw. 9 %) und die Architektur (12 200 bzw. 6 %). In diesen vier Teilbereichen zusammen arbeiteten fast 80 % aller Ingenieurfachkräfte.

Ingenieurberufe sind nach wie vor eine Männerdomäne. Im Jahr 2019 übten 159 600 Männer und nur 32 200 Frauen Ingenieurberufe aus. Gemessen an ihrem Anteil von 55 % an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt waren männliche Ingenieurfachkräfte im Jahr 2019 mit 83 % deutlich stärker vertreten. Allerdings haben Ingenieurberufe bei Frauen in den letzten Jahren spürbar an Attraktivität gewonnen. Von 2013 bis 2019 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten weiblichen Ingenieurfachkräfte um 55,0 %, mehr als doppelt so stark wie die ihrer männlichen Kollegen (+ 20,4 %) und fast viermal so stark wie die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen insgesamt (+ 13,9 %). Die Zahl der beschäftigten weiblichen Ingenieurfachkräfte entwickelte sich in nahezu allen Tätigkeitsfeldern dynamischer als bei den Männern, sodass der Frauenanteil unter den beschäftigten Ingenieurfachkräften von 2013 bis 2019 um drei Prozentpunkte auf fast 17 % zunahm. Einzelne Teilsparten der Ingenieurberufe sind inzwischen von Frauen dominiert. So waren in Baden-Württemberg im Jahr 2019 in den Teilbereichen Architektur, Garten- und Landschaftsbau sowie Innenarchitektur gut 50 %, 53 % bzw. 80 % der sozialversicherungspflichtig tätigen Ingenieurfachkräfte weiblich. Dagegen dürfte der Aufholprozess der Frauen in den produktionsnahen Ingenieurberufen angesichts niedriger Frauenquoten von derzeit 9 % im Bereich Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie 13 % im Bereich technische Forschung und Produktionssteuerung noch sehr lange dauern.

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1 Die Gruppe der Ingenieurberufe umfasst Berufsgattungen der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010), die typische Tätigkeiten für ausgebildete Ingenieure/Ingenieurinnen beschreiben. Eine Berufsausbildung zum Ingenieur stellt die idealtypische, nicht jedoch die einzige Zugangsmöglichkeit zu diesen Tätigkeiten dar. Alle Ingenieurberufe setzen Expertenkenntnisse und damit das höchste Anforderungsniveau voraus. Die genannten Angaben beziehen sich auf die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit jeweils zum Stichtag 30. Juni. Vergleichbare Beschäftigtendaten nach der KldB 2010 liegen erst seit 2013 vor.

Schaubild 1: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte nach Bundesländern 2019
Schaubild 1: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte nach Bundesländern 2019
Tabelle 1
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt und Ingenieurfachkräfte nach Bundesländern 2019*)
BundeslandInsgesamtIngenieurfachkräfteAnteil Ingenieurfachkräfte an Insgesamt
Anzahl%

*) Stichtag 30. Juni; Klassifikation der Berufe - Ausgabe 2010 (KldB 2010).

1) Einschließlich Fälle ohne Angabe zum Arbeitsort.

Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit, vorläufige Daten.

Baden-Württemberg4.748.861191.8244,0
Bayern5.702.850219.8483,9
Berlin1.527.91249.5383,2
Brandenburg854.16417.8282,1
Bremen334.26710.6173,2
Hamburg996.03138.0053,8
Hessen2.630.86482.2763,1
Mecklenburg-Vorpommern578.8489.9861,7
Niedersachsen3.007.56088.3362,9
Nordrhein-Westfalen6.976.079186.8632,7
Rheinland-Pfalz1.435.33731.0732,2
Saarland391.3687.9762,0
Sachsen1.617.16246.3982,9
Sachsen-Anhalt799.39915.3621,9
Schleswig-Holstein1.000.21320.6442,1
Thüringen804.77017.8542,2
Deutschland1)33.407.2621.034.4683,1
Schaubild 2: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte in den Stadt- und Landkreisen sowie Regionen Baden-Württembergs 2019
Schaubild 2: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte in den Stadt- und Landkreisen sowie Regionen Baden-Württembergs 2019
Tabelle 2
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt und Ingenieurfachkräfte in den Stadt- und Landkreisen sowie Regionen Baden-Württembergs 2019*)
Stadtkreis (SKR)
Landkreis (LKR)
Land
InsgesamtIngenieurfachkräfteAnteil Ingenieurfachkräfte an Insgesamt
Anzahl%

*) Stichtag 30. Juni; Klassifikation der Berufe - Ausgabe 2010 (KldB 2010).

Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit; vorläufige Daten.

Stuttgart (SKR)426.01428.8746,8
Böblingen (LKR)184.12216.9309,2
Esslingen (LKR)220.22610.0034,5
Göppingen (LKR)89.1461.9632,2
Ludwigsburg (LKR)207.81312.3215,9
Rems-Murr-Kreis (LKR)153.2956.3934,2
Region Stuttgart1.280.61676.4846,0
Heilbronn (SKR)71.8401.6072,2
Heilbronn (LKR)146.0317.2715,0
Hohenlohekreis (LKR)59.4141.8873,2
Schwäbisch Hall (LKR)84.4102.3342,8
Main-Tauber-Kreis (LKR)56.7921.4742,6
Region Heilbronn-Franken418.48714.5733,5
Heidenheim (LKR)53.3302.0513,8
Ostalbkreis (LKR)128.8665.6664,4
Region Ostwürttemberg182.1967.7174,2
Baden-Baden (SKR)30.7046692,2
Karlsruhe (SKR)178.8577.7074,3
Karlsruhe (LKR)158.4346.4814,1
Rastatt (LKR)94.7414.3624,6
Region Mittlerer Oberrhein462.73619.2194,2
Heidelberg (SKR)91.7822.6962,9
Mannheim (SKR)191.6156.7653,5
Neckar-Odenwald-Kreis (LKR)46.5978521,8
Rhein-Neckar-Kreis (LKR)176.5875.1432,9
Region Rhein-Neckar506.58115.4563,1
Pforzheim (SKR)59.0061.3462,3
Calw (LKR)48.3078811,8
Enzkreis (LKR)64.0501.9483,0
Freudenstadt (LKR)48.1861.1642,4
Region Nordschwarzwald219.5495.3392,4
Freiburg im Breisgau (SKR)129.1514.2163,3
Breisgau-Hochschwarzwald (LKR)83.8752.2172,6
Emmendingen (LKR)53.7301.8783,5
Ortenaukreis (LKR)185.0453.5041,9
Region Südlicher Oberrhein451.80111.8152,6
Rottweil (LKR)57.9781.4662,5
Schwarzwald-Baar-Kreis (LKR)89.5682.4272,7
Tuttlingen (LKR)67.7082.1633,2
Region Schwarzwald-Baar-Heuberg215.2546.0562,8
Konstanz (LKR)103.8482.9632,9
Lörrach (LKR)80.0622.3843,0
Waldshut (LKR)55.5301.0521,9
Region Hochrhein-Bodensee239.4406.3992,7
Reutlingen (LKR)115.9704.5864,0
Tübingen (LKR)83.0392.5243,0
Zollernalbkreis (LKR)70.1251.4562,1
Region Neckar-Alb269.1348.5663,2
Ulm (SKR)95.8555.3995,6
Alb-Donau-Kreis (LKR)56.2221.3142,3
Biberach (LKR)86.7852.6253,0
Region Donau-Iller238.8629.3383,9
Bodenseekreis (LKR)94.9046.8567,2
Ravensburg (LKR)120.7943.0062,5
Sigmaringen (LKR)48.5071.0002,1
Region Bodensee-Oberschwaben264.20510.8624,1
Baden-Württemberg4.748.861191.8244,0
Tabelle 3
Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieurfachkräfte nach Berufsbereichen und Geschlecht in Baden-Württemberg 2013 und 2019*)
Klassifikation der Berufe - Ausgabe 2010 (KldB 2010) - AnforderungsniveauInsgesamtDavon
FrauenMänner
20132019Veränderung20132019VeränderungAnteil 201920132019VeränderungAnteil 2019
Anzahl%Anzahl%Anzahl%

*) Stichtag 30. Juni; Klassifikation der Berufe - Ausgabe 2010 (KldB 2010).

Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit, vorläufige Daten.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte insgesamt4.174.2414.748.861+13,81.877.2922.138.598+13,945,02.296.9492.610.263+13,655,0
darunter
Ingenieurfachkräfte zusammen153.355191.824+25,120.78532.208+55,016,8132.570159.616+20,483,2
davon
Land- und Forstwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau2.1032.601+23,78781.206+37,446,41.2251.395+13,953,6
davon
Land-, Forst-, Tierwirtschaft1.0171.160+14,1344439+27,637,8673721+7,162,2
Garten- und Landschaftsbau1.0861.441+32,7534767+43,653,2552674+22,146,8
Produktion und Fertigung112.328137.896+22,810.48616.420+56,611,9101.842121.476+19,388,1
davon
Metallverarbeitung1.0351.008 –2,69497+3,29,6941911 –3,290,4
Maschinen- und Fahrzeugtechnik18.41121.003+14,11.4871.904+28,09,116.92419.099+12,990,9
Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik15.05415.350+2,01.0051.356+34,98,814.04913.994 –0,491,2
Technische Forschung und Produktionssteuerung76.62498.956+29,17.57612.587+66,112,769.04886.369+25,187,3
Sonstige Tätigkeitsfelder in Produktion und Fertigung1.2041.579+31,1324476+46,930,18801.103+25,369,9
Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik24.02831.617+31,66.3589.949+56,531,517.67021.668+22,668,5
davon
Bauwesen12.03516.347+35,81.9333.239+67,619,810.10213.108+29,880,2
Architektur9.24812.244+32,44.0196.168+53,550,45.2296.076+16,249,6
Vermessungswesen963985+2,3198251+26,825,5765734 –4,174,5
Gebäude- und Versorgungstechnik1.7822.041+14,5208291+39,914,31.5741.750+11,285,7
Naturwissenschaften und Informatik3.8784.064+4,81.1361.308+15,132,22.7422.756+0,567,8
Verkehrsbetrieb und (Arbeits-) Sicherheitstechnik2.1962.592+18,0231363+57,114,01.9652.229+13,486,0
Technischer Vertrieb (nicht IKT)7.73111.348+46,81.1452.079+81,618,36.5869.269+40,781,7
Sonstige Bereiche1.0911.706+56,4551883+60,351,8540823+52,448,2
darunter
Medizintechnik275503+82,958134+131,026,6217369+70,073,4
Innenarchitektur531810+52,5392652+66,380,5139158+13,719,5
Bild- und Tontechnik119242+103,42641+57,716,993201+116,183,1
Museums-, Ausstellungstechnik11663 –45,76437 –42,258,75226 –50,041,3